Drehko-Tuner einstellen

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Was mache ich mit einem alten Drehko-Gerät, das driftet (also nicht mehr stabil empfängt) und/oder kratzt beim Senderabstimmen (zumindest bei abgeschaltetem Muting zu hören) und/oder nicht an der richtigen Stelle der Skala steht?

Also zunächst (wie üblich) zuerst mal eine Einführung: fast alle Geräte, die eine Skala mit einem Zeiger haben, sind Drehko-Empfänger. Später wurden nahezu alle von Synthesizer-Tunern abgelöst, das sind die mit den Frequenzanzeigen und dem automatischen Sendersuchlauf. Wir beschäftigen uns hier mit den älteren Geräten, wo man (jedenfalls bei den besseren) den Tuning-Knopf mit Schwung von Skalenanfang bis Skalenende durchrennen lassen kann…Haptik pur!

Wenn der Deckel ab ist, sieht man das Teil sofort, es ist ungefähr so groß wie eine (kleine) Faust. In vielen Geräten muss man noch einen Abschirmdeckel aus silbernem Metall abmontieren. In dem Bild links ist der Drehko ganz „herausgedreht“, soll bedeuten, die vielen kleinen runden Platten, die man da sieht, sind vollständig aus dem Gehäuse herausgedreht. So stehen die Platten bei einer Empfangsfrequenz von 108 MHz. Der Drehko ist ein Kondensator (ko), der durch das Drehen (dreh) der Platten seine Kapazität verändern kann. Platten ganz heraus, bedeutet die geringste Kapazität, Platten ganz eingedreht (Bild in der Mitte), bedeutet die größtmögliche Kapazität, was einer Empfangsfrequenz von 87,5 MHz entspricht. Durch die Veränderung der Kapazität stimmen wir einen Schwingkreis auf eine bestimmte Frequenz ab und empfangen damit exakt die jeweilig benötigte Sendefrequenz, z.B. 95,8 MHz. Das ist ungefähr in der Skalenmitte. Dann sieht unser Drehko ungefähr wie im Bild rechts aus:


Im Laufe der Zeit passiert mit dem Drehko das Gleiche, wie mit Schaltern und Potis: da wird heftig korrodiert. Die Platten sind aus nichtrostendem Material und daher unempfindlich, es gibt an der Achse Schleifer-Federn, die die elektrischen Werte übertragen, die recht gerne korrodieren. Bewegt man das Tuning-Rad bei ausgeschaltetem Muting zwischen Daumen und Zeigefinger schnell etwas hin und her, kann man bei den meisten älteren Geräten das bekannte Kratzen hören, das wir alle schon von Schaltern und Potis her gut kennen. Das sollte behandelt werden!

Man geht am besten so vor: zunächst die Kontakte (im Bild unten links) mit Spray Tuner 600 (es geht auch Kontakt WL, dann muß man nur länger warten, bis alles getrocknet ist, man muß also nicht zwangsläufig Tuner 600 anschaffen, es sei denn es muss schnell gehen) einsprühen, anschließend mit einer Kontaktfeile (ist unten abgebildet, im Werkzeughandel für kleines Geld erhältlich, alternativ kann man auch sehr feines Schleifpapier – größer 600- in Streifen schneiden und durchziehen) zwischen der Feder und der Achse (am besten oben und unten) reinigen. Anschließend mehrmals von Anschlag zu Anschlag drehen und nochmals mit Spray auswaschen. Jetzt sollte bei unserem Test kein Kratzen mehr hörbar sein. Solange der Drehko mit Spray eingesprüht ist, ist er „verstimmt“, das bedeutet das Spray beeinflusst die Kapazität und es wird eine falsche Frequenz empfangen, das ist normal und vergeht nach dem Abtrocknen wieder. Ein Fön verkürzt die Wartezeit für die Ungeduldigen. Dieser Effekt ist bei Kontakt WL viel stärker als bei Tuner 600, weswegen Profis meist zu dem teureren Spray greifen, die haben halt keine Zeit.

Exakt in Bildmitte sieht man die linke Schleifer-Feder, im rechten Bild entsprechend die rechte Schleifer-Feder, wieder in Bildmitte. Es gibt oft noch welche in der Mitte!

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Die Kontaktfeile hat eine äußerst feine Schmirgelfläche. Meine ist von Belzer (Werkzeughersteller) und über 20 Jahre alt, hat mal 2,75 DM gekostet und ist seither ununterbrochen in Betrieb. Hier bin ich mal mit der Kamera ganz dicht auf die Feilfläche gegangen (rechtes Bild):
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Wenn da nun alles wieder schön sauber ist, wird der Empfänger auch nicht mehr driften. So nennt man den Vorgang, wenn ein Sender sauber eingestellt ist, aber nach einiger Zeit (das können auch Stunden sein!) zunächst der Mittenanzeiger (wenn vorhanden) anfängt zu wandern (und zwar stets nach links!), bis nichts mehr empfangen wird. Dreht man dann ein wenig nach links am Tuning-Knopf ist der Sender wieder da! Das liegt daran, dass sich an den Schleifer-Federn durch Korrosion zusätzliche Kapazitäten bilden, die die Abstimmfrequenz beeinflussen. Wie gesagt, nach einer gründlichen Reinigung kein Problem mehr.

Was aber tun, wenn wieder alles sauber empfangen wird, aber leider nicht auf den korrekten Frequenzen? Also zum Beispiel sollte ein Sender bei 97,4 MHz empfangen werden, wird aber bei 99,2 MHz empfangen! Um das zu beseitigen, muss der Oszillator abgeglichen werden. Das kann man mit etwas Übung und Geduld auch selbst machen. Zunächst schauen wir von oben auf den Drehko. Ganz links (jedenfalls wenn man von vorne auf den Drehko schaut) ist ein Loch mit einer „Schraube“ darin zu sehen.


Ganz links, das ist unser FM-Oszillator mit der „Schraube“, die in Wirklichkeit ein Kapazitätstrimmer ist. Wenn man näher herangeht sieht man ihn besser (mittleres Bild). Das in der Bildmitte, das ist der Trimmer für den Oszillator, das sieht bei allen Geräten mit Drehko ganz ähnlich aus. Diesen Trimmer kann man nun auf die richtige Frequenz einstellen. Dabei gilt: abwärts in den Frequenzen im Gegenuhrzeigersinn drehen, aufwärts im Uhrzeigersinn. Bitte nur ganz wenig (!) drehen und stets mit dem Skalenzeiger nachstellen und den Sender wieder einfangen. Also in ganz vielen Schritten vorgehen!

Eine Schwierigkeit gibt es dabei noch: mit einem kleinen Schraubendreher kann man das einfach machen, aber der Schraubendreher beeinflusst den Kapazitätstrimmer bereits durch das bloße Einstecken der Klinge in den Schlitz! Also, wenn man kein Abgleichbesteck (dies besteht aus neutralem Material, das nicht beeinflusst, ist aber für relativ erschwingliche Preise käuflich zu erwerben) zur Verfügung hat, muss man nach jedem kleinem Dreh (nur wenige Winkelgrade!) die Schraubendreherklinge herausnehmen und mit dem Tuningknopf nachstellen – solange bis man die richtige Frequenz erreicht hat. Das funktioniert! Und wie schön ist das Gefühl, wenn der Zeiger dann während des störungsfreien Empfangs wieder auf der korrekten Anzeige von (unser Beispiel) 97,4 MHz steht!