Komplette Restauration am Beispiel eines Pioneer SA-8500II

sind hier: Home » Restaurationen » Komplette Restauration am Beispiel eines Pioneer SA-8500II

Die Fragen werden immer wieder gestellt: „Lohnt sich das?“ oder „Was wird denn alles gemacht, bei einer Restauration?“ oder auch „Wieso ist das so teuer, wenn das Gerät an sich doch funktioniert?“. Ich will hier heute mal erläutern, was alles an einem Gerät so gemacht wird, wenn es zu uns zur Restauration kommt. Unter Restauration verstehen wir, ein Gerät möglichst wieder in einen neuwertigen Zustand zu versetzen. Es soll hernach wieder so klingen wie neu und auch so störungsfrei funktionieren wie neu und das alles möglichst lange. Dazu ist doch eine ganz Menge Arbeit notwendig, in diesem Beispiel hier einen gesamten, langen Arbeitstag (rund 10 Stunden).

Der Pioneer SA-8500II ist ein mittelgroßer Vollverstärker von 1977 mit 2 mal 85 Watt sinus an 4 Ohm, seinerzeit der zweitgrößte Verstärker im Pioneer-Programm. So etwas kostet heute zwischen 250 und 500 Euro – je nach Zustand. Man sollte sich da nichts vormachen, nahezu alle angebotenen Geräte benötigen eine umfassende Überarbeitung, wenn sie künftig zuverlässig und wohl klingend arbeiten sollen. Ausnahme sind solche Geräte, die direkt von einem Restaurationsbetrieb komplett revidiert angeboten werden – die sind dann aber auch erheblich teurer. Möglicherweise kann man sich schon jetzt die eine oder andere Eingangsfrage beantworten.

Das erste was wir tun, wenn ein Gerät in die Werkstatt kommt: wir schließen es an und probieren es aus. Wir machen uns ein Bild davon, was alles getan werden muss, was funktioniert, was nicht. Oben ist die Klangstellerplatine zu sehen. Der Besitzer hatte bemängelt, dass es merkwürdige Störgeräusche ergab, wenn er die Höhenstellung benutzte. Also wurde die Platine zunächst einmal ausgebaut und alle Schalter bearbeitet.

Hier ist der TONE ON/DEFEAT-Schalter zu sehen, genau so, wie er im Gerät eingebaut war.

Er wird zerlegt und dann sieht man schon, dass hier die letzten 40 Jahre ein wenig dem Material zugesetzt haben.

Die Kontakte sind angelaufen und von den Schiebekontakten zerkratzt. Kontaktspray oder so etwas ähnliches bringt in solchen Fällen zwar momentane Verbesserung – aber von Dauer ist das auf keinen Fall. Zudem greifen die teilweise aggressiven Sprays langfristig auch die verwendeten Materialen an, so dass dann eine Überholung zumindestens schwieriger wird, manchmal sogar nicht mehr möglich.

Hier sind die Kontakte mit Metallpolitur wieder auf Hochglanz gebracht, anschließend versiegeln wir das noch mit Kontaktfett, damit der Sauerstoff nicht mehr an die Metallflächen gelangen kann. Man kann die Spuren der Schiebekontakte (besonders am mittleren Kontakt) trotz Politur noch sehen. Die Schiebekontakte werden zusätzlich noch mit Kontaktstreifen (das ist extrem feines Schleifpapier) gereinigt. Damit ist sicher gestellt, dass die Oberflächen der Kontakte nicht beschädigt werden, aber sämtlicher Abrieb vollständig entfernt wurde.

Die Drehschalter zur Auswahl der Einsatzfrequenzen werden ebenfalls ausgelötet und gereinigt.

Hier zerlegt und noch ungereinigt, man kann die Kontaktflächen kaum sehen.

Nach der Reinigung sieht das alles wieder neuwertig aus, auch die Schleifer (rechts im Bild) wurden gereinigt. Auch hier wird alles mit Kontaktfett versiegelt.

Sämtliche Elektrolyt-Kondensatoren, meist nur kurz Elkos genannt, werden im Klangstellerteil erneuert. Hier sitzen fast alle Elkos im Signalweg und beeinflussen dadurch den Klang des Verstärkers hörbar. Meistens liegt es an solchen Elkos, wenn Besitzer älterer Geräte von unklarem, verwaschenem oder müdem Klang reden. Oben im Bild sind bereits alle Elkos auf dieser Platine erneuert, die meisten mit hochwertigen Elkos der Marke Nichicon, Serie Fine Gold, speziell für Audio-Anwendungen. Wenn schon, denn schon!

Die nächste Platine ist die Eingangswahlschaltung, hier vor der Bearbeitung.

Der ausgebaute Eingangswahlschalter für einen Kanal, es gibt dero zwei davon.

Hier die Rückseite. Alles noch vor der Reinigung.

Das ist derselbe Schalter nach der Reinigung. Auch dort wird alles mit Kontaktfett versiegelt.

Die gereinigte Rückseite.

Dies ist der danebenliegende Umschalter für die Phonokapazitäten.

Auch hier erfolgt die Reinigung wie bereits beschrieben.

Sieht hier schon wieder neuwertig aus und macht auch keinerlei Geräusche mehr beim Umschalten.

Auch auf dieser Platine wurden viele Elkos erneuert. Teils in Fine Gold, teils in bipolar Serie Muse oder auch herkömmliche Elkos in Spannungsversorgungs-Anwendungen – aber alle von Nichicon.

Auch das Lautspreeherrelais bedarf einer Prüfung, hier sind die Kontakte nach 40 Jahren Betrieb zu sehen. Wer es sich noch nicht zur Angewohnheit gemacht hat, das Gerät prinzipiell nur bei Lautstärke „0“ (zugedrehtes Volumepoti) ein und auszuschalten, darf sich über solche Relaiskontakte wie oben im Bild nicht wundern.

Glücklicherweise gibt es diese Relais noch als Neuteile und wir erneuern diese immer, wenn es möglich ist, und weisen unsere Kunden darauf hin, das Gerät künftig nur ohne Ton ein- und auszuschalten – dann leben die neuen Relais auch sehr lange.

Auch die Endstufenplatinen wurden überarbeitet, einige Elkos erneuert. Bei allen Platinen werden zusätzlich auch alle Lötstellen mit der Lupe gesichtet und wo nötig nachgelötet. Am Ende werden alle Platinen gründlich gereinigt.

Hier die fertige Endstufenplatine eines Kanals nach der Bearbeitung. Auch die Potis werden gereinigt, nötigenfalls auch durch Ausbau, zerlegen und polieren der Schleiferringe.

Auch das Äußere darf nicht zu kurz kommen. Hier wird gerade die Frontplatte mit Sodareiniger und Bürste gereinigt, anschließend wird das mit Glasreiniger gesäubert und dann mit einem Baumwolltuch trocken gerieben. Danach mit einem Mikrofasertuch poliert.

Nachdem auch Ruhestrom und Offset eingestellt wurden, eventuell Lampen erneuert und nötigenfalls Stromanschlusskabel erneuert wurden, die möglicherweise vorhandenen US-Steckdosen still gelegt und die Spannung (sofern möglich) auch 240V umgestellt wurde, dann endlich kommt das offene Gerät in unsere Ausblaskammer. Dort wird mit Pinsel und Pressluftdüse das gesamte Gerät ausgeblasen, also sämtlicher Staub entfernt. Danach geht es wieder zurück auf den Werkstatttisch und alle Bauteile innen werden mit Glasreiniger gesäubert. Oben kann man das Ergebnis sehen.

Auch unten wurde alles gereinigt.

Dann werden auch das Bodenblech und der Gehäusedeckel gereinigt und wieder angebaut. Die Knöpfe vorne lagen zuvor im geheizten Ultraschallbad und glänzen daher wieder wie neu.

Das Gerät ist innen quasi wieder wie neu und das soll man von aussen auch sehen.

Die 40 Jahre sieht man diesem Verstärker wahrlich nicht mehr an. Der SA-8500II hat vor 40 Jahren mal 1.298,- DM gekostet. Wenn man sieht, wie gut der heute noch geht, dann hat sich das wirklich gelohnt. Wie schneidet wohl ein Verstärker von heute in 40 Jahren ab?

Auch die silberne Scheibe unter dem Volume-Knopf wurde mit neuem Schaumstoff auf der Rückseite versehen, damit kein Spalt zwischen Frontplatte und dieser Scheibe entsteht. Der Schaumstoff zerfällt im Lauf der Jahrzehnte, dadurch wird die Scheibe nicht mehr nach vorn gedrückt. Auch die kleinen Kunststoffblenden hinter den Kippschalterknöpfen wurden alle im warmen Ultraschallbad gereinigt.

Ebenso wird auf der Geräterückseite alles gereinigt. Die Cinchbuchsen werden poliert, in diesem Fall wurden auch die fehlenden PreOut-MainIn-Bügel ersetzt, ohne die das Gerät keinen Mucks macht. Alles übrige wird ebenfalls mit Glasreiniger gründlich gesäubert, abschließend mit einem Mikrofasertuch poliert.

Zum Schluß können die Eingangs-Fragen möglicherweise leicht beantwortet werden:

Lohnt sich das? – So eine Bearbeitung kostet rund 350,- Euro, ob sich das lohnt muß jeder für sich selbst entscheiden.

Was alles gemacht wird, haben wir ausführlich beschrieben und weshalb das so „teuer“ ist, kann man bei dem Umfang der Arbeiten vielleicht verstehen.

Ein Kommentar für “Komplette Restauration am Beispiel eines Pioneer SA-8500II

  1. Hi Armin and Lennart!
    I must tell you (and indeed anyone thinking of using your services) that for the top class standard of work you perform a price of c€350 is definitely not „expensive“: it is an absolute bargain…!
    Robin (UK)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.