JVC M-7050

sind hier: Home » Gerätevorstellungen » JVC M-7050

Die Marke JVC ist wohl bekannt, aber kaum jemand kennt die Geschichte dahinter. In den USA entstand 1901 die Victor Talking Machine Factory, eine Fabrik, die nach dem Emil Berliner erfundenen Prinzip Abspielgeräte und Schallplatten produzierte. Bereits 1927 gründeten die Amerikaner eine Tochtergesellschaft im Land der aufgehenden Sonne, die Japan Victor Company, da man den rasch wachsenden Markt in Japan erkannt hatte. In der Wirtschaftskrise von 1929 geriet die Stammfirma jedoch in finanzielle Schwierigkeiten und wurde vom Konkurrenten RCA übernommen, die sich fortan RCA-Victor nannte. Nach dem Angriff der Japaner auf Pearl Harbour 1940 wurde jedoch die Verbindung von RCA nach Japan gekappt, man hatte in den USA absolut kein Interesse mehr an Geschäften mit den Japanern. So waren die Japaner auf sich gestellt, aber rasch mit eigenen Entwicklungen beschäftigt, insbesondere auf dem Gebiet der Schallplatte – dort entstand das Format der 7″-Single in Stereo mit 45 Umdrehungen. In Japan hieß die Firma dann nur noch Victor, entschloss sich aber später auf dem internationalen Markt den alten Namen JVC zu benutzen. Die Marke wurde 1954 bereits vom Riesenkonzern Matsushita (später in Panasonic umbenannt) übernommen und stach durch einige bahnbrechende Entwicklungen heraus. Zum Beispiel entwickelte JVC das meist verbreitete Videokassettensystem VHS und lizensierte zahlreiche Abnehmer. In Berlin wurde sogar eine große Fabrik in Zusammenarbeit mit Thomson und Thorn/EMI gebaut, die nahezu den gesamten europäischen Markt mit VHS-Video-Kassettenrekordern versorgte (J2T). Im Jahr 2008 verkaufte Panasonic die Marke JVC an Kenwood, da die Verluste immer größer wurden. Auf dem HiFi-Sektor war JVC einer der am wenigsten beachteten Marken, obschon sehr viele und sehr gute Geräte im Laufe der Jahre angeboten wurden. JVC war ein Vollsortimenter, der neben Verstärkern, Tunern und Receivern auch eigene Plattenspieler, Kassettendecks und Lautsprecherboxen verkauften.

Heute stelle ich hier eine große und sehr wertige Endstufe vor, die aus dem Jahre 1979 stammt und  zu der so genannten „Laboratory-Series“ gehörte, also das, was man später allgemein High-End nannte. Eine sehr kräftige Endstufe mit großen Zeigerinstrumenten an der Front, einem Gewicht von über 28kg und einer Leistung von 2 mal 160 Watt sinus an 8 Ohm. Die Schaltungstechnik „Super-A“-Schaltung, die klangliche Vorteile versprach und später auch in Technics-Geräten Einzug hielt (klar, Technics gehört ja auch zum Panasonic-Konzern). Diese überaus selten zu findende Endstufe kostete damals bei uns 2.800 DM, die meisten Geräte stammen jedoch aus Japan und haben dann einen 100V-Stromanschluss und heißen dann Victor, nicht JVC – so auch diese.

jvc-m-7050-1-06667-weissenfels

Um irgendetwas an der Endstufe bearbeiten zu können, muss der Netztrafo ausgebaut werden. Daher ist dieser ausschließlich mit Steckverbindern versehen. Es ist aber dennoch ein ganz schöner Akt, denn allein dieser Netztrafo bringt 12,2 kg auf die Waage.

jvc-m-7050-2-06667-weissenfels

Hinten im Bild sind die Siebelkos zu sehen. Hier die Version mit zwei liegend angeordneten 15.000µF-Elkos, es gibt auch andere mit vier stehen angeordneten Elkos zu je 10.000µF. Alle diese haben 100V, die Endstufe arbeitet mit plus/minus 75V-Railspannungen, bieten also genügend Sicherheit.

jvc-m-7050-3-06667-weissenfels

Hier musste nur ein wenig nachgelötet werden, die Relais wurden erneuert, anschließend Ruhestrom und Offset eingestellt.

jvc-m-7050-4-06667-weissenfels

Die Endtransistoren von Toshiba sind je zwei PNP und zwei NPN pro Kanal vorhanden.

jvc-m-7050-5-06667-weissenfels

Die beiden Siebelkos, die sich normalerweise unter einem Bleckdeckel verstecken.

jvc-m-7050-6-06667-weissenfels

Vorne an der Front gibt es eine dicke Glasplatte vor den beleuchteten Anzeigeinstrumenten. Die Lampen in den drei Schaltern für Power und Lautsprechergruppen wurden teilweise erneuert.

jvc-m-7050-7-06667-weissenfels

Das kennt man doch von Onkyo: nach dem Einschalten sind die Power-Meter indirekt in rot beleuchtet…

jvc-m-7050-8-06667-weissenfels

…mit dem Klicken der Relais, schaltet diese dann auf grün um. Ja, aber Onkyo führte dies erst Ende 1981 ein – wo haben die das wohl abgeschaut?

Vor ein paar Wochen habe ich hier zwei Pioneer-Eclusive-Geräte im Holzgehäuse vorgestellt – hier nochmals im Bild:

PIONEER-EXCLUSIVE F3-20-06667 WEIßENFELS

Genau passend zu diesen beiden durch Niko neu furnierten Holzgehäusen passend erhielt die M-7050 nun ebenfalls ein Holzgehäuse.

jvc-m-7050-9-06667-weissenfels

Nun wiegt sie 32,2 kg, strahlt dafür aber auch eine Souveränität aus, die ihresgleichen sucht. Zusammen mit dem C-3 und dem F-3 von Pioneer aus der genauso seltenen Exclusive-Baureihe soll diese Endstufe betrieben werden – eine optisch extrem auffällige Anlage von höchster Qualität.

jvc-m-7050-10-06667-weissenfels

Die Front ist sehr übersichtlich – es gibt nur drei Schalter.

jvc-m-7050-11-06667-weissenfels

Auch ein Kopfhöreranschluss ist an der Front vorhanden.

jvc-m-7050-12-06667-weissenfels

Zwei Gruppen von Lautsprechern sind schaltbar.

jvc-m-7050-13-06667-weissenfels

Hier das Domestic-Markenemblem von Victor – mit dem ursprünglichen Hund „Nipper“ von His Masters Voice, der Schallplattenmarke der Victor Company.

jvc-m-7050-14-06667-weissenfels

Die Rückseite, neben den vergoldeten Cinchbuchsen (mit oder ohne Koppelkondensatoren, mit als „Subsonic“ betitelt) finden sich noch zwei Eingangslevel-Steller und die Lautsprecherklemmen.

jvc-m-7050-15-06667-weissenfels

Hier von der anderen Seite, das Holzgehäuse wurde den Exclusive-Woodcases optisch angepasst.

jvc-m-7050-16-06667-weissenfels

Alles in silber gehalten an der Rückwand.

jvc-m-7050-17-06667-weissenfels

Das Holzgehäuse von oben. Das Grundmaterial ist schwarz durchgefärbtes MDF, dadurch sind die Schlitze für die Kühlung stets sehr dunkel – ohne jede Nachbearbeitung.

jvc-m-7050-18-06667-weissenfels

Niko ist schon ein wahrer Meister seines Fachs und furniert mit sehr viel Liebe zum Detail.

Nun darf diese wundervolle Endstufe an Ihren endgültigen Bestimmungsort.

2 Kommentare für “JVC M-7050

  1. Frank Wienands|

    Lieber Armin, lieber Lennart,

    danke für die Vorstellung dieser Endstufe! Hat Jugenderinnerungen geweckt, denn als Jugendlicher hab ich alle Hifi-Prospekte eingesackt, die ich kriegen konnte, und in irgendeinem Prospekt war die auch drin. Toll anzusehen, aber natürlich jenseits jedes Jugend-Hifi-Budgets. Umso schöner, sie nach so vielen Jahren mal wieder zu sehen. Das Woodcase wäre allerdings nicht so meins …

    Kleiner Klugscheißer-Kommentar übrigens: der japanische Angriff auf Pearl Harbor war am 7.12.1941, nicht 1940.

    Freue mich schon aufs nächste Gerät.

    Herzliche Grüße
    Frank

    Danke, Frank – da ist mir ein kleiner lapsus unterlaufen, sorry.

  2. cornelius eschany|

    hallo armin,
    ich liebäugle ja schon ewig, mit deiner arbeit, als betreiber einer alten jvc / victor hifi-kombi, mit einer m 7050 endstufe und p 3030 vorstufe, an t&a tmr 160 mkII.
    natürlich hätte alles längst eine überarbeitung nötig, aber als frührentner, mit 400 €, im monat, geht da erstmal gar nichts.
    leider hab ich schon seit längerem, ein kratzen im linken kanal und gehe hier von den potis aus. was mir sehr weh tut, im herzen, ist, dass vor einer woche nun, noch zusätzlich, die gelbe beleuchtung, der einschaltbereitschaft, von der endstufe, ausgefallen ist und jetzt sehe ich immer nur die rote einschaltlampe.
    da kommt auch schon meine erste frage: „ist es denn schwer, so ein lämpchen selber zu wechseln?“ und die eigentliche frage war, ob denn da vorverstärker mässig noch viel geht, denn ich hab´immer das gefühl, dass gerade, im bassbereich und da sind die t&a’s ja klasse, einfach noch ein bissl mehr gehen sollte und schade, dass es nirgends einen guten vorverstärker thread gibt, wo die geräte auch verglichen werden, damit man sich als normalsterblicher verbraucher, halt auch ein bissl orientieren könnte. andererseits will ich die 2 babys auch nicht unbedingt auseinanderreissen, um dann nur festzustellen, dass das, was da noch möglich gewesen wäre, in keinem verhältnis steht, denn soo.. schlecht ist die p 3030 nun ja auch nicht, mit der guten phonoausstattung.
    als plattendreher, hab ich das tt71, an nem ql 7, wo ja auch schon lange mit der zarge hätte was passieren müssen 🙁
    aber so ist das halt mal, mit dem lieben geld.
    ach ja, von was denkst du denn, dass dieses kanalkratzen herrührt? wahrscheinlich schon die potis, oder?
    ich wünsche dir weiterhin gutes gelingen, viel glück und bleib, vor allem auch, gesund, damit wir noch lange was haben, von deinen interessanten vorstellungen und restaurationen.
    noch nen schönen, relaxten sonntag und bis dann mal wieder!
    grüßle aus dem dreiländereck basel, im südschwarzwald,
    cornelius

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.