Sony STR-6120

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Vor vier Wochen habe ich über einen Sony Receiver STR-6200 von 1970 berichtet. Wie der Zufall es will stand nun der Vorgänger dieses fantastischen Receivers auf meinem Tisch, nämlich der STR-6120. Die erste Baureihe von Spitzenklasse-Receivern wurde von Sony 1969 angeboten und zwar  mit den Modellen STR-6040, 6050, 6060 und eben dem großen STR-6120. Zu dieser Zeit hatte Sony noch  keine Niederlassung in Deutschland, der Vertrieb erfolgte noch über ELAC in Kiel, die wiederum ein ausgedehntes Vertreternetz in Deutschland unterhielten. In Berlin und München war der zuständige Vertreter die Firma Interberg Elektronik, manche werden sich vielleicht noch erinnern…

Diese erste Generation von Geräten der Marke SONY hat den wahrlich guten Ruf in der Hifi-Welt begründet – und er war durchaus berechtigt. Bei Sony war man der Zeit weit voraus und bot Geräte an, die sehr teuer waren, aber auch so viel besser als die einheimischen Geräte – sowohl technisch als auch optisch. Zum Vergleich: einer der besten und teuersten Receiver made in germany war 1969 der Braun Regie 501 – er leistete 2 mal 30 Watt sinus an 4 Ohm und kostete stolze 1.698,- DM. Dank Dieter Rams sah er glücklicherweise ganz anders aus, als die übrige deutsche Konkurrenz – gegen den Sony STR-6120 sah er allerdings keinen Stich! Der leistete 2 mal 60 Watt sinus an 8 Ohm (und das sehr viel strenger gemessen als der Braun!) und kostete sagenhafte 3.095,- DM (übrigens genau so preisgebunden wie der Braun). Der Braun hat heute noch Liebhaber, da er über ein außergewöhnliches Design verfügt, technisch ist er nichts Besonderes. Der Sony hingegen begeistert auch heute noch nahezu alle Hifi-Oldie-Fans, da diese Geräte niemals etwas von Ihrer Faszination verloren haben.

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Hier ein Blick in den aufgeräumten Innenraum des Gerätes von oben. Man beachte den dunklen Kondensator ganz links, der das Gerät völlig lahm legte.

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Hier ist er von Nahem zu sehen, das ist natürlich schon der neue Kondensator – der alte hatte einen Kurzschluss.

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Hinten dicht an der Rückwand befinden sich die Kühlkörper mit den Endtransistoren.

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Das kombinierte Volume-/Balance-Potentiometer, darunter der Mode-Schalter (Stereo, Reverse,L, R, Mono) – so etwas gab es an europäischen Geräten so gut wie nie.

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Auch von unten wirkt der STR-6120 sehr aufgeräumt. Alle Platinen können gelöst und gedreht werden, so dass man ohne ein Kabel abzulöten, Bauteile aus- und einlöten kann. Die meisten Halbleiter stammen übrigens aus Sony-eigener Produktion.

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Der Phono-Vorverstärker, bei dem, aus einem mir nicht bekannten Grund, alle Halbleiter defekt waren, so dass er keinen Mucks mehr sagte auf Phono. Oben sind schon neue Transistoren eingebaut.

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Das ist die Treiberplatine, sehr sauber und symmetrisch aufgebaut.

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Die Siebelkos des Netzteils von unten, der ganz unten ist der neue.

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Ein großer Längstransistor auf eigenem Kühlblech – Marke Sony.

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So schaut der STR-6120 von aussen aus. Dieses Design sollte, bis auf kleinere Details, die nächsten sechs Jahre erhalten bleiben. Erst 1975 begann man mit einer neuen Designlinie, die ebenfalls eine rühmliche Geschichte schreiben sollte.

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Die klassische Front der ersten Baureihe, erkennbar an den noch glatten Voll-Aluminium Knöpfen, die später alle außen Riffelungen erhielten.

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Ganz Sony-eigen war die Anordnung des Volume-Stellers an der linken Seite, direkt über dem Netzschalter.

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Es gab Filter (mit Angabe der Einsatzfrequenz), einen Loudness-Schalter (der noch in Normalstellung auf ON stand!) und eine dezent grün beleuchtete Skala.

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Die Eingangswahlschaltung ist unterteilt in einen dreistufigen Kippschalter, der zwischen FM und Phono hin und  her schaltet oder aber zu der am rechten Drehschalter gewählten Quelle (Tape Head, Phono 2, Aux1  oder Aux 2) verbindet. Tape Head gibt es übrigens an etlichen Geräten von vor etwa 1970, dies war die Möglichkeit die Tonkopfsignale eines Spulentonbandgerätes direkt wiederzugeben, ohne einen Vorverstärker im Bandgerät. Dazu wurde der Phono-Vorverstärker verwendet, allerdings ohne die RIAA-Kennlinie zu verwenden.

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Ein beeiendruckender Trumm von Gerät: 48,3 cm breit und 15,5 kg schwer.

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Hinten finden sich alle nötigen Buchsen, sogar eine DIN-Buchse für Tape.

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Sehr massive Schraubklemmen und sehr solide Cinch-Buchsen.

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Der Boden ist aus Stabilitätsgründen mit mehreren Profilen gepresst.

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Auch die Lautsprecher-Anschlüsse sind, obwohl noch nicht für dicke Voodoo-Querschnitte ausgelegt, von äußerst solider, robuster Qualität. Die lassen sich noch bis heute leicht schrauben und halt immer noch bombenfest.

Unten ist das neue Netzkabel zu sehen, da es sich um ein Militäry-Gerät handelt, musste das Netzkabel auf doppelt isoliert umgerüstet werden und die Steckdosen tot gelegt werden (nach DIN/VDE 0701).

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Hier übrigens das Bild eines STR-6120 der von Sony für Deutschland produziert wurde, bereits mit einem dreipoligen, doppelt isolierten Schuko-Kabel ausgerüstet.

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Eben dieser STR-6120, der zufällig ebenfalls gerade in unserer Werkstatt weilt, hat sogar ein Holzgehäuse, welches es damals für 100,- DM Aufpreis gab.

Solche Geräte sorgen doch immer wieder für die Freude und den Spaß an der Arbeit. Da sind diese Geräte mittlerweile 47 Jahre alt und spielen immer noch, als wären sie gerade das erste mal ausgepackt worden – wo gibt es das sonst noch?

2 Kommentare für “Sony STR-6120

  1. Horst Jörg Strey|

    Toller Bericht, Sie sprechen mir aus der Seele.
    Mein STR 6120 ist leider defekt. Lust und Leidenschaft, diesen zu reparieren?
    Herzliche Grüße
    Horst Jörg

    P.S. Meine Vintage Audio Geräte fragen um Service. Was schlagen Sie vor, einladen und persönlich abgeben?
    Wie sieht Ihre Auslastung aus, wann würde es auf der Zeitachse passen?

  2. Lieber Jörg Strey,

    wir haben sowohl die Lust als auch die Leidenschaft uns um Ihren STR-6120 zu kümmern. Wie das geht und alle Ihre anderen Fragen hätten Sie nicht stellen müssen, steht alles ganz genau auf der „home“-Seite, also einfach mal oben links anclicken…

    Beste Grüße
    Armin

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