Sansui B-2101

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In dieser Woche stand eine Endstufe der Marke Sansui aus dem Jahr 1987 auf dem Tisch. Die Besonderheit dieses Modells B-2101 ist die so genannte X-Technologie, die Sansui seinerzeit anbot. Bei dieser Technologie wird das Eingangsignal in positive und negative Anteile aufgeteilt und zwei Endstufen pro Kanal zugeleitet. Die eine Endstufe hat nur die positiven Anteile, die andere nur die negativen Anteile des Signals zu verstärken. Einen Masseanschluss des Lautsprechers sucht man vergebens. Der Vorteil liegt in der besseren Kontrolle des Lautsprechers. Klanglich durchaus zu hören. Die B-2101 leistet satte zwei mal 200W sinus an 8 Ohm und wiegt 19,5 kg. Heute gesuchte Endstufen, da sie damals leider keinen allzu großen Verkaufserfolg zu verzeichnen hatten. Auch die Firma Blaupunkt hatte eine ganz ähnliche Endstufe (die Nachfolgerin Sansui B-2102) unter dem Namen Artech MX-5090 im Programm, natürlich von Sansui zugeliefert.

Dieses Exemplar litt an ein paar Problemen. Zum ersten ploppte es laut und deutlich in den Boxen beim Einschalten und die Lautsprecher setzten bei kleinen Lautstärken häufig aus, besonders am Anschluss Paar A. Zudem kratzten die Pegelsteller furchtbar und stellten leider auch sehr ungleiche Pegel ein.

Darum kümmerten wir uns zuerst: das sind die beiden Pegelsteller. Es handelt sich um Drehschalter, mit denen man die Lautstärke in Stufen lauter und leiser stellen kann. Der vordere ist bereits zerlegt und man kann deutlich sehen, warum es kratzt beim Einstellen.

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Aus der Nähe betrachtet sieht man, dass es neben den Korrosionen der Metallflächen auch durch die Schleifer hässliche Spuren hinterlassen wurden. Da hilft nur richtige Reinigung.

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Das ist der Schleifer, der die Flächen innen und aussen miteinander verbindet.

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Hier nun dieselben (es sind wirklich keine neuen!) Schalter, nach der Reinigung.

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Auch die Schleifer wurden gründlich gereinigt.

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Bevor die Schalter wieder zusammen gesetzt werden, überziehen wir alle betroffenen Schaltflächen mit einem speziellen Kontaktfett von Electrolube.

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Hier sind die beiden Schalter nun wieder an Ihrem Arbeitsplatz eingelötet.

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Die nächste Baustelle waren dann die Endstufen. Das Ploppen beim Einschalten und ebenso das gelegentliche Ansprechen der Schutzschaltung lag an zu hohen Gleichspannungsanteilen an den Endstufenausgängen. Dazu muss der Offset eingestellt werden. Üblicherweise eine leichte Übung. Lautstärke auf Null, ein Messgerät an den Ausgang angeschlossen und die Gleichspannung auf Null gestellt – fertig. Nicht so bei den X-Balanced-Endstufen. Hier gibt es drei Offset-Trimmer pro Kanal, die sich alle gegenseitig beeinflussen. Es muss nach einer vorgeschriebenen Reihenfolge eingestellt werden. Um dies erledigen zu können, soll man nach der Reparaturanweisung an dem weissen Stecker genau in der Mitte der Endstufe jeweils zwei der Messpunkte anklemmen und dann justieren. Da ist sehr schwierig heran zu kommen. Im Übrigen: was man hier sieht sind zwei Endstufen eines Kanals. Das ganze Gebilde gibt es auf der anderen Seite des Gerätes nochmal.

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Damit wir das gut einstellen können, haben wir uns schon vor Jahren eine Verlängerung für den Stecker gebaut und können nun oben an den Kabeln bequem messen.

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Hier ist der Stecker nochmals aus der Nähe zu sehen. An den fünf Punkten kann man den Offset der positiven, den Offset der negativen und die Balance zwischen den beiden einstellen. Auch die Ruheströme der vier Endstufen lassen sich darüber messen. Es sind also insgesamt zehn Trimmerpotis einzustellen.

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Die letzte Baustelle waren die Relais, die an der Rückseite unter den Lautsprecheranschlüssen zu finden sind. Nach Abbau der Rückwand kommt man diese Platine heran. Zunächst muss man die Schraubterminals entfernen.

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Darunter sieht man insgesamt drei Relais. Das rechte ist für den Softstart zuständig und überbrückt lediglich den Vorwiderstand in der Netzleitung. Die beiden linken sind für die Lautsprecher Paar A und B zuständig.

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Statt der 7A-Typen der Marke Matsushita bauen wir 15A-Typen der Marke OMRON ein. Matsushita (heißt heute Panasonic) hat die Fertigung der meisten Relais bereits eingestellt, so dass man Ersatzmodelle einbauen muss. Wenn diese dann sogar noch besser sind… Trotz der hohen Kontaktbelastbarkeit empfiehlt es sich dennoch ganz allgemein, die Lautstärke beim Einschalten stets auf Null zu halten, bis es „klick“ gemacht hat und erst dann auf den gewünschten Pegel hoch zu drehen. Die Relais halten dann sehr viel länger.

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Auf der Platine wurden noch einige Kondensatoren erneuert. Nach dem Löten reinigen wir die Platinen stets sorgfältig, muss ja schließlich keiner sehen, wo gelötet wurde, oder?

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An der Front wurde noch die einzige Glühlampe des Gerätes erneuert. Sie beleuchtet den Rahmen der Poweranzeige indirekt. Auch hier wurden die Meter abgeglichen, noch vier weitere Trimmerpotis!

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So schaut diese Endstufe von aussen aus.

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Die Front, dort gibt es nur einen Netzschalter, die Schalter für Paar A und B der Lautsprecher, Peak Hold für die Anzeige und Display OFF (für den Nachbetrieb oder falls einen die Flackerei stört). Rechts noch die beiden Pegelsteller.

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Die sehen so aus nächster Nähe aus.

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Das ist die Endstufe von hinten betrachtet. Keine Besonderheiten…

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…ach doch, die Klemmen für die Lautsprecher haben nicht nur die Bezeichnung Plus und Minus, sondern auch Cold und Hot. Die schwarzen Klemmen dürfen niemals auf Masse gelegt oder gar miteinander verbunden werden – massive Endstufenschäden wären die sofortige Folge!

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Nun darf diese wundervolle Endstufe wieder zu Ihrem stolzen Besitzer, der sich hoffentlich im Klaren darüber ist, welchen Schatz er da besitzt!

5 Kommentare für “Sansui B-2101

  1. Hallo erst mal,
    Wunderbare Arbeit die ihr macht.
    Schön das noch eine Endstufe überlebt hat.
    Sie ist ein wirklich verkanntes Schmuckstück.
    Mich würde interessieren welche Kondensatoren ihr verbaut habt.
    Die „hübschen“ blauen. Mir ist letztens einer ausgelaufen.

  2. Hallo Armin, hallo Lennart,
    danke für den tollen Bericht über die Sansui 2101. Ich bin STOLZER Besitzer einer solchen. Eigenartigerweise hat der Vorbesitzer die LS-Ausgänge „B“ stillgelegt.
    Jedenfalls beruhigt es ungemein zu wissen, dass im Falle eines Falles jemand da ist, der die Sansui wieder Leben einhauchen kann.
    Danke für den schönen Reparaturbericht!
    Gruss
    Jürgen

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