Sony SS-3800 Teil 2

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Aus den Lautsprechern, die Christof uns aus München gebracht hatte (nötigenfalls in Höhepunkte Woche 47/2015 nachlesen!) sollten nach seinem Wunsch wieder wohnzimmertaugliche Boxen werden, möglichst originalgetreu. Um zu wissen, wie das am Ende aussehen sollte, hatte wir dieses Foto hier als Vorbild:

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Man sollte wissen, dass diese Lautsprecher nach Aussage eines Mitarbeiters von Sony nur in einer Auflage von 100 Stück, also 50 Pärchen im Jahr 1960 produziert wurden. Christofs Boxen haben die Seriennummern 50002 und 50007. Bei dem Verkaufspreis von 315.000 Yen liegt es nahe, dass es nicht so viele gab, denn dies war so viel, wie ein VW Käfer seinerzeit kostete – und zwar für jede Box!

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Zunächst also die Rückwände entfernen, auf denen auch die Frequenzweichen untergebracht sind. Da sind Unmengen dieses gelben Glasfaser-Dämmmaterials reingestopft, das wurde als erstes vollständig entfernt, wozu auch das Entfernen von rund 500 Tackerklammern gehörte, mit denen die Dämmung angetackert war. Man beachte den Sockel unten auf diesem Foto: er war dermaßen misshandelt, dass weder Farbe noch Furnier mehr vorhanden waren.

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Nachdem alles gelbe Dämmzeug (das juckt vielleicht auf der Haut, weshalb eine Wiederverwendung von vornherein ausgeschlossen war) entfernt war, kamen die eingebauten Chassis zum Vorschein. Diese waren mit Fensterkitt abgedichtet! Auch das musste alles restlos entfernt werden. Die Sicken der Tieftöner bestehen aus einem Textilmaterial, welches keinerlei Bearbeitung bedurfte, trotz des Alters von über 50 Jahren – die sind weich wie am ersten Tag!

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Nanu, wieso steht denn da „ONKYO“ auf dem Foto? Onkyo war zu dieser Zeit (1960) einer der wenigen Lautsprecherhersteller in Japan, die wirklich hochwertige Chassis für große Standlautsprecher produzierten. Diese Boxen hießen „Scepter“ und sind bis heute berühmt und bekannt, ähnlich den großen Studiomonitoren von JBL aus dieser Zeit. Für 100 Boxen lohnte es sich wohl kaum, etwas eigenes zu entwickeln, also orderte man entsprechende Chassis bei Onkyo für die SS-3800. Die Japaner sind da nicht so verkniffen, wie wir Europäer.

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Auch die Hochtonhörner waren dick mit Fensterkitt, inzwischen hart wie Beton, abgedichtet.

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Hier kann man erahnen, mit wieviel Tackerklammern das Bedämpfungsmaterial befestigt war.

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Der Kasten links ist ein luftdichtes Exgtragehäuse für die beiden 13cm -Mitteltöner, er hat etwa 8 Liter Volumen.

Als die beiden Gehäuse vom Tischler zurück kamen, hatte Niko den Sockel unten neu gebaut und zusätzlich dort je zwei kräftige Kunststoffschienen untergebaut. Mit deren Hilfe lassen sich die über 100kg wiegenden Boxen leicht verschieben, das kann sogar jede Frau bewerkstelligen, z.B. zum Staubsaugen. Da hat Niko wirklich eine Spitzenidee gehabt, das hat mir gestern beim Verladen auch extrem geholfen. Die Gehäuse wurden rundherum gespachtelt und dann neu furniert mit einem Furnier namens Etimoe, welches dem alten Originalfurnier von allen verfügbaren Sorten am ähnlichsten war. Dieses haben wir mit drei Schichten Hartwachsöl überzogen und dann poliert.

An der Schallwand gab es aber noch viele unschöne Stellen, weshalb wir die Schallwände komplett schwarz matt gestrichen haben.

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Die vorne aufgeleimten Dreiecke dienen zur Führung der Bespannrahmen, die ja fehlten und deshalb nachgebaut werden mussten.

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Zur Befestigung der Bespannrahmen hat Niko extra die später allgemein üblichen Haltedübel in die Schallwände eingelassen. So ist ein leichtes Abnehmen und wieder Befestigen der Bespannrahmen gewährleistet.

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Hier ist alles schon wieder schwarz (noch nicht ganz trocken, wie man sieht). Vor den Öffnungen der Tieftöner sind quadratische Gazematten auf die Schallwand geleimt. Diese sollen die Membranen unachtsamer Berührung schützen.

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Auch die Rückwände brauchten einen neuen Anstrich in braun, vorher noch spachteln. Der rechteckige Fleck unter dem Anschlussterminal ist der Sitz des Typenschildes. Zwei der Knöpfe hatten leider keine Kappen mehr, weshalb wir uns entschlossen, alle sechs Knöpfe zu erneuern. Wir fanden welche, die den originalen sehr stark ähneln.

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Hier die Rückwand mit neuer Lackierung und neuen Knöpfen (noch ohne Typenschild).

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Hier kann man das neue Furnier bewundern.

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Beim Einbau der Chassis, hier eines der Hochtonhörner, wurde als Ersatz für den Fensterkitt moderne Dichtmasse verwendet, die nicht austrocknet. Die schwarze Schlange auf dem Bund ist genau dieses Dichtzeug, speziell für Lautsprecher.

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Nun wurden nach und nach alle Chassis wieder eingebaut, wobei streng darauf geachtet wurde, dass jedes wieder an seinen ursprünglichen Platz kam.

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Die interne Verdrahtung ist in 0,75 mm² ausgeführt und das haben wir genau so gelassen, denn dickere Kabel bringen hier eher nichts (außer einem besseren Gewissen).

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Hier kann man die drei neuen Knöpfe bewundern, das Typenschild sitzt ebenfalls schon wieder an seinem Platz.

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Die Box ist bereits für Multikanalbetrieb ausgelegt. Mit dem Schalter rechts kann man wählen, ob man sie passiv mit einem Verstärker betreiben möchte oder mit einer aktiven Frequenzweiche  (Sony TA-4300F) und mehreren Endstufen (TA-3120 für Mittel-Hochton und TA-3200 für Bass) betreibt. Sehr edel und schon damals bei Sony zu haben.

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Die Frequenzweiche besteht übrigens ausschließlich aus Luftdrosseln und MP (Metallpapier)-Kondensatoren, die üblicherweise als Motoranlasskondensatoren für Waschmaschinen und ähnliches verwendet werden. Dort findet so gut wie keine Alterung statt, da die Spannnungsfestigkeiten von 350 Volt nur zum geringsten Teil erreicht werden. Diese Boxen haben einen sehr hohen  Wirkungsgrad (98dB/1W/1m), weshalb man sie schon mit einem Kofferradio zu hohen Pegeln überreden kann. An der Weiche musste nichts überarbeitet werden, da spricht die Qualität schon für sich.

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Die neuen Bespannrahmen, die Niko angefertigt hatte, mussten zunächst ebenfalls einen mattschwarzen Anstrich bekommen, damit das helle Holz nicht durch den Akustikstoff durchscheint. Dann wurden die Rahmen bespannt. Die Ecke oben links im Bild trägt später das Sony-Emblem.

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Hier wurde der fertig bespannte Rahmen mal testweise angeknöpft – passt.

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Alle Chassis eingebaut, Schallwand getrocknet. So langsam zeichnet sich ein Ergebnis ab.

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Die Verdrahtung zwischen den Chassis und der Weiche musste auch wieder hergestellt werden.

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Um die neuen Knöpfe verschrauben zu können, musste die Terminal-Platte ausgebaut werden.

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Hiert noch ein Blick in das Gehäuse…

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…man beachte die extrem aufwändige Verleimung der 40mm starken Wände mit unzähligen Dreikantleisten.

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Ebenso sind die aufwändigen Versteifungen mit Multiplex und dicken Leisten hervorzuheben.

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Auch oben und an den Seiten finden sich die eingeleimten Dreikantleisten.

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Nun konnte das moderne Bedämpfungsmaterial (absolut hautfreundliche Akustik-Polyester-watte) eingebracht werden. Fixiert wurde das mit kleinen Holzplatten und Spax-Schrauben, in der Mitte über dem „A“ zu sehen.

An die Bespannrahmen kamen zunächst noch die SONY-Embleme, die Lennart am Rechner nach dem Vorbildfoto entwarf und die ein Schildermacher auf Aluminium druckte. Zusätzlich bekam der Bespannrahmen rundherum noch eine 8mm breite Chromleiste, ganz nach dem Vorbild.

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Und hier das fertige Ergebnis – Ihr erinnert Euch noch an das Vorbild?

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Nachdem in diese Lautsprecher rund 100 Arbeitsstunden geflossen sind, kann man mit dem Ergebnis aber durchaus zufrieden sein. Diese SS-3800 sehen nicht nur aus wie original, sie klingen auch so. Es ist schon verblüffend, welches Bassfundament dort bei Lautstärkestellung 9 Uhr und völlig linearer Klangstellung zu hören ist. Laut können das einige Lautsprecher, so leise aber nur ganz wenige – diese gehören dazu. Ich habe mich dabei erwischt, ganz verzückt der Musik aus diesen Lautsprechern  zu lauschen und das bei Titeln, bei denen ich normalerweise nicht schnell genug die Skip-Taste finden kann.

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Hier sind die Schilder aus der Nähe zu sehen, dass das so einfach geht hätte ich nicht gedacht. Ich kann aber auch nicht solche Schilder am Computer entwerfen. Lennart macht so etwas einfach mal eben am Abend und bringt das dann am nächsten Morgen mit. Toll!

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Ebenso war Lennart für die Anbringung und den Zuschnitt dieser Chromleisten zuständig. Das hat insgesamt keine dreiviertel Stunde gedauert! Und ich hatte einen Riesenbammel davor, die Leisten würden krumm und schief sitzen, da sie ja flexibel sind und von einer Rolle kommen. Aber auch das hat er wunderbar hin bekommen.

Resümierend war dies bisher der umfangreichste Auftrag in der Firmengeschichte – es hat aber einen Riesenspaß gemacht und Christof  (im Forum „El Zahni“) ist absolut zufrieden mit dem Ergebnis – und das zählt letztlich am meisten. Nichts ist so wertvoll, wie das strahlende Lächeln unserer Kunden, wenn Sie ihre Schätze wieder in Empfang nehmen.

2 Kommentare für “Sony SS-3800 Teil 2

  1. Unglaublich, was für eine Klasse Arbeit. Auch wenn ich die Boxen nicht im Original sehe, eure Beschreibung und die Bilder!!!!
    Ihr habt es einfach drauf!

  2. Lieber Lutz,

    ich hatte das Glück, die Arbeit am vergangenen Sonnabend bei Armin im Original zu sehen – noch einmal deutlich besser als auf den Bildern!

    Niko, Lennart und Armin haben diese HiFi-Möbel ganz hervorragend rekonstruiert, 1000%ig wohnzimmer- wie auch WAF-tauglich, SOOOOOOO schön geworden!

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