Kenwood KA-601

sind hier: Home » Gerätevorstellungen » Kenwood KA-601

Kenwood war im Jahr 1979 ein ausgesprochen erfolgreicher Hifi-Hersteller am Markt. Nachdem man zuvor sehr gut eine Verstärkerbaureihe verkauft hatte, die auf die Modellbezeichnungen KA-9100, KA-8100 und so weiter hörte, musste 1979 etwas Neues her. So ersann man in Tokyo eine neue Baureihe von großen Verstärkern, die nunmehr etwas matter im Design gestylt waren, dafür etwas mächtiger wirkten. Die technischen Novitäten bezogen sich in erster Linie auf „High-Speed“ – ein Zauberwort im Jahre 1979. Begriffe wie „slew rate“ und „rise time“ waren plötzlich für Hifi-Fans sehr wichtig geworden und geisterten durch alle Hifi-Fachzeitschriften. Die slew rate gibt an, welche Spannung ein Verstärker innerhalb von einer millionstel Sekunde verstärken kann, die rise time hingegen die Zeit die ein Verstärker benötigt, um seine volle Leistung abzugeben. Die slew rate sollte also möglichst hohe Spannungswerte angeben, die rise time möglichst kurze Zeiten. Im Prinzip entsprechen diese Werte den Beschleunigungswerten eines Autos. Die neue Verstärkerbauereihe war speziell auf Schnelligkeit „gezüchtet“. Die Modelle nannte man KA-501, 601, 701, 801 und 907. Zudem hatten alle diese Verstärker ab dem KA-601 (um den es heute hier geht) bereits ein so genanntes „Dual-Power-Netzteil“ also Trafowicklungen und Gleichrichter nebst Siebungen für jeden Kanal getrennt. Der KA-601 muss daher mit diesen Ausstattungsmerkmalen ein wahrer Preisbrecher gewesen sein. Er kostete seinerzeit rund 1.000,- DM und bot so ziemlich alles, was man von einem Verstärker erwarten konnte – und er sah auch noch gut aus. Der kleinere KA-501 hatte zwar nur ein gemeinsames Netzteil, aber dafür beleuchtete Power-Meter in der Front. Er avancierte dafür zum Verkaufsschlager, kostete er doch nur 800,- DM. Der KA-601 bietet zweimal 90 Watt sinus an 4 Ohm nach DIN, einen Frequenzgang von 0 bis 400kHz (-3dB), slew rate von +/-110V pro µsec, rise time von 0,9 µsec, der Phono-Frequenzgang (RIAA) wird mit Abweichungen von +/-0,3dB eingehalten. Er wiegt 12 kg. Insgesamt also ein Verstärker, den es unbedingt zu erhalten gilt.

KENWOOD-KA 601-1-75203 KöNIGSBACH-STEIN

So kam er bei uns auf den Tisch. Er brummte laut zusätzlich zur Musik, ein Schalter war abgebrochen, andere gingen sehr schwer oder rutschten einfach durch. Der Klang war schwer getrübt durch erhebliche Kontaktprobleme im ganzen Gerät.

KENWOOD-KA 601-2-75203 KöNIGSBACH-STEIN

An dem abgebrochenen Kippschalter hatte schon einmal jemand versucht mit Pattex zu kleben… so etwas hält niemals.  Also zunächst einmal das Gerät demontiert und alle Schalter ausgebaut, zerlegt und gereinigt.

KENWOOD-KA 601-3-75203 KöNIGSBACH-STEIN

Diese Sorte Drehschalter neigen meist stark zu Kontaktschwierigkeiten, im KA-601 sind mehrere davon vorhanden. Oben sieht man die korridierten Kontaktflächen. Kontaktspray (auch das beste!) oder Ballistol helfen nur sehr kurzfristig. Richtige Lösung: richtig reinigen und anschließend mit Kontaktfett versiegeln, dann hält das wieder viele, viele Jahre.

KENWOOD-KA 601-4-75203 KöNIGSBACH-STEIN

Hier sind die Kontakte wieder richtig blank (ja, es sind dieselben!).

KENWOOD-KA 601-5-75203 KöNIGSBACH-STEIN

Dann kann der Schalter wieder eingebaut werden.

KENWOOD-KA 601-6-75203 KöNIGSBACH-STEIN

Die Kippschalter werden genauso gereinigt: ausbauen, zerlegen, reinigen, fetten und wieder rein damit.

KENWOOD-KA 601-7-75203 KöNIGSBACH-STEIN

Hier ist alles wieder blank. Den DC-Coupled-Schalter haben wir bei der Gelegenheit erneuert.

KENWOOD-KA 601-8-75203 KöNIGSBACH-STEIN

Das Lautsprecherrelais wurde ebenfalls erneuert. Dann flogen noch alle Kondensatoren vom Typ „black flags“ (ich glaube man sieht, weshalb die Amerikaner die so nennen) und ein Tantal heraus – die sind als anfällig bekannt.

KENWOOD-KA 601-9-75203 KöNIGSBACH-STEIN

So sieht das aus, wenn der Verstärker demontiert vor einem liegt.

KENWOOD-KA 601-10-75203 KöNIGSBACH-STEIN

Nun ist die Frontplatine wieder in die Werkplatte eingebaut.

KENWOOD-KA 601-11-75203 KöNIGSBACH-STEIN

Auch hinten befinden sich Schalter, die über lange Stangen von vorne bedient werden. Dies macht durchaus Sinn, da die Signalwege bereits in der Nähe der Buchsen geschaltet werden und sich so kaum Einstreu-Möglichkeiten ergeben. Die beiden Schalter sind der Eingangswahlschalter und der Tape-Mode-Schalter.

KENWOOD-KA 601-12-75203 KöNIGSBACH-STEIN

Auch diese werden ausgebaut und gereinigt, oben im Bild noch korrodiert.

KENWOOD-KA 601-13-75203 KöNIGSBACH-STEIN

Hier nun wieder strahlend sauber.

KENWOOD-KA 601-14-75203 KöNIGSBACH-STEIN

Hier ist der Verstärker im Ganzen zu sehen. Links eine, rechts zwei Betätigungsstangen für die hinten befindlichen Schalter. Die Kunststoff-Manschetten werden an den Stangen befestigt. Dort kommt es mitunter dazu, dass diese durchrutschen. Dies liegt an dem spröde werdenden Kunststoff. Deshalb nicht versuchen die Schraube fester zu ziehen, besser eine zweite einsetzen.

KENWOOD-KA 601-15-75203 KöNIGSBACH-STEIN

Dies hier sind die Doppel-Mono-Netzteile für die Endstufen. In der Mitte das neue Relais.

KENWOOD-KA 601-16-75203 KöNIGSBACH-STEIN

Die Vorverstärkerplatine von hinten mit einer neuen Masseverkabelung, wegen des Brummens.

KENWOOD-KA 601-17-75203 KöNIGSBACH-STEIN

Hier die Endtransistoren, eigens von Fujitsu entwickelte High-Speed-Transistoren 2SA1075 und 2SC2525.

KENWOOD-KA 601-18-75203 KöNIGSBACH-STEIN

Blick von unten in das offene Gerät.

KENWOOD-KA 601-19-75203 KöNIGSBACH-STEIN

Auffällig ist eine Kupferschiene, die die an der Front angebrachte Vorverstärkerplatine mit dem hinten befindlichen Netzteil verbindet.

KENWOOD-KA 601-20-75203 KöNIGSBACH-STEIN

Dies soll demonstrieren, wie viel Mühe der Konstrukteur sich gegeben hat, für gute Stromflüsse im Gerät zu sorgen.

KENWOOD-KA 601-21-75203 KöNIGSBACH-STEIN

Von außen gibt sich der Kenwood KA-601 sehr schlicht und vornehm zurückhaltend. Das matte Design verstärkt diesen Eindruck.

KENWOOD-KA 601-22-75203 KöNIGSBACH-STEIN

Die Front ist aufgeräumt, verfügt aber über mannigfaltige Möglichkeiten.

KENWOOD-KA 601-24-75203 KöNIGSBACH-STEIN

Neben dem vierstufigen Eingangswahlschalter, gibt es noch einen Tape-Mode-Schalter für zwei Tapes mit Überspielmöglichkeiten. Der DC-Coupled-Schalter legt einen Kondensator in den Signalweg und lässt damit keine Frequenzen unter 18 Hz mehr durch. Einen wirklichen Sinn  gibt das nicht, man wollte seinerzeit aber unbedingt Geräte haben, die in der Lage sind DC (also Gleichspannung mit 0 Hz) zu verstärken. bloß wenn dies (durch auftretende Defekte) tatsächlich mal vorkam, dann war ziemlich viel kaputt (meist Endstufe und Tieftöner der Boxen), deshalb gab es noch den „Notausgang“ dieses DC-Coupled-Schalters… Der Attenuator links daneben ermöglicht hingegen ein sehr viel feineres Einstellen der gewünschten Lautstärke, insbesondere dann, wenn man wirkungsgradstarke Lautsprecher angeschlossen hat.

KENWOOD-KA 601-25-75203 KöNIGSBACH-STEIN

Auf der linken Seite findet man den Lautsprecher-Wahlschalter für zwei Paare, den TONE on/off Schalter, sowie einen zweistufigen Loudness-Schalter. Der riesige Volume-Steller befindet sich traditionsgemäß (wie schon zuvor beim KA-9100) in der Mitte.

KENWOOD-KA 601-26-75203 KöNIGSBACH-STEIN

Hinten finden sich alle nötigen Cinchbuchsen, zusätzlich auch eine DIN-Buchse für Tape.

KENWOOD-KA 601-27-75203 KöNIGSBACH-STEIN

Auf dem Typenschild ist eine maximale Stromaufnahme von 550W abzulesen, was auf eine sehr konservative Leistungsangabe schließen lässt.

KENWOOD-KA 601-28-75203 KöNIGSBACH-STEIN

Die Lautsprecherklemmen können auch recht dicke Kabelquerschnitte aufnehmen.

Insgesamt hat die Arbeit an diesem Verstärker großen Spaß gemacht. Er kann sich nun auch wieder durchaus sehen und hören lassen. Um ehrlich zu sein: der macht es auch nochmal 37 Jahre…

3 Kommentare für “Kenwood KA-601

  1. Zitat aus obigem Text: „Den DC-Coupled-Schalter haben wir bei der Gelegenheit erneuert.“

    Zum Glück hatten wir in diesem Fall so einen Schalter noch als Neuteil. Zusätzlich können wir noch auf ausgebaute Schalter zugreifen. Alternativ kann man auch den vorderen Hebel aus Blech nachbauen.

    Beste Grüße
    Armin

  2. Einen solchen KA-601 habe ich auch gerade auf dem Küchentisch. Bei meinem Exemplar waren die Schalter durch die Bank noch ein gutes Stück korrodiert. Waren, denn jetzt sind alle Schalter, Potis und so weiter wieder gereinigt und versiegelt.Und nachdem die üblichen passiven Bauelente getauscht sind, klingt der „kleine“ große Kenwood auch wirklich wieder wie ein großer. Ein toller Verstärker den man auf alle Fälle erhalten soll!

    Hallo Richard, schön Dich auch hier zu finden! Grüße nach Siegburg! Armin

Schreibe einen Kommentar zu Armin Kahn Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.