Sansui BA-5000

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Heute nun, wie versprochen, der Bericht zu der größten Endstufe von Sansui aus der Definition-Serie von 1976. Die Definition-Baureihe wird durch die weinroten Blechgehäuse gekennzeichnet und umfasst die Geräte: AU-20000 (Vollverstärker), CA-2000 und CA-3000 (Vorverstärker) und BA-2000, BA-3000 und eben diese BA-5000 (Endstufen). Diese Baureihe war die Krone der Schöpfung bei Sansui zu dieser Zeit. Man wollte der Kundschaft in aller Welt und auch der Konkurrenz zeigen, was geht. Die Preise für diese Geräte heute belegen klar, dass Sansui da keineswegs verkehrt lag. Alle obigen Geräte erzielen heute Höchstpreise, die man kaum glauben mag – und das ganz zu Recht. Wir sind immer wieder erstaunt über die Klangeigenschaften dieser Geräte, wenn wir sie komplett überholt haben.

Die größte der Endstufen, eben die BA-5000 ist eine Ausnahme. Sie wurde ganz offensichtlich nicht für die heimische Stereoanlage konstruiert, das übernimmt eindeutig die kleinere BA-3000. Die 5000 ist entweder ein extrem leistungsstarker Basstreiber für Mehrwege-Boxen oder, so wie das Schicksal für die meisten verkauften BA-5000 (und das waren nicht allzu viele) ausging, für den harten Diskothekenbetrieb  ideal geeignet. Alle Dinge, die in einem allnächtlichen Dauerbetrieb mit höchster Leistung negativ sind, fehlen bei dieser Endstufe: keine Relais im Ausgang, dafür Übertrager (wie beim amerikanischen Mitbewerber McIntosh ebenfalls in Transistorendstufen üblich) in den Lautsprecherausgängen, riesige Kühlkörper mit Ventilatorunterstützung (wärmeabhängig) und eben ultrahohe Ausgangsleistung – wir reden hier von rund 400 Watt sinus pro Kanal nach DIN, wahlweise an zwei, vier oder acht Ohm (dank Ausgangsübertrager).

Diese Endstufe hat der stolze Besitzer aus Italien mitgebracht. Ich bin sicher, die stand jahrzehntelang in einer Diskothek und hat Abend für Abend laute Musik gemacht. Das konnte man Ihr an diversen Schmutzschichten ansehen…

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Die Beleuchtung hatte jemand schon mal „repariert“. Um die türkis folierten Pilotlampen hatte derjenige einfach die Drähte von „fuse wired“-Lampen gewickelt – leuchtet schließlich auch.

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Wier man sieht, leuchten die aber nicht besonders hell – von aussen sah man fast nichts und die türkise Farbe fehlte dann auch noch.

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Nette Idee, oder?

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Also alles raus und dafür die passenden Pilotlampen mit 300mA hinein. Die sind dann aber nicht türkis, denn solche bekommt man heute leider nicht mehr. Wir bekleben als Ersatz stets die Lichtleitkeile an der hinteren Kante (direkt vor den Lampen) mit türkiser Scheinwerferfolie (die ist hitzebeständig), weil die Lampen ja nur weiß sind.

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Die Anzeigeverstärker, die die Power-Meter antreiben, machten ziemlichen Blödsinn, indem sie nicht nur falsch, sonder auch noch höchst unterschiedlich anzeigten. Durch Abgleich (wie im Manual angegeben) ließ sich da leider nichts ändern. Da beide Verstärker aber prinzipiell funktionierten, haben wir einfach alles auf beiden Platinen erneuert.

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Danach ließen sich die Power-Meter wieder einstellen und zeigen nun, wenn auch nicht 100%ig korrekt (weshalb auch immer), wieder plausibel und gleich an.

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Unten die Treiberplatinen, oben die stromverstärkenden Transistoren auf dem Kühlkörper.

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Die andere Treiberplatine aus der Nähe. Leider haben früher arbeitende Service-Leute alle NF-Stecker im Gerät abgeschnitten und an den vergoldeten Pins angelötet.

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Zwei der vier Siebelkos, das Netzteil ist in Doppel-Mono aufgebaut.

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Hier die Front komplett.

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Das ist die Anschlussleiste für die Primärseite des Trafos, die Endstufe wurde auf 240V umgestellt. Oben im Bild die sehr massiven Lautsprecherklemmen.

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Das ist die Eingangsplatine mit den Pegelstellern.

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Die Endstufe hat zwei 15A Ausgangs-Sicherungen im Lautsprecherzweig, diese sind riesig, etwa 12 mm Durchmesser und 50 mm Länge…keine Ahnung, wo man so etwas herbekommt, falls man das braucht.

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Nachdem die verbogenen Rahmen wieder gerichtet waren, konnte alles wieder montiert werden. Was diese Endstufe schon so alles mitgemacht hat, das sah man ihr durchaus an.

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Das ist die Front dieses 49 kg wiegenden Boliden – im Karton waren es sogar 57 kg! Kein Fall für den Versand mit DHL und Konsorten…

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Die Lautsprecherklemmen. Die 2-Ohm-Klemme des linken Kanals war ohne Kappe, dafür war die linke Masse mit einer roten Kappe bestückt (vermutlich die fehlende!). Da Ersatz nicht zu beschaffen war, haben wir die linke Massekappe schwarz lackiert.

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Das Titelfoto komplett. In der Mitte der riesige Netztrafo mit getrennten Sekundärwicklungen für den rechten und linken Kanal, rechts und links daneben die beiden Ausgangsübertrager. Es wird gerne behauptet, diese würden Verzerrungen verursachen. das stimmt aber nur dann wenn die Übertrager bis in die Sättigung hinein betrieben werden, sind sie hingegen ausreichend dimensioniert (so wie hier!) dann trifft dies einfach nicht zu. Wahr hingegen ist es, dass dabei mit einem relativ hohen ohmschen Widerstand durch die Kupferverluste zu rechnen ist. Es ging bei der Konstruktion vorrangig um Sicherheit und nicht um feinste Auflösung von klanglichen Feinheiten. Nicht umsonst gilt die BA-5000 als“unkaputtbar“.

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Unglaublich, aber wahr: man kann die BA-5000 auf mono umschalten, sie arbeitet dann als Brückenverstärker und leistet das Doppelte! Als Eingang fungiert dann die Cinchbuchse für den linken Kanal.

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Die Power-Meter, nunmehr wieder türkis beleuchtet.

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Die Power/Protector-Anzeige leuchtete nur noch in grün, was daran lag, dass ein Techniker zuvor die Sansui-typische Zweifarben-LED durch eine normale grüne Leuchtdiode ersetzt hatte. Nun arbeitet dort wieder eine Zweifarben-LED. Nach dem Einschalten zunächst rot leuchtend, wechselt sie auf grün, sobald der  Ton durchgeschaltet wird.

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Der Farbton stimmt.

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Diese Endstufe hat aber auch Dimensionen: Höhe 23 cm, Breite: 49 cm und Tiefe: 47 cm. Sie nimmt bis zu 1.350Watt aus dem Netz auf.

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Ein Wahnsinnsbrocken auf unserem Tresen, bewegen besser nur zu zweit, sonst bekommt man „Rücken“.

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Die Oberseite komplett, alle Abdeckbleche sind einzeln abnehmbar. Leider waren fast alle Schrauben nicht original und zudem schon ziemlich vermurkst. Wurde natürlich weitgehend durch neue Schrauben ersetzt.

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Die für die Definition-Reihe charakteristische Farbe.

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Die Rückseite in Gänze, dort dominiert der Riesenlüfter, der sich übrigens erst beginnt zu drehen, wenn es am Kühlkörper warm genug ist.

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Das Typenschild dieser extrem seltenen Endstufe. Die Stromaufnahme dort ist, wie das Servicemanual aussagt, „rated“.

Insgesamt eine Endstufe der Superlativen – für den Mehrwege-Boxen-Betrieb (und dort nur für den Bassbereich!) oder für Diskothekeneinsatz eine ideale Endstufe. Für zu Hause im Wohnzimmer eher nicht so ideal geeignet. Obwohl der Besitzer berichtet, er höre damit sehr viele Feinheiten und ist im Übrigen sehr zufrieden mit dieser Endstufe, zusammen mit dem CA-3000 Vorverstärker. Diese Endstufe ist aber auf jeden Fall ein sehr seltenes Stück Hifi-Geschichte!

3 Kommentare für “Sansui BA-5000

  1. Hallo Armin,

    ein festes Ritual, allerspätestens sonntags Deine Berichte zu lesen.
    Ich liebe die einfach. Hoffe, dass Du und Dein Sohn uns hifitechnisch noch lange erhalten bleibt.

    LG
    Volker

    Danke, Volker – das ist sehr lieb von Dir! Hoffentlich geht es Dir in Deinem „Hifi-Keller“ gut! Bis irgendwann einmal.
    Beste Grüße
    Armin

  2. Mal wieder ein toller Bericht. Wenn ich diese Endstufe mit meinen Kenwood L-09M vergleiche, fallen mir die vielen Unterschiede auf, das ist eine andere Herstellerphilosophie, obwohl die Zielgruppe sicher ähnlich geplant war und auch die Leistung und technische Stabilität durchaus vergleichbar ist. Ein tolle Endstufe die Ihr wunderschön wieder ins Leben zurück geholt habt. Die hätte ich auch gerne 🙂

    Richard

    Danke, Richard. Ich lese Deine Berichte über die Restaurationen auch immer sehr gerne und mit viel Interesse.
    Beste Grüße
    Armin

  3. Danke für den hinreißenden Bericht, den ich an einem einzigen Punkt ergänzen möchte: Die BA-/CA-2000 gehörten bereits zu der ab 1977 beworbenen kleineren „Professional-Serie“, bestehend aus BA-/CA-2000, AU-9900, AU-11000 sowie TU-9900. Diese Geräte trugen dann ihr Kleid auch „nur“ in anthrazit statt in burgund.

    Danke, Mathias – diese Ergänzung kommt schließlich aus berufenem Munde!
    Beste Grüße
    Armin

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