Onkyo TX-8500

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Ende 1975 kämpfte die Firma Onkyo um das Überleben dieser Marke. Man hatte in der Vergangenheit viel Geld in den Aufbau des weltweiten Vertriebs gesteckt und leider nicht viel Glück bei der Gestaltung der angebotenen Geräte bewiesen. Die Verstärker A-5, A-7 und A-10, nebst dem Tuner T-9 brachten zwar gewisse Achtungserfolge, jedoch nicht die benötigen Umsätze bzw. Gewinne, dazu waren die verkauften Stückzahlen zu gering. Der Anstoß kam von Alexander Kiesbauer, Chef des damaligen Deutschland-Vertriebs. Er sagte,die Zeit sei reif für hochwertige Receiver, am besten welchen mit Innovationen und vor allem mit hochwertigen Phonoeingängen. Dies hatte er von den Hifi-Händlern gehört, diese Anforderungen wurden auch von den bisherigen Modellen der Marke Onkyo nicht erfüllt. Also machte man sich in Osaka Gedanken und entwickelte innerhalb weniger Monate die Modelle TX-2500 und TX-4500. Sie hatten als Innovation eine Sensortaste, die durch bloßes Berühren funktionierte – ganz ohne Drücken oder Kippen. Der Tuning-Knopf war so ausgeführt und schaltete das bei Onkyo so genannte LOCK ein, in Europa hieß das immer AFC (Automatic Frequency Control). Die Innovation bestand darin, dass man durch das Berühren des Knopfes den LOCK abschaltete und durch Loslassen wieder einschaltete. Das führt dazu, dass man den Sender gefühlvoll einstellen kann und er erst dann „gelockt“ wird, wenn man mit dem Abstimmen fertig ist. Eigentlich ganz einfach und logisch – nur war noch keiner darauf gekommen. Der größere TX-4500 bekam sogar einen Quartz-Lock spendiert. Die Phonoteile  waren wirklich aufwändig und hielten die RIAA-Kennlinie sehr genau ein, das Rauschen war sehr gering. Und: in der Tat wurden diese beiden Receiver der Durchbruch und verkauften sich in kurzer Zeit in großen Mengen. Onkyo in Osaka schob daraufhin ein kleineres Modell (TX-1500) und zwei größere (TX-6500 und TX-8500) nach. Onkyo wurde in kürzester Zeit einer der ganz großen in der Hifi-Branche. Die Receiverreihe war so gefragt, dass bereits ein Jahr später Nachfolgemodelle als MKII nachproduziert werden mussten, die Stückzahlen wurden noch größer. Vom größten Modell dieser Receiverreihe  soll hier heute die Rede sein: vom (in Deutschland) sehr seltenen TX-8500.

Er war teuer (rund 3.500,- DM), riesig (57 mal 46 cm, 16 cm hoch) und schwer (25 kg). Er hatte reichlich Leistung (2 mal 160 Watt sinus an 4 Ohm) und er hatte einen Doppel-Mono-Netzteilaufbau. Wegen all dieser Eigenschaften war er selten, denn so viel Geld gaben die Leute seinerzeit dann doch eher für getrennte Verstärker und Tuner aus, womöglich sogar für getrennte Vor-und Endverstärker. Auch das erkannte Onkyo bald und bot auch auf diesem Gebiet etliche Geräte an, die noch heute begehrt sind.

Dieser TX-8500 wurde von seinem Besitzer erworben, ohne dass er nähere Kenntnis über den Zustand des Gerätes hatte. Als ich ihn auf den Tisch stellte tat sich nichts – nicht mal das Licht ging an. Der Trenntrafo zeigte keinerlei Stromaufnahme an. Also zunächst einmal das Gerät geöffnet und hinein geschaut. Oho, das Lautsprecherrelais war mit Kabelbrücken ersetzt worden, die Netzsicherung fehlte gänzlich.

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Zudem war das Netzkabel nur 50 cm lang. Erstmal das Netzkabel und die Netzsicherung ersetzt, dann vorsichtig am Trenntrafo hochgeregelt – doch das konnte ich bei rund 20 Volt schon abbrechen, denn es ertönte lautes Brummen aus einem Lautsprecher und es wurde sehr viel Strom gezogen. Dann habe ich die Spannungen der betroffenen Endstufe unterbrochen und den Versuch wiederholt. Diesmal blieb der Strom niedrig und der Lautsprecher logischerweise stumm (der Kanal hatte ja keine Spannung), der andere Lautsprecher spielte aber sofort los und das hörte sich sogar richtig gut an. Von den neunzehn Lampen, die der TX-8500 hat, leuchteten immerhin noch vier. Nun wurde die Endstufe repariert, zum Glück haben wir noch kleine Restbestände der alten Toshiba-Transistoren 2SB554 und 2SD424, denn deren China-Nachbauten, auch denen der Marke ISC, trauen wir nicht über den Weg. Die klingen leider nicht gut und halten auch nicht. Dann lieber MJ-Typen von ON Semiconductor.

Auch solche Gebilde wie dieser gebastelte 330µF-Elko wurden natürlich getauscht, neben etlichen anderen, die auch erneuert werden mussten, das fehlende Relais wurde durch ein originales ersetzt. Die Leiterbahn an einem Pin hatte der Profibastler leider völlig zerbraten, auch das musste geflickt werden.

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Hier die Ansicht der kompletten Unterseite. Die Platine mit dem Lautsprecherrelais sieht man ganz rechts.

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Ein Blick von oben in diesen Monsterreceiver, man erkennt den Aufbau – hinten Netzteile (in der Mitte) und Endstufen (aussen rechts und links), vorne Empfangsteil, der Vorverstärker befindet sich unter dem Empfangsteil.

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Hier steht das Gerät offen ohne Frontplatte und ohne Skalenscheibe auf meinem Tisch, die Skalenbeleuchtung hatte ich zu diesem Zeiztpunkt bereits mit langlebigen Pilotlampen (10.000 Stunden) ersetzt. Auch eine komplette Schalterkur wurde durchgeführt.

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Hier das Netzteil eines Kanals, von diesen Trafos gibt es zwei im Gerät, die Siebelkos sind doppelte (2 mal 10.000µF/ 63V), man kann das leicht an den drei Anschlüssen erkennen (plus-Masse-minus). Leider baumelten diese Elkos völlig unbefestigt im Gerät herum, auch das wurde korrigiert. Sie sind mit einer großen Schelle unten am Boden befestigt.

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Das ist die Senderwahlachse, das weisse Kabel ist die Sensorleitung , über die“gefühlt“ wird, ob eine Hand gerade das Tuningrad berührt. Der Knopf muss natürlich leitend sein, aber alle Knöpfe dieser Baureihe sind aus massivem Aluminium.

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Hier ein Endstufenblock aus der Nähe, sie sind servicefreundlich herausnehmbar.

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Hier ein (leider unscharfes) Foto der ersetzen Endstufentransistoren. Jeweils beide PNPs und NPNs haben die gleiche Kodierung, da diese parallel arbeiten.

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Hier ein Foto des offenen Gerätes von oben, nachdem wieder alle Abdeckungen montiert sind. Über dem Empfangsteil, dem Frontend und dem Netzteil/Endstufen-Block sitzt jeweils eine Abdeckung – auf dem Foto weiter oben fehlen diese.

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Nachdem auch alle übrigen Lampen in der Front erneuert waren und alles schön gereinigt war, konnte alles wieder zusammengebaut werden. Das hat schon etlich Stunden in Anspruch genommen, lohnt sich aber, denn der TX-8500 verwöhnt einen, wenn er erst in Ordnung ist. Hier der Blick von schräg oben. Das Holzgehäuse ist mit einer dunkelgrauen Kunstlederfolie beklebt.

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Die Rauchglasscheibe (kein Kunststoff!) ist das „Markenzeichen“ dieser gesamten Baureihe, sie ist mit vier Zierschrauben an der Front befestigt und kann daher vom Anwender zum Reinigen abgenommen werden – aber bitte nicht fallen lassen, ein Ersatz wird schwierig (machen Glaser äußerst ungern).

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Die beiden Instrumente auf der linken Seite sind, wie die gesamte Skala, in schwarz gehalten.

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Daher ist eine Beleuchtung von hinten wichtig, man könnte sonst kaum etwas ablesen.

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Die Lampen für TUNED und LOCKED leuchten nun wieder. Auch hier am TX-8500 waren sie, wie bei allen anderen Onkyo-Receivern mit LOCK-Schaltung, verdreht angeschlossen. Das soll heißen, wenn man den Senderwahlknopf anfasst, erlischt TUNED, es muss aber LOCKED verlöschen. Das korrigieren wir natürlich bei allen diesen Modellen.

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Das ist der Senderwahlknopf aus der Nähe, von der Sensorfunktion ist nichts zu sehen. Funktioniert aber gut.

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Unten gibt es etliche Knöpfe, sogar einen Dolby-FM-Adapter kann man einschleifen, der war seinerzeit in den USA in Planung. Der TX-8500 hat drei Tape-Monitor Eingänge, diese können wahlweise auch als AUX-Eingänge Verwendung finden.

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Der rote Skalenzeiger flog übrigens lose im Gerät herum, zum Glück ist er nur aufgeclipst, so dass nun alles wieder o.k. ist, auch die Lampe darin wurde erneuert.

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Der Receiver hat eine dreifach Klangstellung, Höhen +/- 10dB, Mitten +/- 5dB und Bässe +/-12dB.

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Die „Achillesehne“ dieser gesamten Baureihe von Onkyo ist der schwache Beschriftungsdruck. Leider ist er nicht sehr haltbar.  Bei der Lautsprecherwahl fehlt schon ein Teil des Wortes OFF und am Volumesteller sind gar alle Zahlen abgewischt – ein Tribut an die häufige Benutzung. Zum Glück ist der Rest noch gut erhalten.

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An der Rückwand gibt es eine erkleckliche Menge an Cinchbuchsen. Auf DIN-Buchsen hatte man auf Empfehlung von Alexander Kiesbauer schon verzichtet.

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Neben zwei Phonoeingängen, gibt es wie erwähnt noch drei Tape-Eingänge (auch als AUX benutzbar), den Dolby-Adapter und natürlich eine Pre Out – Main In – Auftrennung mit Bügeln.

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Für den Empfang von Quadrosendungen (auch in den USA geplant) gibt es noch einen Ausgang zum Ansteuern von möglichen Dekodern. Daneben einen Empfindlichkeitsumschalter für den Sensor am Senderwahlknopf, damit dies immer einwandfrei funktioniert, egal welchen Bodenbelag man in der Wohnung hat. Man kann hier drei Paar Lautsprecher anschließen.

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Der TX-8500 ist in Deutschland (außer in den Military-Shops) nicht sehr häufig verkauft worden, sehr viel häufiger in den USA – aber der hier ist einer, der über Onkyo-Deutschland in Gröbenzell verkauft wurde. Erkennbar ist das daran, dass er nur für 220 Volt ausgelegt ist – nicht umschaltbar.

Jetzt ist der Receiver wieder in Ordnung und sieht auch wider ganz passabel aus, obwohl er schon etliche „Kampfspuren“ der Jahrzehnte vorzuweisen hat. Ein eindrucksvolles und sehr gesuchtes Liebhabergerät!

Ein Kommentar für “Onkyo TX-8500

  1. Vielen, vielen Dank. Das Gerät ist meins. Ich sehe, was für eine Mühe es gekostet hat, es wieder in Ordnung zu bringen. Aber ich habe es vorhin angeschlossen und sie hat sich gelohnt. Ganz toll geworden. Bis bald. Tobias

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