Mitsubishis Mini-Anlage von 1978!

sind hier: Home » Gerätevorstellungen » Mitsubishis Mini-Anlage von 1978!

Da war ich doch bisher der Meinung die Marke AIWA hätte 1979 weltweit die erste Mini-Anlage (Serie 22) auf den Markt gebracht – und muss nun feststellen, dass Mitsubishi (in Japan als Diatone angeboten) dies schon ein Jahr vorher entwickelt und in Japan verkauft hatte. Erst 1980 kam diese Mini-Anlage auch auf den europäischen Markt, nun unter dem Namen Mitsubishi. Es handelte sich um den Vorverstärker M-P01, die Endstufe M-A01, den Tuner M-F01 und das Kassettendeck M-T01 – unten ein Katalogbild von 1980. Eine Anlage, die mich stark beeindruckt hat und meinen Glauben daran stark erschüttert, dass Toshiba mit der Serie-15-Minianlage, die qualiativ beste Anlage anbot. Die Mitsubishi halte ich schlicht für besser. Die Endstufe leistet 2 mal 70 Watt sinus an 8 Ohm bei extrem niedrigem Klirrfaktor, der Vorverstärker bietet extrem viele Anschlussmöglichkeiten für einen Mini. Den Tuner und das Kassettendeck hatte ich leider noch nie in der Hand. Die Dinger sind leider selten, was sehr schade ist.

Die Endstufe spielte nur auf einem Kanal, die Ursache dafür war mit den Augen zu finden: da war die Platine angebrochen und eine Leiterbahn durchgerissen. War aber ganz gut unter den Kabeln versteckt.

Zusätzlich fanden sich aber noch etliche Verätzungen auf der Platine, die durch die Löcher (mittig im Bild eines davon) gekommen war: die großen Siebelkos waren ausgelaufen.

Hier sind die Übeltäter schon ausgelötet und man kann die Sollbruchstellen genau in der Mitte sehen, auf beiden schon aufgeplatzt – rechts nur leicht, links schon kräftig. Das Helle am Rand ist nur Klebstoff, mit denen die Elkos an den Platinen im Werk   angeklebt werden (damit sie beim Einlöten im Wellenlötbad nicht umfallen können).

Ersatz dafür war rasch gefunden, die neuen Elkos sind trotz höherer Kapazität und deutlich höherer Spannung doch um einiges kleiner. In einer Mini-Endstufe hätte man niemals zwei 20.000µF-Siebelkos mit 55V vermutet, ersetzt wurden sie nun durch zwei 22.000µF in 80V . Beide haben snap-in-Befestigung mit 5 Pins.

Auf der einen Seite war bereits die Leiterbahn um rund 8mm Strecke unterbrochen.

Das wurde mit einem kräftigen Draht geflickt, die neuen Elkos sind hier im Bild bereits wieder eingelötet.

Auch die Platinenunterbrechung vom Endstufenausgang wurde in gleicher Manier geflickt.

Die Endstufe ist mit seltenen TO3-Transistoren des Herstellers Fujitsu bestückt, diese können 12A/120V/120W und haben eine Transitfrequenz von 45 MHz.

Der 250VA-Netztrafo ist in einer schwarzen Blechkiste untergebracht, die über der Platine schwebt. So sieht die Endstufe M-A01 im Ganzen von oben aus.

Von unten die Hauptplatine, rechts und links die großen Kühlkörper.

Der interessante Vorverstärker kann sehr gut zerlegt werden, wie auf dem Foto gut zu sehen ist.

Hier wurde das Ausgangsrelais erneuert, weil es schon stark gammelte. Zudem wurden die Lampen erneuert. Auch alle Schalter und das Poti wurden gereinigt. Hier ein Blick von oben in den offenen Vorverstärker M-P01.

Von unten ein ähnliches Bild, die Platinen liegen übereinander, wie ein Sandwich, die Bauteile in der Mitte dazwischen.

Nun ein erster Blick auf die beiden Geräte von aussen. Oben die Endstufe, unten der Vorverstärker. Wegen der Abwärme gehört eine Endstufe stets nach oben.

Hier in der Frontansicht, bis auf den geteilten Lautstärkesteller (wegen der Balance) kommt der Vorverstärker ganz ohne Drehsteller aus – auch selten. Das „Kühlblech“ vorne an der Endstufe ist jedoch Atrappe und aus schwarzem Kunststoff.

Am Vorverstärker ist die Beleuchtung wirklich ein Hingucker.

In den klarsichtigen Tasten sind Lampen untergebracht, die die jeweilige Funktion anzeigen. Orange für Stereo, grün für den gewählten Eingang.

Die Klangstellung kann in 2dB-Schritten mit Drucktasten gewählt werden, der Knopf in der Mitte, wenn er grün leuchtet, neutralisiert die Klangstellung.

Die gewählten Stufen werden mit roten LED’s angezeigt, der Knopf +/- entscheidung über Anhebung oder Absenkung. Hier: Bässe +6dB, Höhen -6dB.

Der Eingangswahlschalter bietet bereits einen eingebauten Vor-Vor-Verstärker und damit sowohl MM als auch leisen MC-Systemen einen Anschluss. Daneben gibt es sogar noch zwei Tape-Anschlüsse, zusätzlich zu Tuner und Aux. Beachtlich für einen Mini.

Die Endstufe hat LED-Bänder für die Leistungsanzeige.

Es können zwei Paar Lautsprecher angeschlossen werden.

Die Phono-Anschlussbuchsen wurden gar vergoldet.

Insgesamt eine äußerst beachtliche Mini-Anlage mit 27 cm Breite, die klanglich Ihren großen Brüdern und Schwestern in absolut nichts nachsteht.

Ein Kommentar für “Mitsubishis Mini-Anlage von 1978!

  1. Man könnte durchaus das Uher Miniset von 1978 als weltweite erste Mini-Anlage betrachten, vgl. http://www.radiomuseum.org/r/uher_hifi_miniset.html
    Auch aus Deutschland kamen interessante Entwicklungen! Speziell der CR240 Cassettenrecorder war hochinnovativ und von sehr guter Qualität.
    Ich hatte das Vergnügen Ende der 70er Jahre als Praktikant in den Uher Werken München tätig zu sein. Ein recht interessantes interessantes Unternehmen mit sehr engagierten Mitarbeitern, das leider chronisch unterfinanziert war.
    Liebe Grüße aus München

    Lieber Walter,
    diese frühe Mini-Anlage war aber ebenfalls aus Japan importiert, mit Ausnahme des Kassettendecks CR-240, das wirklich in München produziert wurde. Mir ist aber leider nicht bekannt, welcher Hersteller dahintersteckte. Es könnte aber durchaus auch Mitsubishi gewesen sein, die haben auch die ITT-Schaub-Lorenz 80er-Anlagen produziert. Beste Grüße Armin

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.