Accuphase P-266

sind hier: Home » Gerätevorstellungen » Accuphase P-266

Die Geschichte der Marke Accuphase beginnt am 1. Juni 1972 und wird leider in den Tiefen des Internets verschiedentlich falsch oder mißverständlich dargestellt, wobei es wohl so ist, dass da einer vom anderen abschreibt. Ein Interview mit Jim S. Saito, der der Sohn einer der Firmenmitbegründer ist, beschreibt diese Geschichte nun richtig. 1972 stand die Marke Kenwood als Aktiengesellschaft unter dem starken Druck der Aktionäre, immer mehr Gewinne zu erzielen. Darunter leidet die Qualität der angebotenen Geräte, die immer mehr nur nach kommerziellen Gesichtspunkten entwickelt werden. Dieser Umstand führt dazu, dass die Brüder Jiro und Nakaichi Kasuga, die Firmengründer von Kenwood beschließen, eine weitere Firma zu gründen, die sich mit der Entwicklung und Konstruktion von nur noch hochwertigen Geräten zuu befassen, heute würde man solche High-End nennen. Sie gingen nicht weg von Kenwood, sie gaben auch nicht ihre Firmenanteile dafür her oder verzichteten auf Ihren Einfluss auf die Firmengeschicke. Zusätzlich nahmen sie auch noch einige der besten Ingenieure, darunter Shigemasa Saito (der Vater des Interviewten) und Yasumasa Ishizuka und begannen, zunächst bei Jiro Kasuga zu Hause. Das ist wohl der Grund dafür, dass Jiro Kasuga als alleiniger Unternehmensgründer gilt, was aber so nicht stimmt. Man nannte die neue Firma Kensonic Laboratories, erst viele Jahre später wurde die Firma in Accuphase umbenannt. Die Geräte hießen jedoch vom ersten Tage an Accuphase (für akkurate Phase = korrekte Wiedergabe). Die ersten Geräte, die dort entwickelt und gebaut wurden waren ein Tuner (T-100), ein Vorverstärker (C-200) und eine Endstufe (P-300) – noch heute begehrte Sammlerstücke und noch immer zur Spitzenklasse zählend. Sie kamen 1973 auf den Markt. Wegen des unerwartet großen Erfolges schob man weitere Geräte mit Kenwood-Labeln auf der Front nach, die Modelle 500, 600, 650T und 700C, 700M und 700T. Auch diese, ausschließlich in den Kensonic-Laboratories entwickelten, Modelle sind bis heute gesuchte und hoch geschätzte Geräte der Spitzenklasse. Auch später wurden viele Modelle der absoluten Spitzenklasse, die bei Kenwood im Programm angeboten wurden, bei Accuphase entwickelt – denn Kenwood besaß viele Jahre lang recht hohe Anteile an Accuphase und konnte so auf diese Ressourcen zurück greifen. Inzwischen steht Accuphase auf eigenen Beinen, die Firmengründer sind nicht mehr am Leben und man geht am Markt völlig getrennte Wege.

In Deutschland wird diese edle Marke seit ihrer Einführung von der Firma P.I.A. in Weiterstadt äußerst engagiert betrieben. Diese Firma wurde von dem Ehepaar Ishizuka gegründet und kümmert sich wirklich vorbildlich um dieses Fabrikat – keine Marke dürfte „sauberer“ sein im Hifi-Sektor!

Die Geräte der Marke Accuphase machen nichts anders als Geräte anderer Marken, aber sie sind konsequent bis zur allerkleinsten Schraube sorgfältigs konstruiert und verarbeitet – was dann schon die extreme Langlebigkeit und die hohe Wertkonstanz fast aller Geräte dieser Marke erklärt.

Als Beispiel stelle ich heute die Endstufe P-266 von 1983 vor, sie leistet zweimal 130 Watt sinus an 8 Ohm, in Class-A-Betrieb zweimal 55 Watt sinus an 4 Ohm und wiegt 20 kg. Sie ist in gemischter Bestückung aufgebaut: Spannungsverstärkung mit bipolaren Transistoren, Stromverstärkung mit FET-Transistoren.

Defekt war, wie bei den meisten Accuphase-Geräten, eigentlich nichts – lediglich altersbedingte Wehwehchen waren zu beseitigen. Zunächst mussten die Lautsprecherrelais erneuert werden, was gar nicht so einfach ist, denn die G2Z-Relais der Marke Omron sind leider weltweit nicht mehr erhältlich. Wir haben deshalb kleine Transferplatinen mit Ersatzrelais angefertigt (wie manche unserer Kollegen dies ebenfalls anbieten) und ersetzen dann diese Relais mit kleineren Modellen, die jedoch höhere Kontakströme vertragen als die originalen Relais (8 A statt 5 A). Die schwarzen sind die alten Original-Relais, die kleinen orangenen sind die Ersatzrelais.

accuphase-p-266-1-16727-oberkraemer

Hier sind sie bereits eingebaut.

accuphase-p-266-2-16727-oberkraemer

Diese ganze Platine wird mit einem Abdeckblech sorgfältig abgeschirmt.

accuphase-p-266-3-16727-oberkraemer

Auch so eine Accuphase-typische Sache: man kann die Primär-Spannung durch Umstecken von Trafoleitungen jederzeit anpassen – jetzt auf 240V.

accuphase-p-266-4-16727-oberkraemer

Die meisten der Platinen sind, äußerst servicefreundlich, komplett herausnehmbar und werden durch sehr stabile Stecker mit dem Gerät verbunden. Die beiden hinteren Platinen sind die Endstufen, vorne das geregelte Netzteil. Hier wurden die kleinen Relais und einige Elkos erneuert.

accuphase-p-266-5-16727-oberkraemer

Einen Schalter, über den das Musiksignal läuft, gibt es im Gerät und der wurde vermutlich noch nie betätigt.

accuphase-p-266-6-16727-oberkraemer

Dementsprechend gammlig sahen die Kontakte dann auch aus.

accuphase-p-266-7-16727-oberkraemer

Diese wurden wieder gereinigt, poliert und versiegelt.

accuphase-p-266-8-16727-oberkraemer

Hier ist der Schalter wieder auf der Platine eingebaut und man kann die Sorgfalt sehen, mit der Accuphase-Geräte konstruiert werden: die Kontakte dieses Schalters sind alle doppelt ausgeführt, das heißt für jede Schalterstellung gibt es zwei gleichzeitig schließende Kontakte! Sicher ist sicher. Mit diesem Schalter kann man die Endstufe übrigens zum Monoblock brücken.

accuphase-p-266-9-16727-oberkraemer

Nachdem alles fertig und anschließend gereinigt war, präsentierte sich die immerhin über 30 Jahre alte Endstufe wieder in beinahe neuwertigem Zustand. Blick von oben.

accuphase-p-266-10-16727-oberkraemer

Hier der Blick von unten.  Da schwächelt nichts.

accuphase-p-266-11-16727-oberkraemer

Das komplette wieder geschlossene Gerät zeigt sich – wie alle Accuphase-Modelle – völlig losgelöst von Modeerscheinungen oder irgendwelchen Spielereien. Immer völlig sachlich und zeitlos – dabei immer grundsolide.

accuphase-p-266-12-16727-oberkraemer

Die Friont zeigt das typische champagner – welches sich seit mehr als 40 Jahren durchgesetzt hat und wohl auch so bleibt.

accuphase-p-266-13-16727-oberkraemer

Die großen beleuchteten Power-Meter, die auch per Umschalter sehr kleine Pegel gut anzeigen können.

accuphase-p-266-14-16727-oberkraemer

Die Umschalter beschränken sich auf wenige Funktionen.

accuphase-p-266-15-16727-oberkraemer

Wie bereits erwähnt: die Endstufe läuft entweder im übliche Class-AB-  oder im reinen Class-A-Betrieb.

accuphase-p-266-16-16727-oberkraemer

Auch auf der Rückseite finden sich nur feinste Bauteile, ob man sich nun die Lautsprecherklemmen oder die Cinchbuchsen näher betrachtet – alles extrem haltbar.

accuphase-p-266-18-16727-oberkraemer

Hier der erwähnte Umschalter an der Rückwand.

accuphase-p-266-19-16727-oberkraemer

Auch das ein Detail, wie man es kaum woanders findet: die US-Steckdosen wurden nicht eingebaut, sondern die Stanzlöcher mit einem passenden Blech abgedeckt.

accuphase-p-266-20-16727-oberkraemer

Insgesamt steht diese Endstufe für diese Marke, die eine gewisse Größe nie überschritten hat und wohl deswegen sich bis heute sehr erfolgreich am Markt halten kann. Man hat auch nie den Grundgedanken der Brüder Kasuga vergessen und baut auch heute noch alle Geräte völlig kompromisslos – aber das hat natürlich seinen Preis. Dafür behalten die Geräte aber auch sehr langfristig ihren Wert. Uns macht es immer wieder besondere Freude an diesem Geräte zu arbeiten.

Ein Kommentar für “Accuphase P-266

  1. Was ist nun die wahre Geschichte? Diese hier oben, oder die Geschichte über Kenwood/Accuphase hier unten?
    http://www.good-old-hifi.de/hoehepunkte-der-woche-452015/

    MfG
    Henrik B.

    Tja, lieber Hendrik – genau das war die Geschichte, die gern so herumerzählt wurde – besonders bei den Leuten, die bei Kenwood arbeiteten. Ich habe die Geschichte immer so weitergegeben, wie sie mir erzählt wurde. Für diesen Bericht hier habe ich jedoch zuvor genauer recherchiert und, dank Internet ist dies ja wesentlich einfacher, bin dadurch auf das Interview mit dem Sohn des Präsidenten von Accuphase ab 2006 gestoßen, der die (vermutlich) wahre Geschichte dort erzählt hat. Anders als hier bei uns, arbeiten japanische Unternehmen sehr häufig zusammen und unterstützen sich gegenseitig und „vergessen“ dabei Ihre Konkurrenz. Daher passt die Aussage, dass das Entwicklungsgeschick von Accuphase dann auch später für die höherwertigen Geräte der Marke Kenwood verwendet wurde. Außerdem: ein Japaner, so sagt man, verlasse niemals seine Firma, weshalb es durchaus glaubwürdig ist, dass die Gebrüder Kasuga mit der Gründung von Accuphase eben nicht die Firma Kenwood verließen. Einzig mir bekannte Ausnahme war der in diesem Jahr verstorbene Tatsuo Nishimura, der früher der Chef der Kenwood-Niederlassung in Heusenstamm war, dann aber zu Denon Deutschland nach Ratingen wechselte.
    Ich wollte mit dieser Darstellung etwas Aufklärung in die Geschichte von Kenwood/Accuphase bringen, da diese Variante auch mir bisher neu war. Ich glaube sie, aber ob auch sie wirklich wahr ist…
    Beste Grüße Armin

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.