Marantz 2230

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Nun ist es passiert! War ich doch lange Zeit nicht so von Marantz begeistert (ich bin es noch immer nicht!), so gefallen mir die alten Recken dennoch wieder ganz gut. Mit alten Recken meine ich die meistverkaufte Serie von Receivern, die es jemals unter diesem Label gab. Damit meine ich das Quartett 2215-2230-2245-2270 von 1972. Die Geschichte dazu ist interessant:

Der Amerikaner Saul Bernard Marantz (1911–1997) begann 1951 in Kew Gardens (New York, Stadtteil Queens) Verstärker zu entwickeln und in Handarbeit herzustellen.[1] Auslöser war Marantz’ Unzufriedenheit mit der Qualität der damals angebotenen Geräte. Aus dieser Zeit stammt die Audio Consolette Model 1, ein mit Röhren bestückter Mono-Vorverstärker. 1953 wurde die Marantz Company in Long Island, New York (44-15 Vernon Blvd.) gegründet. Im darauffolgenden Jahr stieß Sidney Stockton Smith zu der Firma und entwickelte 1956 das Model 2. Der Firmensitz befand sich mittlerweile am Broadway. In der Folge entstanden der Vorverstärker Model 7 (1959), die Stereo-Endstufe Model 8 und die Mono-Endstufe Model 9 (1961).

Um 1960 war Marantz vorwiegend in den USA mit seinen hochwertigen Röhrengeräten nur einem kleinen, exklusiven Kundenkreis zugänglich. 1961 wurde Richard Sequerra Chef-Ingenieur. Er führte mit dem FM-Tuner Model 10 das Oszilloskop als Abstimmanzeige ein. Im Rahmen des Apollo-Raumfahrtprogramms beschloss die NASA, eine modifizierte Version der Endstufe Model 9 unter der Bezeichnung 9120 in Zielverfolgungsstationen einzusetzen. Im Jahre 1964 verkaufte Marantz sein Unternehmen an die kalifornische Superscope Company. Ein Jahr später wurde der Firmensitz nach Chatsworth (Kalifornien) verlegt. Bei der Entwicklung neuer Geräte wandte sich Marantz nun vermehrt der Transistortechnik zu. Mitte der sechziger Jahre gliederte Superscope einen großen Teil der Produktion nach Japan aus und arbeitete mit der Standard Radio Corporation zusammen. Die Geräte japanischer Herkunft sind an den Typenschildern mit der Vermerk „Konstruiert in USA, gebaut in Japan“ erkennbar. Lediglich die hochwertigen Produkte wurden weiterhin in den USA gefertigt. 1968 zog sich Saul Marantz aus der Unternehmensleitung zurück.

1970 beteiligte sich Saul Marantz an der Gründung des Lautsprecher-Herstellers Dahlquist und war gemeinsam mit Sidney S. Smith als Berater für die Fertigung tätig. 1972 gründete Superscope in Japan Marantz Far East. Nur drei Jahre später verkaufte wiederum Superscope 50 % an die japanische Standard Radio Corporation, die den Namen in Marantz Japan änderte. Unter dem steigenden Kostendruck wurden z. B. die aufwändig gravierten Beschriftungen der Frontplatten durch einen nicht sehr haltbaren Siebdruck ersetzt. Die Produktion in Amerika wurde nach und nach eingestellt. Die Produktpalette umfasste neben Verstärkern und Tunern auch Plattenspieler und Lautsprecherboxen.

Bis 1975 hatte die Firma Bolex in München den Vertrieb dieser Marke in Deutschland und war ab 1972 so erfolgreich damit, dass man eine Marantz-Deutschland GmbH (in Sprendlingen) gründete. Gleichzeitig ließ allerdings die Qualität der angebotenen Geräte stark nach. 1980 wurde das Unternehmen in Japan von Philips übernommen, heute ist es im Besitz des amerikanischen Mischkonzerns D&M (steht für Denon und Marantz), due zunächst als „Heuschrecke“ eingestuft wurden, aber offenbar das Hifi-Geschäft weiter betreiben.

1972 habe ich als Hifi-Verkäufer in Berlin gearbeitet und an der oben genannten Receiver-Linie wurde extrem viel Geld verdient. Auch hatten die vier Receiver nahezu alle Vergleichstests in den einschlägigen Fachzeitschriften überlegen gewonnen. Als Verkäufer hatte man leichtes Spiel, nahezu jeder Kunde wollte einen Marantz – einen Sansui Eight zu verkaufen war fast unmöglich. Ich habe diese Geräteserie daher noch sehr gut im Gedächtnis. Gemocht habe ich sie nie wirklich – und kann nicht einmal sagen warum.

So kam der 2230 bei uns an:

[Bild: dfsnA.jpg]

Kaum noch Licht an der Front, alle Schalter und Potis am gammeln und innen:

[Bild: Qr1kk.jpg]

eher ungeöffnet seit damals!

Nach einigen Stunden intensiver Arbeit für komplett neue Beleuchtung inklusiver neuer Diffusorfolie hinter der Skala, alle Schalter und Potis reinigen und auch sonst alles wieder schön machen sah es innen schon mal so aus:

[Bild: OqNSy.jpg]

Der Gerätebesitzer wollte ein Marantz-WC 122 dazu haben und wir haben es nach getaner Arbeit dann auch darin eingebaut.
Ein schöner Anblick, oder?

[Bild: BJdCA.jpg]
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[Bild: 5q9sE.jpg]

Ach übrigens, da schon des öfteren darüber diskutiert wurde, kann ich es nun hier amtlich veröffentlichen: die richtigen Schrauben, um einen Receiver im WC-122 Nachbau von uns zu befestigen, haben die Maße M4 x 30 mm (keinesfalls länger!!!). Ab sofort gehören sie auch zum Lieferumfang. Die passenden (ebenfalls mitgelieferten) Füsse kann man im letzten Bild sehen. Und das Lochblech zur Kühlung lässt sich nach Lösen der beiden äusseren Schrauben komplett nach hinten heraus ziehen.

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