Sony TA-F555ES

sind hier: Home » Gerätevorstellungen » Sony TA-F555ES

Deutschland im Jahr 1983 – die CD wird auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin erstmals vorgestellt, eine Gemeinschaftsentwicklung von Philips und Sony – und dem japanischen Großkonzern geht es, wie fast allen japanischen Großunternehmen, finanziell sehr schlecht. Die erste Yen-Krise hatte gewütet und den Japanern äußerst schlechte Ergebnisse beschert, einfach wegen der Währungsdifferenzen zum Dollar! Also schoss man im Hause Sony aus allen Rohren und versuchte verlorenen Boden wieder wett zu machen. Man schuf einen Spitzenklasseverstärker zum Preis eines Mittelklassegerätes und hoffte dadurch hohe Verkaufserfolge – um es vorwegzunehmen – das Kalkül ging auf! Der hier vorgestellte TA-F555ES entwickelte sich kürzester Zeit zum Verkaufsschlager. Der Vollverstärker wurde für 1.698,-DM verkauft und bot dafür eine Nennleistung von 2 mal 100 Watt sinus an 4 oder 8 Ohm und wog 13,1 kg. Am überzeugendsten war aber sein unglaublicher Rauschabstand von 102dB (immerhin noch 90dB bei Phono) – gerade im Hinblick auf die gerade erscheinende CD, die ja mit gigantischen Versprechen in Hinsicht auf die Dynamik daher kam…

SONY-TA F555ES-1-97199 OCHSENFURT

Hier ist der Verstärker, zwar seiner Frontplatte beraubt, auf meinem Arbeitstisch zu sehen. Die Kanäle spielten zu leise, sehr ungleich laut und etwas verzerrt – was alles ausschließlich auf Kontaktprobleme an Schaltern und Potentiometern zurückzuführen war. Also wurden (wie fast immer bei unserer Arbeit) alle diese gründlich gereinigt. Stellvertretend beobachten wir das mit der Kamera beim Phono-Impedanz-Umschalter mit vier Stufen.

SONY-TA F555ES-2-97199 OCHSENFURT

Durch den überaus servicefreundlichen Aufbau des Sonys, kann die Phono-Vorverstärker-Platine, nach Entfernen von zwei Schrauben und dem Abziehen von vier Steckern komplett herausgenommen werden – was den Ausbau des Schalters deutlich vereinfacht. Oben sind bereits alle Pins entlötet und der Schalter wurde bereits aus der Platine heraus gezogen.

SONY-TA F555ES-3-97199 OCHSENFURT

Hier liegt er nun auf dem Tisch zur weiteren Bearbeitung. Zunächst den Schalter öffnen und die Kontaktreiter abnehmen und beiseite legen.

SONY-TA F555ES-4-97199 OCHSENFURT

So schauen die Kontaktflächen aus – da muss sich niemand wundern, wenn das Signal zu leise und verzerrt ist, zudem sich dies im Phonobereich noch erheblich störender auswirkt als im Hochpegelbereich, denn die Störungen werden ja vom Phono-Vorverstärker bereits mitverstärkt.

SONY-TA F555ES-5-97199 OCHSENFURT

Nach der ersten Reinigung mit Kontaktreiniger und einem Lederstäbchen (der Dreck unten im Bild kam nur von diesem Schalter!) sind die Kontaktflächen zwar schon sauberer, es folgt aber die Kür mit Wattpolish (Metarex) und anschließender Politur mit Leder-und Leinen-Stäbchen.

SONY-TA F555ES-6-97199 OCHSENFURT

Dann glänzen die Kontaktflächen wieder wie im Neuzustand. Damit dies auch möglichst lange so bleibt, werden die Flächen mit Kontaktfett überzogen.

SONY-TA F555ES-7-97199 OCHSENFURT

Dieser Dreck kam noch bei der zweiten Reinigung herunter, links die getränkte Polierwatte, in der Mitte das Lederstäbchen und rechts das Leinenstäbchen – alles nach der Anwendung eines einzigen kleinen Schalters.

SONY-TA F555ES-8-97199 OCHSENFURT

Hier ist der gute Schalter schon wieder zusammengebaut und eingelötet in der Platine zurück, um nun dort die nächsten 30 Jahre seinen Dienst zu versehen.

SONY-TA F555ES-9-97199 OCHSENFURT

Hier kann man mal die ausgebaute Phono-Vorverstärker-Platine im mobilen Schraubstock sehen. Prima, wenn das so einfach geht.

SONY-TA F555ES-10-97199 OCHSENFURT

Nachdem alle Schalter und Potis wieder einwandfrei arbeiteten, ging es an die Relais. Das sind auch nur Schalter, aber elektrisch betätigt, statt mechanisch – sozusagen fernbedient. Oben alle alten Relais aus dem Sony, unten alle neuen. Die Lautsprecherrelais verschleissen eigentlich nur deshalb so häufig, weil viele Benutzer nicht darauf achten, die Lautstärke herunter zu drehen, bevor sie ihren Verstärker einschalten – und dann erst nach dem Klick selbige auf den gewünschten Pegel einzustellen. Die Original-Relais von Matsushita (Panasonic) haben 7A Kontaktbelastbarkeit, die neu eingesetzten Omrons können 15A schalten. Die kleinen Kopfhörerrelais haben eigentlich keine Kontaktabbrände zu befürchten, jedoch oxidieren die Kontakte an allen diesen kleinen Signalrelais mit den transparenten Deckeln. Da der Kunde auch über aussetzende Kopfhörerwiedergabe berichtete, haben wir das zuständige Relais in eines mit gekapselten Kontakten ausgetauscht. Diese halten deutlichst länger.

SONY-TA F555ES-11-97199 OCHSENFURT

Auch hier kann man die Servicefreundlichkeit des Sonys erkennen – man kann alle Platinen herausnehmen,  jedenfalls soweit, dass man dran löten kann. Gut so.

SONY-TA F555ES-12-97199 OCHSENFURT

Hier ein Blick von unten in das offene Gerät. Eigentlich alles dauerhaft konstruiert, lediglich das ungeschickt angelegte Netzteil mit vielen dicken Vorwiderständen, die da jahrelang vor sich hinheizen… (mitte links im Bild) …nur dort musste auch nachgelötet werden. Der ganze Rest der Platine war noch tadellos.

SONY-TA F555ES-13-97199 OCHSENFURT

Etwas ungewöhnlich wurden die großen Siebelkos untergebracht (wohl aus Platzgründen), denn man hängte sie einfach an eine Querstrebe mitten im Verstärker. Beide hatten noch volle Kapazität (20.937µF  bzw.  21.265µF bei 22.000µF Nennkapazität. Es wird ja gerne behauptet, dass die Elkos nicht so lange durchhalten würden. Bei solchen mit kleinen Betriebspannungen (unter 16V auf jeden Fall) trifft dies auch häufig zu. Bei höheren Spannungen (etwa ab 50V) aber eher seltener.

SONY-TA F555ES-14-97199 OCHSENFURT

So schaut der Erfolgsverstärker von aussen aus.

SONY-TA F555ES-15-97199 OCHSENFURT

Ungewöhnlich, das Volumepoti auf die linke Seite zu platzieren – das hatte Sony aber in den 70er Jahren auch schon häufig gemacht (z.B. STR-7055 und ähnliche). Anfang der 80er Jahre befand man sich gerade im Übergang dazu, Lampen aus den Hifi-Geräten zu verbannen. Dieser Sony hat im Volume-Knopf eine Zwei-Farben-LED als Power-Anzeige. Diese blinkt rot nach dem Einschalten, bis nach etwa 8 Sekunden das erlösende Klick der Relais zu hören ist. Dann wechselt die LED auf grünes Dauerlicht (wie im Foto).

SONY-TA F555ES-16-97199 OCHSENFURT

Hier die schlichte Front des Verstärkers von links. Ein Jahr später kam übrigens der Nachfolger TA-F555ESMKII auf den Markt (100 DM teurer), der noch zusätzliche Bild-Ein-und Ausgänge anzubieten hatte. Das kam damals gerade in Mode…

SONY-TA F555ES-17-97199 OCHSENFURT

Die Marketing-Idee ARC (Audio Current Transfer) sollte auf die getrennte Stromversorgung von Endstufen, Vorverstärker und Phono-Vorstufe hinweisen. Alle Stufen bekamen eigene Siebelkos – und einen großartigen Namen an der Front…

SONY-TA F555ES-18-97199 OCHSENFURT

Der gewählte Eingang wird per Lampe (die einzigen im Gerät) angezeigt, die gewählte Quelle zum Aufnehmen (Rec Out-Selector) dagegen durch rote LEDs (unterhalb der Knöpfe).

SONY-TA F555ES-19-97199 OCHSENFURT

Hinten nichts Ungewöhnliches zu sehen, die üblichen Eingänge PHONO, TUNER, CD und AUX, sowie zweimal TAPE. Nun gut, immerhin CD war durchaus neu!

SONY-TA F555ES-20-97199 OCHSENFURT

Neben den soliden Lautsprecherklemmen gibt es noch einen Umschalter, der die Last in zwei Bereiche unterteilt – dies sollte an die tatsächlich angeschlossene Gesamtimpedanz angepasst werden.

Es fällt nicht schwer zu verstehen, warum dieser Verstärker solchen Erfolg hatte.

Ein Kommentar für “Sony TA-F555ES

  1. Das war mein Gerät. Danke für die super Instandsetzung, toller Service. Woanders wird man milde belächelt, wenn man mit so einen alten Gerät ankommt. Der Verstärker funktioniert quasi wieder wie neu. Jetzt läuft die gesamte Sony Magneta ES-Anlage aus 1984 wieder super und ihr habt bald eine Reservierung für mein Sony Tape TC-K666ES, das auch einen Service gebrauchen könnte, in petto. Ich kann good-old-hifi vorbehaltslos weiterempfehlen. Das Warten hat sich gelohnt. Danke und Grüße aus Mainfranken/Weinfranken nach fast Berlin

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.