Micro SX-111VF

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Zu den Höhepunkten der vergangenen Woche zählte der Micro Plattenspieler SX-111VF, den der Besitzer aus Japan importiert hat. Er läuft nur mit 100V, benötigt also einen Trafo, um hierzulande benutzt zu werden.

Das Gehäuse, in Echtholzfurnier und farblos lackiert, sah nicht besonders gut aus, was dem Käufer nicht gefiel. Wir sollten ein hübsches Furnier und eine klare Hochglanzlackierung auf den Plattenspieler aufbringen, damit er wieder standesgemäß aussehen sollte.

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Dazu sollte man wissen, dass dieser Plattenspieler extrem teuer war, einerseits das aufwändige Riemenlaufwerk – andererseits die noch aufwändigere Ansaugung der Platten über eine externe Pumpe (auf unseren Fotos nicht zu sehen). Die Ansaugung dient dazu, die Platten vollkommen glatt zu halten, also alle eventuellen Höhenschläge oder Wellen zu unterbinden. Dies hatte Micro schon für Luxman an etlichen Modellen realisiert.

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Der Plattenspieler stammt aus dem Jahr 1988 und wurde nur als Laufwerk ohne Tonarm angeboten und zwar zu einem Preis von rund 6.500,- DM ! Demzufolge ist er hier in Europa extrem selten anzutreffen. Der SX-111VF gehört zur so genannten Pegasus-Serie.

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Oben kann man die Vorrichtung zum Verschieben des Motors erkennen, dies dient dazu, den Motor ein wenig vom Plattenteller wegzuziehen, um einen eventuell ausgeleierten Riemen auszugleichen.

Unten links im Bild kann man eine Schraube in einem Loch erkennen, davon gibt es drei am Gerät, an diesen lässt sich die Höhe eines jeden Beins einstellen, damit der Plattenspieler immer exakt gerade steht.

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Um Tischler und Lackierer die Möglichkeit zu geben, das Gerät wieder richtig schön werden zu lassen, musste natürlich alles zerlegt werden. Und wie man sieht, steckt da eine ganze Menge drin.

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Leider hatte er zusätzlich noch den Fehler, dass der Motor starke mechanische Laufgeräusche von sich gab – es hörte sich furchtbar an. Zudem mussten wir feststellen, dass er ungeregelt lief, also viel zu schnell, was jedoch nicht sofort auffiel, denn er war uns ohne Plattenteller zugesandt worden. Bei einem Riementriebler merkt man das nicht sofort, zumal dann nicht, wenn man sich auf die Geräusche konzentriert. Wir wollten das zunächst einmal ablehnen, denn ein Ersatzmotor ist nur sehr schwierig zu bekommen, haben uns dann aber entschlossen, doch mal nachzuschauen, woher die Geräusche denn kommen. Also den Motor
zerlegt und dann sahen wir, was los war: die Spule am Boden des Frequenzgenerators, die als Platine unten im Boden des Motors eingebaut ist, hatte sich an einer Stelle etwas gewölbt, wodurch die Magnete des Rotors die Platine an dieser Stelle berührten – das waren die Geräusche! Zusätzlich war auch noch die Leiterbahn der Spule an einer Stelle bereits durchgescheuert. Dadurch ist die Spule unterbrochen und die Regelung funktionmiert nicht mehr. Abhilfe brachte einerseits eine Graphitscheibe unten im Lager, was den Rotor etwas anhebt. Dadurch berührt der Rotor nicht mehr die Platine und läuft geräuschlos. Andererseits konnten wir die Platinenunterbrechung mit Hilfe von Silberleitlack wieder flicken – der Motor läuft nun wieder geregelt.

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Nachdem der Tischler ein hübsches Mahagoni-Furnier aufgeleimt hatte und der Lackierer 15 Schichten Klarlack aufgespritzt hatte, kam die Zarge wieder in unsere Werkstatt. Nun wurde der Plattenspieler wieder komplett dort eingebaut und konnte sich stolz präsentieren:

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Die hellen Streifen sind Reflexionen, insgesamt, finden wir – ein stimmiges Bild.

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Das Bedienfeld an der Front und, ganz vorne im Bild, eine der drei Höhenstellschrauben.

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Hier nochmals der reparierte Motor aus der Nähe.

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Auh hinten alles neu furniert und lackiert und alles wieder montiert, samt aufgeklebtem Typenschild. Die drei Röhrchen dienen den Luftanschlüssen der Pumpe.

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Nochmals zwei Gesamtansichten des gesamten Gerätes – ist doch wirklich hübsch geworden,oder?

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Der zweite Höhepunkt dieser Woche war eine große Onkyo-Endstufe, in diesem Fall das Modell M-200, welches baugleich mit den Modellen M-5090 und M-5099 ist. Diese Endstufe von 1982 wiegt 31kg und leistet zwei mal 350 Watt sinus an 4 Ohm. Diese Endstufe hatte, wie leider so viele dieser Exemplare, ausgelaufene Siebelkos. Da sie in Doppelmono aufgebaut ist, betrifft dies gleich vier Elkos und zwar welche mit monströsen Abmessungen – groß wie Coladosen. Die Kondensatoren haben 30.000µF und eine Spannungsfestigkeit von 90V. Die Betriebsspannungen der Endstufe liegt bei plus/minus 75 Volt, das sollte dann eigentlich in
Ordnung sein – in der Praxis zeigt sich leider, dass diese Elkos meist nicht durchhalten, sondern aufplatzen und dann auslaufen.

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Hier kann man (von unten) bereits sehen, wie die Säure aus den Elkos schon am Blech genagt hat.

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Zunächst ätzt es den Lack weg, dann rostet das Blech darunter…

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Hier sind die Elkos schon ausgebaut und Lackreste und Rost weggeschabt.

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Das blanke Blech wird wieder mit schwarzer Farbe bedeckt.

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Einer der alten und einer der neuen Elkos direkt nebeneinander. Die neuen haben „nur“ 27.000µF, dafür aber 100V und die exakt passende Größe.

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Wie man sieht passen die neuen Elkos in die alten Schellen, mit deren Hilfe sie im Gerät befestigt werden.

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De Elkos haben auf der Unterseite Ventile, die aufplatzen, wenn der Druck zu hoch wird. Dort laufen sie dann aus.

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Nachdem das Netzteil wieder in Ordnung war, wurde natürlich auch die übrige Endstufe komplett überarbeitet. Zum Beispiel wurde die grüne Beleuchtung der riesigen Powermeter erneuert. Die schmutzigen Reflektoren wurden natürlich auch gereinigt.

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Fünf Relais wurden erneuert, darüber hinaus etliche Elkos und vor allem alle Doppeldioden vom Typ VD1221, die für ihre häufigen Ausfälle berüchtigt sind.

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Auch etliche Lampen wurden erneuert, die meisten waren bereits durchgebrannt. Hier bauen wir longlife-Lampen aus den USA ein, die 10.000 h halten sollen.

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Hier ist wieder alles montiert, die neuen Elkos fallen durch ihre fremde Farbe (blau) auf.

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Noch einige Fotos von aussen. Diese Endstufe haben wir schon häufiger vorgestellt.

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Blick von oben.

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Klappe geöffnet, bzw. geschlossen.

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Die Powermeter in grün beleuchtet. Beim Einschalten sind diese zunächst rot beleuchtet, mit dem Klick der Relais wechselt die Farbe der Lampen auf grün – das sieht immer wieder richtig gut aus.

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Auch von hinten alles wieder schick.

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Die macht es bestimmt nochmal 20-30 Jahre!

Ein Kommentar für “Micro SX-111VF

  1. Interessante Vorstellung! Diesen Micro SX-111FV kannte ich noch nicht. Die Zarge gefällt. Glückwunsch dem Eigner.
    Gruß
    Holger

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