Akai AA-1200

sind hier: Home » Gerätevorstellungen » Akai AA-1200

Die Marke AKAI wurde als hervorragender Hersteller von Spulentonbandmaschinen weltweit bekannt. Später kamen auch Kassettengeräte hinzu, 8-Track-Modelle vorwiegend für den US-amerikanischen Markt, ab 1968 dann auch Kassettendecks nach dem Philips-Standard, der rasch nach Einführung den Weltmarkt eroberte. Akai war bekannt dafür, robuste und solide Geräte anzubieten. Anfangs erweiterte man die Produktpalette um Tuner, Verstärker und Receiver, die man beim Konkurrenten Pioneer anfertigen ließ. Japaner sehen den Konkurrenzkampf untereinander nicht so eng, sondern man arbeitet gerne miteinander, um daraus international Vorteile zu erzielen. Ab 1976 begann Akai dann eigene Geräte zu bauen, man war inzwischen so groß geworden, dass der den Sprung zum Hifi-Vollsortimenter gewagt wurde.  Dabei bekamen die Geräte die Bezeichnungen AM- für Verstärker, AT- für Tuner und AA- für Receiver. Eigene Plattenspieler hatte man schon vorher gebaut und verkauft, denn AKAI war ursprünglich ein Elektromotoren-Hersteller. Rasch hatte die Marke AKAI größeren Erfolg, auch mit den Gerätegattungen außerhalb der Magnetbandtechnik.

1978 erschien dann innerhalb der neuen Receiverbaureihe das größte Modell AA-1200, wahlweise in silber oder schwarz erhältlich, welches mit 2 mal 95 Watt sinus an 4 Ohm (nach DIN) schon ein eindrucksvolles Gerät darstellte. Er war zudem mit zwei Power-Metern an der Front ausgestattet, was bei vielen Interessenten stets ein „haben-wollen-Gefühl“ auslöst. Der Receiver wiegt respektable 18,5 kg und kostete 1978 relativ preiswerte 1.498,- DM.

Das Exemplar, welches zur Überholung in unserer Werkstatt war, hatte den vom Kunden angegeben Fehler, dass die rechte Box stark angehobene Bässe abstrahlte, so dass der Tieftöner sichtbare Bewegungen ausführte – und dass bei linearer Klangeinstellung. Der Besitzer hatte dies lange Zeit nicht bemerkt, da er nur sehr kleine  Boxen daran betrieben hatte. Erst nach dem Umstieg auf größere Boxen fiel ihm dieser Fehler auf. Ich muss zugeben, so einen Fehler hatte ich noch nie zuvor und habe längere Zeit danach gesucht. Leider trat dieser Fehler nicht ständig, sondern nur zeitweise auf, was die Suche nicht gerade vereinfacht, aber dazu später mehr.

akai-aa-1200-1-97070-wuerzburg

Zunächst erhielt der Receiver die übliche Schalter- und Poti-Kur. Oben sieht man den zerlegten Eingangswahlschalter – links gereinigt, rechts wie im Gerät vorgefunden.

akai-aa-1200-2-97070-wuerzburg

Hier die Rückseiten derselben Schalter.

akai-aa-1200-3-97070-wuerzburg

Zusanmmengebaut sieht dieser Schalter so aus. davon gibt es zwei im Gerät: Eingangswahlschalter und Tape-Selector.

akai-aa-1200-4-97070-wuerzburg

Diese Sorte Schalter wird Wafer-Switch genannt, man kann sie nach dem Ausbau wunderschön zerlegen.

akai-aa-1200-5-97070-wuerzburg

Das ist der Übeltäter für den obskuren Fehler der zeitweiligen Bassanhebung: der Loudness-Schalter. Nach zweitweisem Kontaktverlust gab es sehr starke Bassanhebungen im rechten Kanal, obwohl der Schalter in Stellung OFF stand. Da muss man erst mal drauf kommen.

akai-aa-1200-6-97070-wuerzburg

Hier zerlegt…

akai-aa-1200-7-97070-wuerzburg

…sieht man die völlig schwarzen Kontakte.

akai-aa-1200-8-97070-wuerzburg

Nach der gründlichen Reinigung und anschließenden Versiegelung mit Kontaktfett, funktioniert auch dieser wieder anstandslos und das dauerhaft.

akai-aa-1200-9-97070-wuerzburg

Nachdem alle Schalter und Potis gereinigt waren, das Lautsprecherrelais und etliche Elektrolyt-Kondensatoren erneuert waren, mussten noch einige Teile erneuert werden, die bei einer früheren Reparatur dort eingebaut waren – nicht ganz sachgemäß. Auch das Empfangsteil wurde einer Überholung unterzogen. Dann spielte der Receiver wieder wie neu. Oben kann man das offene Gerät von unten betrachten. Die Endstufe in der Mitte, rechts das Netzteil, links Vorverstärker- und Tunerteil.

akai-aa-1200-10-97070-wuerzburg

Die kräftige Endstufe ist pro Kanal mit vier TO3-Transistoren bestückt.

akai-aa-1200-11-97070-wuerzburg

Das ist die Endstufenplatine, die auch das geregelte Netzteil und die Schutzschaltung beherbergt. Sie ist am Kühlkörper befestigt und kann, zusammen mit ihm, herausgenommen werden.

akai-aa-1200-12-97070-wuerzburg

Von oben sieht der Receiver recht übersichtlich aus, links ist das Doppel-Mono-Netzteil erkennbar. Dies bedeutet, dass für jeden Kanal (rechts und links) je ein eigener Netztrafo, Gleichrichter und zwei Siebelkos vorhanden sind. Dies sorgt dafür, dass, wenn im linken Kanal gerade ein starker Impuls wiedergegeben wird, der rechte Kanal von der davon nötigen ruckartigen Stromentnahme nicht (negativ) beeinflusst wird, sondern erhält weiterhin volle Energie.

akai-aa-1200-13-97070-wuerzburg

Akai hatte da noch ein silbernes Abdeckblech am Kühlkörper befestigt.

akai-aa-1200-14-97070-wuerzburg

Der Drehkondensator ist ein Vierfach-FM-Modell, der Empfang ist recht ordentlich.

akai-aa-1200-15-97070-wuerzburg

Der Receiver hatte ein entweder ein schwarz oder nussbaumfarbig foliertes Gehäuse aus Holz.

akai-aa-1200-16-97070-wuerzburg

Die Front ist übersichtlich gestaltet und mit drei Knebelknöpfen ausgestattet.

akai-aa-1200-17-97070-wuerzburg

Die Anzeigen in der Skala sind alle bereits mit roten LED’s bestückt, da fällt zum Glück nichts aus. Aber auch die drei Lampen der diffusen Beleuchtung waren alle noch völlig in Ordnung – so eine Qualität bekommt man heute leider nirgendwo mehr.

akai-aa-1200-18-97070-wuerzburg

Links sind die beiden Power-Meter zu sehen, umschaltbar auf 3 oder 150 Watt für Vollausschlag, so ist gewährleistet, dass immer etwas zu sehen ist, auch bei Zimmerlautstärke.

akai-aa-1200-19-97070-wuerzburg

Man spendierte dem größten Receiver einen zusätzlichen dritten Klangsteller für die Mitten.

akai-aa-1200-20-97070-wuerzburg

Natürlich darf ein Tape-Monitor-Schalter nebst Überspielmöglichkeiten hier nicht fehlen, schließlich ist man ja eigentlich Tonband- und Kassetten-Geräte-Hersteller.

akai-aa-1200-21-97070-wuerzburg

An der Rückseite finden sich die üblichen Cinchanschlüsse, für Tape 1 zusätzlich auch einer für DIN.

akai-aa-1200-22-97070-wuerzburg

Solide Lautsprecheranschlüsse für zwei Paare Boxen und eine Kaltgerätebuchse für den Strom.

akai-aa-1200-23-97070-wuerzburg

Für den Tuner gibt es FM-Antennenanschlüsse in 300 und 75 Ohm, ebenso zusätzlich noch eine Ferritantenne für AM.

Die Arbeit an diesem außerordentlich gut erhaltenen Receiver hat mir mal wieder große Freude bereitet – schön, dass diese Geräte nach knapp 40 Jahren immer noch so zuverlässig ihren Dienst versehen. Wie schon über die Lampen gesagt: so eine Qualität bekommt man heute leider nicht mehr.

4 Kommentare für “Akai AA-1200

  1. Immer wieder schön zu lesen, daß so manches wertvolle Gerät, das mancherlei unsachgemäßen Eingriff von Unqualifizierten, die keinen Schimmer davon haben, wie man einen Schalter sachkundig ausbaut und säubert, hier an der richtigen Adresse angekommen ist.

  2. Als AKAI-Fan und Eigner sowohl der silbernen wie der schwarzen Ausführung Kann ich nur jedes deiner Worte Worte unterschreiben. Ein klasse Bericht von dir, Armin.

    LG
    Volker

    Lieber Lothar, lieber Volker,
    vielen Dank Euch beiden für die netten Kommentare!
    Beste Grüße Armin

  3. Hallo Armin,

    vielen Dank für diesen interessanten Bericht, wirklich schön zu erleben wie solche Geräte ihren Besitzern die nächsten Jahre wieder Freude machen werden.
    Ich selber sammle Verstärker und Kassettendecks, primär der Marke Sony. In Deinen Berichten steht immer wieder etwas vom Tausch altersschwacher Kondensatoren.
    Mich persönlich interessiert sehr, wie ihr dieses defekten Teile identifiziert, gerade wenn sie noch nicht ausgelaufen sind. Messt ihr wirklich jeden einzelnen Kondensator durch?
    Grüße aus dem Schwarzwald
    Hardy

    Nein, das wäre zu zeitaufwändig. Wir gehen nach dem Prinzip vor: alle Kondensatoren, deren Schrumpffolie bereits sichtbar nicht mehr den ganzen Becher bedeckt und alle Kondensatoren, die eine Nennspannung von 16V oder weniger haben – werden prinzipiell ausgewechselt. Im ersteren Fall war die Wärmebelastung zu hoch für den Kondensator, im zweiten ist das Dielektrikum zu dünn, was die Haltbarkeit drastisch herabsetzt. Wir ersetzen stets mit neuen Elkos, die mindestens 35V Nennspannung haben, dies ist leicht möglich, da moderne Elkos mechanisch immer kleiner geworden sind. Zusätzlich werden auch Elkos erneuert, die als Koppelelkos im Signalweg liegen oder die tatsächlich defekt sind. Als Ersatz verwenden wir ausschließlich Markenelkos von Nichicon, Elna oder Panasonic.
    Beste Grüße
    Armin

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.