Graetz VE301

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Heute mal etwas ganz anderes auf meinem Tisch und das ist auch nicht zur Nachahmung empfohlen! Solche Geräte fasse ich normalerweise nicht an, aber der Besitzer bat mich darum und da seine ganze Sansui-Analge schon hier war und er sehr zufrieden mit unserer Arbeit war, ergab sich das so.

Dieses Gerät ist Baujahr 1937, Marke Graetz, Modell VE301, wobei das VE für „Volksempfänger“ steht und in milionenfacher Auflage hergestellt wurde, von etlichen Herstellern übrigens – Einheitsmodell halt. Das Gehäuse besteht aus dem ersten Kunststoff, den man kannte – aus Bakelit. Es hat nur Mittelwelle und Langwelle (UKW gab es seinerzeit noch nicht) und eine Ausgangsleistung von etwa 0,5 Watt – aber einen 25cm Lautsprecher an Bord.

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Der VE301 hieß im Volksmund „Goebbelschnauze“, in Bezug auf den damaligen Propagandaminister des dritten Reichs (bekanntester Satz: „Wollt Ihr den totalen Krieg?“, das war 1943 im Berliner Sportpalast). Nahezu jeder Haushalt in Deutschland hatte so einen.

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Hier mal ein Blick ins Innere, drei Röhren, ein Drehko (Eingang) das war es schon.

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Die Röhren aus der Nähe, aus Glas und mit 4 Volt-Heizung, etwa 20 cm hoch!

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Hier das Typenschild aus der Nähe.

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Hier der 25cm im Durchmesser messende Lautsprecher, er hat etwa 2000 Ohm Impedanz und arbeitet als so genannter Freischwinger,
ein großer Hufeisenmagnet mit einer Spule am Ende. Ein Stab ist an der Membran befestigt und das andere Ende des Stabes liegt an der Spule. Der Stab wackelt im Takt der Schwingungen und regt dadurch die Membran an. Klingt nicht mal so übel!

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Das ist die Rückwand, man beachte das Abzeichen des Reichsrundfunks.

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Dieser Stoff vor dem Lautsprecher musste neu verklebt werden.

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Das ist die Skala, komplett gereinigt und wieder klar lesbar. Wie man sieht, Königsberg und Breslau gehörte damals noch zum „Deutschen Reich“. Das ist aber schon lange her.

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Das sind alle Bedienelemente, rechts die Lautstärke, womit man einfach die Eingangsempfindlichkeit herabsetzt, die Senderwahl in der Mitte und links die Rückkopplung, womit man den Sender „scharf“ stellen kann.

Ich bin wirklich erstaunt darüber, in welch gutem Zustand alles noch ist, bei dem Alter, immerhin 74 Jahre! Das lässt Hoffnung aufkommen für unserer Hifi-Schätzchen!

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