Nakamichi 700 Tritracer

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Das war eine Reparatur, die sehr viel Zeit in Anspruch genommen hat – etwa eineinhalb Arbeitstage. Die Mechanik dieses Kassettendecks kann einen anfangs in den Wahnsinn treiben, nach mehrmaligem zerlegen und wieder zusammenbauen jedoch verliert es sämtliche Schrecken und kommt einem recht servicefreundlich vor – man muss eben nur einmal alles verstanden haben. Es war mein erstes Deck dieser Sorte und diese Boliden sind mehr als selten!
Das Nakamichi 700 wurde 1973 auf den (japanischen) Markt gebracht, was einem angesichts dieses Gerätes als schier unglaublich vorkommt. Kassettendecks, damals ohnehin noch nicht so der Renner, sahen in aller Regel so aus:

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Toplader mit Hammertasten und Zweikopfbestückung mit Einmotoren-Laufwerk. Das war die Regel. Vereinzelt tauchten auch schon Geräte mit Dreikopf-Bestückung auf. Nakamichi wagte hier (und mit dem größeren Bruder 1000 TriTracer) den Schritt in die wirkliche Hifi-Welt und packte bereits alles, was sie konnten (und das war wirklich nicht wenig) in die Technik dieser beiden Geräte, die deswegen auch einen astronomisch hohen Preis kosteten. Die Firma ELAC in Kiel übernahm in Deutschland 1974 den Vertrieb und verlangte den Gegenwert eines Kleinwagens für so ein Deck. Dies fand natürlich nicht all zu viele Käufer, so dass diese Geräte wirklich selten zu finden sind. Bruno, der Gestalter dieser Webseite, hatte das Glück eine solche Rarität zu bekommen.
Die Ausstattung des Decks ist gigantisch, jedenfalls für 1973. Hier werden Doppelcapstan-Antrieb (ich wusste damals noch gar nicht, dass es so etwas gibt!), drei einzelne Köpfe (Ein Wunder, dass man die an einem Kassettendeck unterbringen kann!), einen von außen verstellbaren Aufnahmekopf mit zwei Leuchtdioden zur „Korrekt“-Anzeige, ein senkrecht betriebenes Kassettendeck (!), ein eingebauter Testtongenerator, elektronische Tipptasten für die Laufwerksteuerung und eine stufenlose Geschwindigkeitseinstellung (+/- 6%). Ich habe diese Geräte damals im Schaufenster gesehen und habe definitiv nicht begriffen, was da schon geboten wurde und hielt deswegen den Preis für maßlos überzogen. Aus heutiger Sicht ganz falsch.
Vorweg mal ein Foto des Gerätes, damit man sieht, worüber hier geschrieben wird:

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Das Laufwerk ist so groß und stabil gebaut, dass man denkt, es handelt sich um ein Spulentonbandgerät. Das Gesamtgerät wiegt knapp 13 kg, schon beachtlich für ein Kassettendeck. Die Laufwerksüberholung war schon zeitraubend, denn der Antrieb fällt völlig aus dem Rahmen: das Laufwerk verfügt über einen Capstan- und einen Wickel-Motor, wobei der Wickelmotor jedoch nur bei schnellem Vor- und Rücklauf genutzt wird. Bei PLAY wickelt der Capstan-Motor mit einer zweiten getrennten Mechanik. Beide Idlergummis wurden erneuert.

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Hier wird gerade die Höhe der linken Andruckrolle/Bandführung eingestellt.

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Hier wird gerade die Tonkopfhöhe eingestellt.

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Dies ist ein Blick in das Laufwerk mit den neuen Riemen. Links die beiden Motore: oben Capstan, unten Wickel. In der Mitte die Wickel-Mechanik für die Bandteller. Von beiden Motoren wechselseitig angetrieben!

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Das ist der Capstanmotor mit dem frisch gereinigten Pulley.

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Das ist die Wickelmechanik, oben der Capstanmotor-Antrieb, unten der Wickelmotor-Antrieb. Alle Riemen sind neu.

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Ein wundervolles Detail: alle Hubmagneten sind mit solchen mechanischen Dämpfern ausgestattet, dadurch erfolgt ein seidenweiches Anheben der Tonköpfe, sensationell, wie das nach über 40 Jahren noch funktioniert!

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So schaut das Gerät in seiner ganzen Pracht aus.

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Hier sind beide Klappen geöffnet, links das Kassettenfach, rechts das für die Geschwindigkeitseinstellung (nur bei Wiedergabe) und die Aufnahmekopf-Verstellung. Dieser soll exakt parallel zum Wiedergabekopf stehen.

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Zum exakten Einstellen startet man eine Aufnahme mit dem oben abgebildeten Testtongenerator, nun wird mit dem silbernen Knopf gedreht bis beide roten Leuchtdioden flackern. Eigentlich ganz einfach.

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Hier sieht man alle drei Köpfe: in der Mitte der große Wiedergabekopf, rechts daneben der Aufnahmekopf und ganz rechts, noch rechts von der Gummiandruckrolle, der Löschkopf.

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Das sind die beleuchteten Tipptasten für die Steuerung des Laufwerks. Eine ganz leichte Berührung von einer der Tasten genügt und schon geht es los.

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Das sind die beleuchteten VU-Meter, mit einem Anzeigeumfang, wie ihn die Welt, damals noch nicht gesehen hatte!

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Im Gerät integriert ist ein Mischer, für Mikrofone und Line, zusätzlich gibt es noch einen Ausgangspegelsteller.

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Das Anschlussfeld, in DIN, Klinke und Cinch. Ein schaltbares MPX-Filter für Tuneraufnahmen ist ebenfalls vorhanden. Und einen Fernbedienanschluss gab es auch noch.

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Abschließend möchte ich über diese Ausnahmedeck sagen, dass es mich erstaunt hat, dass es nach einer Einmessung hinterband so gut klingt, dass man es von vorband kaum unterscheiden kann. Für ein 42 Jahre altes Kassettendeck einfach unglaublich.
Es gab übrigens noch ein 700MKII mit einem größeren Ausschnitt in der Kassettenfachklappe, welches etliche Veränderungen gegenüber dem 700 aufweist, auch in der Laufwerksmechanik. Noch später kam dann ein 700ZXL heraus, was aber ein ganz anderes Gerät war.

Bruno möchte ich zu diesem Gerät beglückwünschen – so etwas bekommt man kein zweites Mal!

4 Kommentare für “Nakamichi 700 Tritracer

  1. Boah was für ein Hammer-Deck !!!
    Ein solches Laufwerk habe ich bisher noch nicht gesehen, alles aus Metall und komplett ohne Kunststoff, Wahnsinn.

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