Pioneer SX-850

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1976 war Pioneer der der weltweit größten Anbieter von Hifi-Geräten. Der Erfolg der Marke war in Japan, in den USA und auch in Europa gleichermaßen gut. Die Angebotspalette umfasste beinahe alles, was es in der Hifi-Branche gab: Tuner, Verstärker, auch High-End in Einzelkomponenten, Receiver, Plattenspieler, Kassettendecks, Spulentonbandgeräte, Equalizer, Timer, Kompaktanlagen und Lautsprecherboxen. Bei den Lautsprechern war Pioneer sogar Weltmarktführer. Erst ein Jahr später (1977) stieg man auch in den Bereich Car-Hifi ein – auch hier wurde dieser Hersteller zu einem der weltweit größten Anbieter.

In diesem Jahr kreierte man eine neue Receiverbaureihe, bestehend aus acht Modellen, die alles abdecken sollte, was gefragt war. Die Reihe begann mit dem kleinen SX-450, ging über die Modelle SX-550 und SX-650 hinauf in die Mittelklasse mit den Modellen SX-750, SX-850 und Sx-950, bis in die Oberklasse mit den Modellen SX-1050 und Sx-1250. Diese Baureihe sollte (später) in die Geschichte eingehen. Nie wieder hat ein Hersteller so erfolgreich Receiver verkauft, die auch heute – exakt 40 Jahre später – noch dermaßen gefragt sind und auch geschätzt werden (von anderen Einzelmodellen mal abgesehen). Selbst über den kleinsten, den SX-450, lacht heute niemand. Heute angebotene Exemplare funktionieren zumeist noch ganz ordentlich, lassen sich gut auf arbeiten und dürfen dann auf ein noch langes Leben hoffen – gute Verarbeitung ist allen Modellen dieser Reihe gemeinsam.

Die Palette erstreckte sich von 398,- DM für den SX-450 bis 3.498,- DM für den Monsterreceiver SX-1250. Die Firma Melchers in Bremen sorgte viele Jahrzehnte für den reibungslosen Import und einen erfolgreichen Vertrieb in Deutschland. Der hier vorgestellte SX-850 ist eigentlich der beste Kompromiss zwischen zu klein und zu groß. Er kostete damals 2.198,- DM und bot eigenlich alles, was das Hifi-Herz begehrte. Er leistet 2 mal 85 Watt sinus an 4 Ohm, wiegt 19,1 kg und hat ein Holzgehäuse nicht foliert, sondern richtig furniert. Schaut mal bei ebay, was gut erhaltene Exemplare heute noch so kosten, man kann nur staunen.

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Dieses Exemplar funktionierte eigentlich noch komplett, jedoch fehlte einfach alles, was mit gutem Kontakt zu tun hat. Manchmal kam gar kein Ton mehr heraus, erst nach mehrmaligem Betätigen der zahlreichen Kippschalter ging wieder etwas, mal rechts mal links. Oben ein Blick in das offene, aber noch ungereinigte Gerät.

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Im Netzteil wurde also schon einmal repariert und der Kollege war wohl zu faul, die Platine heraus zu nehmen. So lötete er einfach die neuen Transistoren an die abgeknipsten Beinchen der alten an. Dabei ist die gesamte X50er-Reihe durchweg servicefreundlich und man kann die Platine soweit hochklappen, dass man bequem an die Lötseite heran kommt.

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Hier sind bereits alle Schalter- und Potiplatinen herausgeklappt, so dass jeder Schalter zum Zwecke des Zerlegens und Reinigens ausgelötet werden kann.

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Der SX-850 hat soviele Schalter, dass man das gut gruppenweise erledigen kann. Oben sind vier der Kippschalter zu sehen, links die Platinen, rechts die Schaltreiterchen und oben die Kippmechanik.

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Hier glänzen die Kontakte schon wieder wie neu.

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Die Schaltreiterchen werden auf Kontaktstreifen gereinigt.

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So sehen die Schalter vor der Reinigung aus.

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Und so dann nach der Reinigung. Es wird mit keinem schleifenden oder kratzenden Werkzeug gearbeitet – das Härteste ist ein Wildlederstreifen auf einem Holzstab, mit Metallpolitur getränkt.

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Hier nochmals die Netzteilplatine, nach Austausch einiger Elkos und nunmehr mit korrekt eingelöteten Transistoren.

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Hier die Übersicht von unten, auch das Lautsprecherrelais oben rechts (direkt links neben dem Trafo) wurde natürlich erneuert.

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So schaut der SX-850 nach der Reinigung von oben aus.

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Hier wieder in seinem schicken Holzhäuschen – etwas aufgearbeitet.

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Die Front der gesamten SX-X50er-Reihe ist total klassisch, da wird niemals etwas unmodern und nichts wirkt übertrieben oder gar verspielt. Da hatten die Designer wirklich mal ein glückliches Händchen.

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Alles in silber gehalten, obschon es diese Serie auch in schwarz gab (ein halbes Jahr später), da hieß dann der 850er SX-5560, der 950er SX-5570, der 1050er SX-5580 und der 1250er schließlich SX-5590 – beinahe noch gesuchter als die silbernen, da seltener.

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Alle Anzeigen sind in orange, die Farbe wirkt hier aber keineswegs billig.

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Der Senderwahlknopf ging sehr schwergängig, da war das Fett in der Achse verharzt. Nun flutscht das Tuningrad aber wieder.

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Hinten ist alles aufgeräumt und alles vorhanden, was gebraucht wird. Vor- und Endverstärker sind auftrennbar, man kann zwei Plattenspieler und zwei Tapes anschließen und hat zusätzlich noch einen Reserveeingang. Der Tuner ist richtig gut, wie bei der gesamten Baureihe. Haltbar ist die ohnehin. Ich wette, in vierzig Jahren funktionieren immer noch etliche dieser wirklich schönen Receiver!

5 Kommentare für “Pioneer SX-850

  1. Hier steppt der Bär! Es wird nicht gemeckert, sich beschwert, oder hochgestapelt. Hier wird rangeklotzt, mit Spaß an der Sache, und alles nachvollziehbar dargestellt. Das ist für mich Balsam für die vom Alltag geschundene Seele.
    Danke

  2. Habe mir letztes Jahr auch einen voll restaurierten SX-850 zugelegt. Der VK hat dem Gerät aufgrund des defekten Gehäuses ein selbst angefertigtes Metallgehäuse mit eingraviertem Pioneer-Zeichen verpasst.Sieht extrem gut aus.Die 2 Seitenteile und die Deckplatte werden durch eine Schraube zusammengehalten. Die ist in 5 sec entfernt und nach Entnahme der Teile ist das Gerät frei zugänglich. Für manch einen gewöhnungsbedürftig, ist es doch mal was anderes.

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