Sony STR-6200F

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In dieser Woche stelle ich Euch einen der besten Receiver der Welt vor, den es im Jahr 1970 zu kaufen gab. Der SONY STR-6200F war damals der größte Receiver im Sony-Programm und stellte alle anderen Receiver des Weltmarktangebotes in den Schatten. Er kostete unglaubliche 3.198,- DM und war damit rund 500,- DM teurer als ein Sansui Eight.  Für den Testsieger in Deutschland von 1970, den Saba 8080, musste man „nur“ 998,- DM bezahlen. Lediglich der Mac1700 der amerikanischen Marke McIntosh kostete fast 5.000,- DM und war damit teurer. Der war ein „Hybrid“ (halb mit Transistoren, halb mit Röhren bestückt) und war technisch dem Sony meilenweit unterlegen. Sony warb damals in seinem sehr vornehmen und anspruchsvollen Schwarzweiss-Prospekt mit dem Slogan: „Es gibt gute Hifi-Anlagen, es gibt sogar sehr gute Hifi-Anlagen – und es gibt Sony!“ Das stimmte aber sogar, denn in diesem Prospekt waren neben diesem Receiver  auch die kleineren Brüder STR-6060, 6050 und 6045, aber auch die damals als beste Geräte Ihrer Gattung geltenden Vorverstärker TA-2000 und die legendäre Endstufe TA-3200F vertreten. Alle diese Geräte sind bis heute sehr begehrt und gesucht. Die ganz großen Receiver, wie gesagt über 3.000,- DM teuer, sind jedoch so selten, dass sie heute kaum noch zu finden sind. Der STR-6200F löste 1970 seinen schon der absoluten Spitzenklasse zugehörigen Vorgänger STR-6120 ab. Die Leistung konnte nochmals gesteigert werden: es wurden zweimal 90W sinus an 4 Ohm abgegeben, was für 1970 und einen Receiver schier atemberaubend war. Er wiegt 18kg und es gab gegen Mehrpreis das für die USA obligatorische Holzgehäuse dazu.

Dieses Exemplar wurde für kleines Geld bei ebay „erschnappt“, da es als defekt angeboten war. Leider entpuppte sich das Gerät als völlig defekt, außer einem lauten Brummen in den Boxen war nichts mit diesem Superreceiver anzufangen, nicht einmal Licht hinter Skala.

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Nach dem Öffnen war schon klar: hier wurde kräftig und sehr laienhaft gebastelt. Die Emitterwiderstände der Endstufen sahen rechts und links völlig unterschiedlich aus.  Rechts im Bild original (orange Widerstände). Links zwei Doppelwiderstände zu je 0,22 Ohm, die in Reihe geschaltet, durchaus als Ersatz hätten verwendet werden können – aber der „Techniker“ schaltete die beiden 0,22 Ohm parallel, so dass sich daraus 0,11 Ohm ergaben. Optisch auch völlig daneben.

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Einer der beiden Endstufentransistoren fehlte ganz einfach. Nach dem Ausbau der Kühlkörper schaute man in einen leeren TO3-Stecker.

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Es fanden sich leider noch weitere Verbastelungen – aber die grundsätzliche Qualität dieses Modells begeistert schlicht auf der ganzen Linie. Hier blickt man von unten in das Gerät.

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Das hier ist das Netzteil, in dem bereits eine große Leiterbahn verbrannt und unterbrochen war.

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Hier an der Front kann man die sehr großen und äußerst robusten Schalter erkennen. Die beiden Siebelkos lassen den (absolut richtigen) Schluss zu, dass es sich um echte Komplementärendstufen handelt – 1970 noch eine Ausnahmeerscheinung.

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Solche Drehschalter dienen als Bass-und Höhensteller!

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Das eigentlich hervorragende FM-Empfangsteil (der STR-6200F hat kein AM!) war leider derart verbastelt – man sieht hier die Schlitzschrauben, da gehören natürlich Kreuzschlitzschrauben hin – dass wir dieses nicht mehr repariert bekamen. Das übersteigt einfach unsere Fähigkeiten, sorry. Vielleicht kann das mal eine der noch wenigen Werkstätten versuchen, die es dafür noch gibt.

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Der Netztrafo, komplett in Blech verpackt und die beiden Siebelkos (8.200µF 80V) von oben.

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Das sind die Kühlkörper der vier Endtransistoren, jeder einzeln herausnehmbar – sehr servicefreundlich!

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Hier die instandgesetzte Endstufe, in der auch BC547 verbaut waren (wurde natürlich alles wieder „japanisiert“). Die neuen (grauen) Emitterwiderstände wurden aus optischen Gründen in beiden Kanälen erneuert.

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Der Stereo-Dekoder (unten) und oben das Mutingrelais.

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Hier das (leider defekte) Frontend.

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So schaut der 18kg-Bolide von aussen aus.

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Die gereinigte und neu beleuchtete Front.

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Diese bekannten SONY-Riffelknöpfe faszinieren doch immer wieder.

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An Eingängen mangelt es dem STR-6200F nicht: 2x Phono, 3x AUX und ein Tape.

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Das Design ist eigenständig und durchaus als klassisch zu bezeichnen – noch heute schön!

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Auf der Rückseite findet sich sogar noch ein Mono-Vorverstärkerausgang.

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Zwei Paar Lautsprecheranschlüsse mit diesen wundervollen (Sony-eigenen) Klemmanschlüssen. Die US-Netzsteckdosen wurden natürlich still gelegt.

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Der STR-6200F hinterlässt auch heute noch einen wirklich tiefen Eindruck. Er strahlt eine Qualitätsanmutung aus, die kaum zu übertreffen ist. Er funktioniert (bis auf das FM-Teil) wieder in jeder Hinsicht perfekt und lässt einen spüren, dass diesem Receiver die Zeit seines Alters einfach mal völlig egal ist. 46 Jahre – das ist doch kein Alter, oder?

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