Kenwood KT-917 - eine Tuner-Legende!

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Im Jahr 1979 war Kenwood einer der bedeutendsten Hifi-Anbieter weltweit. Man hatte ein Riesenprogramm, von Einsteiger Hifi bis hinauf in die absolute Spitzenklasse (später High-End genannt) war alles im Angebot. Eine neue Baureihe von Vollverstärkern und dazu passenden Tunern wurde kreiert, die sehr erfolgreich werden sollte. Die Verstärker von KA-501 bis KA-907 gehören auch noch heute zu beliebten und gesuchten Modellen, ebenso wie die dazugehörigen Tuner KT-615, KT-815 und als absolutes Spitzenmodell der KT-917. Er sollte das Vorgängermodell 600T, bereits einer der anerkannt weltbesten Tuner, nicht nur ersetzen, sondern auch verbessern. Man packte in diesen Tuner alles, was man konnte, ohne Rücksicht auf Aufwand. Dieser Tuner bringt satte 15 kg auf die Waage und kostete seinerzeit knapp 2.500 DM – für einen Tuner ein Wahnsinnspreis. Selbst der dazu passende Verstärker KA-907 mit immerhin zwei mal 180 Watt sinus kostete „nur“ 2.000,- DM.

Klar, ein Weltspitzentuner belastet sich erst gar nicht mit einem AM-Teil! Dafür ließ man sich bei Alps einen neunfach-Drehko bauen, der seinesgleichen sucht. Er ist über 20cm lang!

Hier ein Foto, was man nicht so häufig findet, da der Käfig dafür entfernt werden muss. Man beachte die Messingachse in der horizontalen Mitte. Diese Achsen und die dazugehörigen Schleifkontakre korriodieren sehr gern und stimmen dann nicht mehr sauber ab. Das passiert bei allen Drehkos, leider.

Hier ist die Achse bereits komplett gereinigt und von allen Korrosionsrückständen befreit.

Von oben sieht das Frontend so aus. Acht abstimmbare Kreis plus Oszillator!

Aber auch die übrigen Platinen sind für einen Tuner extrem aufwändig, noch aufwändiger als z.B. im Sansui TU-X1.

Riesige Platinen, vollgestopft mit hochwertiger Technik.

Von unten die gesamte Stromversorgung, vorne noch die Bedienteilplatine.

Hier wurde an nichts gespart, der Tuningknopf hat einen Sensor, der, solange man selbigen berührt und damit abstimmt, die aufwändige Fangschaltung abschaltet. Sofort nach dem Loslassen wird, falls nötig, nachgestimmt und dann der Sender fixiert. Erst beim erneuten Berühren des Knopfes schaltet diese Fangschaltung wieder ab. Diese Schaltung zeigt mit einer Anzeige in der Front, bezeichnet als „DDL Operate“, seinen Aktivzustand an. Die grüne Leitung fühlt nach, ob jemand den Knopf berührt.

Der Skalenzeiger ist extrem dünn, damit man damit sehr genau abstimmen kann. Die Skala hat eine Länge von immerhin 28 cm. Sehr viel länger als bei den meisten Tunern. Der Tuningknopf benötigt dreizehn komplette Umdrehungen, um von 87 bis 108 MHz zu gelangen!

Die eigentliche Skala ist ein durchsichtiger, bedruckter Streifen, der seitlich von zwei Lampen angestrahlt wird, wodurch die weissen Ziffern wirken, als ob sie in der Luft schweben. Der Streifen ist aus Glas – nicht aus Kunststoff wie üblich!

Das Deviation-Meter, welches selten an Tunern zu finden ist, es zeigt die Frequenzunterschiede zwischen der Trägerfrequenz des Senders und dem modulierten Signal an, im Ergebnis so ähnlich wie ein VU-Meter am Tape-Deck. Man kann es auf Multipath-Anzeige umschalten, dann zeigt es Laufzeitunterschiede des Empfangssignals an, welche z.B. aus Spiegelungen entstehen können (Mehrwegeempfang)

Hier ein Überblick über den offenen Tuner von oben – das Gehäuse rund um den Drehkondensator ist bereits wieder montiert.

Man vergleiche mal die Menge der Bauteile mit einem „normalen“ Tuner, hier zum Vergleich der Kenwood KT-615 – und der hat noch einen kompletten AM-Tuner an Bord!

Der Deckel auf diesem Gehäuse bezeichnet die Abgleichpunkte am Frontend, extrem viele im Vergleich zu einfacheren Tunern.

Der KT-917 gilt nach wie vor als einer besten Tuner, der jemals weltweit gebaut wurde. Alle anderen Tuner, die in dieser Kategorie mitwirken, haben einen ganz ähnlich guten Ruf. Ob das nun der Wega Lab Zero ist, oder der Klein & Hummel FM-2002 – oder der Sequerra FM-1 oder andere – der KT-917 gehört immer dazu. Das Gehäuse ist unauffällig und schlicht, passend zu der Verstärkerserie.

Die Frontb ist in matt gebürstetem Aluminium gehalten, wie es gerade modern wurde, damals.

Skala und Instrumente sind dezent indirekt beleuchtet, die Skalen der Instrumente alle in Messwerten angegeben. Üblich sind hier einfache Zahlenwerte, die nur simpel gut oder schlecht anzeigen.

Die Mittenanzeige zeigt die Abweichung in kHz an, unten im Bild die erwähnte, bedruckte Glasscheibe, die kaum zu sehen ist, die gedruckten Striche und Ziffern dafür aber umso besser.

Rechts das bereits beschriebene Deviation/Multipath-Instrument, auch hier in % bzw. dB skaliert. Der KT-917 war weltweit der erste Tuner mit „Pulse-Count-Detector“, welches das frequenzmodulierte Zf-Signal durch eine Begrenzerschaltung in Rechtecksignale gleicher Amplitude zerlegt. Dabei wird die positive und negative Halbwelle des Zf-Signal-Kurvenzuges in Rechteckwellen verwandelt, deren Impulsbreite dem Zf-Signal proportional ist. Dadurch kann eine nahezu ultralineare Demodulatorschaltung realisiert werden. Nichtechniker überlesen dies am besten.

Es können der Ausgangspegel stufenlos, die Mutingschwelle zweistufig und die Bandbreite ebenfalls zweistufig werden werden.

Die Beleuchtung kann für dunkle Umgebung gedimmt werden, es kann zwischen  zwei Antennen gewählt werden und der Schalter rechts wählt aus, was das rechte Instrument anzeigen soll.

Hinten finden sich Anschlüsse für ein Oszilloskop, sowie Tonausgänge geregelt und ungeregelt. Daneben Antennenanschlüsse für alle Normen.

Dieser Tuner ist zu recht eine Legende: er empfing nicht nur mehr Sender an meinem Arbeitsplatz als andere Tuner, sondern zudem auch sehr viel mehr schwache Sender völlig rauschfrei in Stereo!

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