Kenwood KA-5002 - ein überraschend guter Verstärker von 1971

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Im Jahr 1971 war Kenwood noch ziemlich neu auf dem deutschen Markt, der Vertrieb wurde von einem Büro in Frankfurt/Main unter dem Namen Trio-Kenwood erledigt. Erst 1973 wurde die Kenwood Deutschland GmbH mit Sitz in Heusenstamm gegründet. Nur ganz wenige, handverlesene Händler durften Kenwood verkaufen – in meiner Heimatstadt Berlin gab es nur die Elektrohandels Steinfurt und Schneider am Fehrbelliner Platz, die Kenwood führte. Der Hifi-Spzialist bei diesem Händler, allgemein nur kurz EHG genannt, war einige Jahre später der Kenwood-Außendienstverkäufer der den Vertrieb an den Fachhandel besorgte.

Der KA-5002 war im Prinzip ein verbesserter Nachfolger des KA-6000, der ihm auch optisch stark ähnelte. Allerdings wurden im KA-5002 deutlich stärkere Endstufen eingesetzt, er leistete beachtliche 2 mal 48 Watt sinus an 4 Ohm. Noch beachtlicher allerdings ist die Tatsache, dass diese Endstufen bereits in Komplementärschaltung ausgelegt waren, also ohne Ausgangselkos. Klanglich hat mich dieser KA-5002 wirklich verblüfft!

Der Verstärker überzeugt durch wirklich hochwertige Bauteile, in Bildmitte das Vierfachpoti für Volume und zwei Kammern für Balance.
Alle Abteilungen sind auf kleinen Platinen aufgebaut und mit Leitungen verbunden. In der Herstellung sehr teuer und aufwändig.
Auch die Schalter sind sehr robust gebaut gegenüber späteren Varianten der marke Alps. Relativ neu war die so genannte wire-wrap-Technik, wobei Drähte um vierkantige Stäbe gewickelt wurden – eine erstaunlich haltbare Verbindung.
Ein Wirrwar von Schaltern, Drähten und Kondensatoren…
Hier der Überblick von unten, vorne an der Front sind die blau leuchtenden Anzeigen des jeweils gewählten Einganges zu sehen. Diese Leuchten ähneln verblüffend blauen LED’s, die jedoch erst über 20 Jahre später entwickelt wurden.
Hier der Überblick von oben, links der Trafo, rechts die Endstufen.
Dies ist die Treiberkarte aus der Nähe, sie erhielt unter anderem neue Trimmerpotis, da die alten bereits stark korrodiert waren.
Hier die Endtransistoren der Nippon Electric Corporation, immerhin 60 Watt-Tranaistoren mit 10 MHz Transitfrequenz.
Die äußerst interessanten Leuchten nochmals aus der Nähe. Dort werkeln E-10-Lampen.
So schaut der Verstärker komplett aus. Über den senkrecht stehenden Einzelplatinen ist noch ein schwarzer Abschirmkorb montiert, auch vor den Endstufentransistoren befindet sich ein Abdeckblech aus Aluminium.
Von außen ein Wolf im Schafspelz. Ein sehr klein wirkender Vesrtärker mit hübschen Holzwangen, der es aber in sich hat…
Die Front beherbergt alles was man benötigt und für 1971 war das jede Menge, das konnten andere kaum bieten: Anschlüsse für zwei Tapes, zwei Plattenspieler, Tuner und Reserve, zusätzlich sogar für Mikrofone.
Die Klangsteller sind als 10stufige Schalter ausgelegt, es gibt zwei Lautsprechergruppen und einen Mode-Schalter, der auch das Vertauschen von rechts und links ermöglicht. Dies ist für Klassikfreunde wichtig, da manche Scheiben tatsächlich verkehrt herum gepresst waren.
olume und Balance sitzen auf einer Achse, der Phono-Empfindlichkeits-Umschalter erlaubt tatsächlich den Anschluss von MC-Systemen, da er eine Empfindlichkeit von 0,06mV bei 200 Ohm aufweist. 1971 war das eine (zumeist völlig unbemerkte) Sensation. Ich wusste damals noch nicht einmal den Unterschied zwischen MM und MC, und das als Hifi-Verkäufer. Denn damals waren einefach noch keine MC-Systeme für den Hifi-Markt im Angebot. Es gab lediglich solche für den Studiobetrieb von EMT und DENON.


Hinten findet man viele Cinchbuchsen. Der Verstärker ist vorbereitet für 4-Kanal-Betrieb und auftrennbar zwischen Vor- und Endstufe. Die Tapeanschlüsse sind zusätzlich als DIN-Buchsen vorhanden, die Mikrofonanschlüsse als Klinkenbuchsen. Für die Lautsprecher gibt es sehr robuste Schraubklemmen.

Klanglich hat mich dieser „kleine“ Kenwood wirklich richtig verblüfft. Er spielt auf wie ein großer mit satten sauberen Bässen und einer Dynamik, die einem ein Grinsen ins Gesicht zaubert. Zudem ist die Verarbeitung wirklich so solide, dass man diesem Kenwood noch locker einhundert Jahre Betreib zutraut. Und die Ausstattung muss 1971 wirklich „highend“ gewesen sein. Erstaunlicherweise gibt es auch noch einen größeren Bruder namens KA-7002 mit 2 mal 80 Watt sinus – habe ich auch schon hier vorgestellt und der wirkt genauso „unkaputtbar“.

2 Kommentare für “Kenwood KA-5002 - ein überraschend guter Verstärker von 1971

  1. Da muss ich ja schmunzeln Armin. Ob ich die hundert Jahre auch schaffe? Der kleine Wolf im Schafspelz ist nur zwei Jahre jünger als ich.
    Und in der Tat, ich bin genauso begeistert von seinem Klang. Habe ihn beim gebrauchte Boxen Kauf (Canton Quinto 530) mitgenommen zum Probehören. Der Verkäufer hatte zum Vergleich in seinem extra Hifi Zimmmer einen fetten Pioneer-Amp mit riesigen Inifinity Boxen stehen.
    Wir waren überrascht wie gut sich der Kenwood mit den kleinen Quintos im Vergleich geschlagen hat. Sicher nicht in der protzigen Leistung, aber vom Klang her stand die Mini-Kombi der großen Anlage in nix nach. Ich bin nach wie vor begeistert!!! Vor allem nach eurer perfekten Restauration, die sich bei diesem Gerät wirklich gelohnt hat. Gute, alte Dinge müssen bewahrt werden.
    Herzliche Grüße Klaus

  2. Hallo Herr Kahn, ich verfolge Ihre Berichte mit großem Interesse und finde es sehr gut, dass die alten Geräte gehegt und gepflegt werden. Ihrer Formulierung hier: „Alle Abteilungen sind auf kleinen Platinen aufgebaut und mit Leitungen verbunden. In der Herstellung sehr teuer und aufwändig.“ muss ich allerdings widersprechen. Ich halte das für einen relativ ungeordneten Drahtverhau. Man schaue sich nur die Revox-Geräte aus der gleichen Zeit an, da sieht man, was klarer Aufbau und Service-Freundlichkeit bedeuten! Freundliche Grüße M. Wobst

    Da muss ich doch widersprechen. Ich kenne Revox-Geräte dieser Baujahre (z.B. A-50), die mehrere Steckplatinen vorzuweisen haben. Das sieht in der Tat auf den ersten Blick sehr viel ordentlicher aus. Ist aber nur Optik. Die Verdrahtungen des Kenwood machen auch nach knapp 50 Jahren noch immer nicht das geringste Problem, die Steckverbinder bei Revox begannen schon nach 10 Jahren zu schwächeln und mussten dann gereinigt werden. Auch die Servicefreundlichkeit gefällt mir beim Kenwood besser. Man kann bei Rvox zwar die Platinen komplett herausnehmen und bearbeiten, jedoch im Betrieb kaum daran messen. Das geht beim Kenwood wunderbar, da die Verdrahtung lang genug ist. Sie sehen: die bessere Optik ist nicht alles.
    Dennoch vielen Dank für Ihren Hinweis.
    Beste Grüße Armin

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