Nikko TRM-600 - ein kleiner Verstärker einer verkannten Marke

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Die Marke Nikko ist in der Hifi-Welt an sich bekannt,  jedoch weiß kaum jemand etwas Näheres über diesen Hersteller. Geräte tauchen nicht so häufig auf, wie die anderer, größerer Hersteller – jedoch verdient diese Marke es durchaus einmal näher betrachtet zu werden.

Die Nikko Electric Works wurde 1948 als Hersteller von elektrischen Komponenten und Kommunikationsanlagen gegründet und ist bis heute in diesem Marksegment noch tätig. Der Schwiegersohn des Firmengründers war ein Hifi-Enthusiast und konnte seinen Schwiegervater überreden, hochwertige Hifi-Anlagen zu entwickeln und diese dann zu verkaufen. Leider war das verkäuferische Geschick des Schwiegersohnes nicht annähernd so gut wie das technische, weshalb die Geräte zwar sehr gut waren, jedoch mit dem mageren Verkauf kaum Einnahmen zu verzeichnen waren. Man sah das Fortbestehen der Audio-Abteilung darin, sehr viel billigere Geräte anzubieten, um daurch kommerzielle Erfolge zu erreichen. So haftet der Marke Nikko häufig noch immer der Ruf an, nur Billigware produziert zu haben. Beispielsweise verkaufte die Firma Neckermann in seinem Versandkatalog einige Nikko Geräte. Man baute Hifi noch bis Anfang der 1990er Jahre mit mittlerem Erfolg. Ab Ende der 1970er Jahre kamen dann auch wieder die hochpreisigen Geräte ins Programm, denen man dann Bezeichnungen nach dem griechischen Alphabeth gab: Alfa-, Beta- und Gamma-Serie. Vor- und Endverstärker in beeindruckender Qualität, aber heute allgemein recht unbekannt. Mitte der 1990er Jahre sah es dann  finanziell schlecht aus – es war die so genannte zweite Dollarkrise (der Dollar war so schwach, dass man in Japan kaum noch Einnahmen hatte, da alle internationalen Geschäfte auf Dollarbasis abgewickelt wurden). Der Chefmanager wollte daher die Audio-Abteilung einfach dicht machen und die Leute entlassen (bis dahin in Japan undenkbar), wogegen sich die bedrohte Belegschaft mit Ihren zuvor als Boni erhaltenen Aktien wehrte und damit mehr als 10% der Aktien besaß und ein Veto einlegten. Dadurch geriet die Firma Nikko unter Insolvenzbedrohung, obwohl es der Gesamtfirma ja gut ging, nur der ausgelagerten Hifi-Abteilung nicht. Es kam jedoch nur eine Verzögerung dabei heraus – die Hifi-Abteilung von Nikko verschwand, der Konzern blieb. Die Hifi-Abteilung wurde in die USA verkauft und dort noch weitergeführt, allerdings stellte man nichts her, sondern vertrieb lediglich Fernseher, Videorecorder und kleinere Kompaktanlagen unter diesem Namen. Später dann auch elektrisches Spielzeug – hat aber mit dem Hersteller in Japan absolut nichts zu tun.

1971 erschien die Hifi-Marke auch in Deutschland, der Vertrieb wurde durch Hans Schäfer (HANSA) erledigt, durch das altbackene Design der seinerzeit angebotenen Geräte blieb ein wirklicher Erfolg aus. Einige Jahre später übernahm den Vertrieb  der erfolgreiche Importeur Transonic Intermarket in Hamburg, der schon Marken wie Denon, B&O, Rotel, Nakamichi und Strato vertrieb. Da lief der Verkauf schon besser, da Transonic in der Hifi-Branche recht gut vernetzt war. Um 1978 herum gründete Nikko eine eigene Niederlassung in Hamburg, die ASTI-Nikko Vertriebsgesellschaft und bot mittlerweile ein komplettes Hifi-Vollsortiment an, welches von preiswertem Brot- und Butter-Hifi bis hin zu absolutem High-End umfasste. In dem Katalog von 1979 kann man sich mal umschauen, was diese recht unbekannte Marke so auf die Beine stellte – so mancher wird es kaum, für möglich halten!

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Der heute vorgestellte Verstärker stammt von 1975 und wurde nicht über Transonic vertrieben, sondern über Neckermann. Der Unterschied war auf der Rückseite sofort daran zu erkennen, dass sämtliche Anschlüsse nach DIN-Norm ausgeführt waren. Das hatte das Versandhaus so gewünscht, denn man sollte dort die anderen Geräte der hauseigenen Marke „Palladium“ anschließen können – ohne Adapter!

Dieses Exemplar hat all die Zeit wohlbehütet überlebt und gelangte kürzlich in die Hände seines jetzigen Besitzers, der diesen kleinen Verstärker sehr mag. Nachdem er ihn zugeschickt bekam, schloss er ihn an und sofort brannten die Endstufensicherungen durch. Im Inneren des Gerätes fand er Einzelteile eines Trimmerpotis – so kam das Gerät zu uns. Es handelte sich um das Trimmerpoti zum Einstellen des Ruhestroms – ohne den Schleifer fließt der maximale Ruhstrom – deshalb brannten die Sicherungen durch. Also erstmal beide Potis ausgebaut und durch neue ersetzt. Hier die alten, ausgebauten Potis, links der zerfallene, rechts der intakte, aber schon  gut korrodierte.

Nach dem Ersatz der Trimmer und der Sicherungen habe ich den Verstärker vorsichtig mit dem Trenntrafo hochgedreht und siehe da – er hatte sonst keinen Schaden genommen. Die Endtransistoren von NEC können Ströme bis zu 7A verarbeiten, die Sicherungen haben jedoch nur 4A – so soll es sein. Alles heil geblieben.

Die Kondensatoren in diesem Modell sind leider von nicht so guter Qualität (Hersteller Marcon), da hat man wohl ein wenig gespart, daher erhielt der kleine Verstärker eine Elkokur mit Nichicon fine gold-Elkos. Unten sind die neuen Ruhestromtrimmer und neue Elkos auf der Endstufenplatinen zu sehen.

Der Verstärker leistet 2 mal 30 Watt sinus an 8 Ohm, für den Hausgebrauch absolut ausreichend. Die neuen Trimmer aus der Nähe:

Zum reinigen der Schalter und Potis wurde der Verstärker völlig zerlegt, man kommt recht gut überall heran.

Auch die übrigen Platinen wurden mit neuen Elkos bestückt und sorgfältig nachgelötet.

Die Übersicht von oben: oben links der Netztrafo, rechts daneben der Endstufenblock, unter dem Netztrafo die beiden großen Siebelkos (jeweils 6.800µF), rechts daneben (hochkant stehend) der Phonovorverstärker und daneben rechts der Vorverstärker, ganz rechts der zumischbare Mikrofonverstärker.

Auch dort überall neue Elkos.

Von unten kann man den hochbelastbaren Gleichrichter in TO3-Bauform neben den Siebelkos erkennen, da er auf einem Kühblech montiert ist. Für ein Gerät dieser Preisklasse (398,- DM) wirklich bemerkenswert solide gemacht!

Von aussen gibt es ein schwarz foliertes Holzgehäuse und eine silberne Front in klassischer Gestaltung. Keine Schnörkel, keine Eigenheiten – klare Formen.

Übersichtlich sind alle Bedienelemente angeordnet, auch ohne Bedienungsanleitung kommt hier jeder klar.

Zwei schaltbare Gruppen Lautsprecher, Bässe, Höhen Balance, unten ein/aus mit Lichtanzeige, Rausch- und Rumpelfilter, Muting- und Mono-Schalter.

Auf der rechten Seite der Eingangswahlschalter mit zweimal Phono und Überspielmöglichkeit von zwei Tapes, daneben der Lautstärkesteller. Unten der Wahlschalter für die Überspielrichtung , welcher gleichzeitig auch der Tape-Monitor-Schalter ist, der Knopf für mögliche 4-Kanal-Wiedergabe (nur mit Zusatzgerät), Loudnesskorrektur und der Knopf für das zumischbare Mikrofon. Riesenaustattung für diese Preisklasse!

Auch eine Beschriftung in deutsch wollte der Neckermann-Konzern für seine Kunden, die 1975 noch nicht so international dachten. Alles strahlt und glänzt wieder!

Hinten, wie bereits erwähnt, alles in DIN genormt – international gab es den TRM-600 natürlich auch mit Cinch-Buchsen und Lautsprecherklemmanschlüssen.

Eine Besonderheit der Marke Nikko waren Sicherungsautomaten in den Lautsprecherausgängen und als primäre Netzsicherung. Erstaunlich.

Auch die Lautsprcheranschlüsse sind der DIN-Norm entsprechend ausgeführt.

Die DIN-Buchsen für die Quellgeräte, ganz rechts (leider nicht im Bild) finden sich noch zwei Buchsen für den Anschluss eines 4-Kanal-Adapters, mit dessen Hilfe man sogar Quadrofoniewiedergabe erreichen konnte.

Insgesamt ist dieser kleine Verstärker, angeblich aus dem Billigesegment, was jedoch auf den damaligen Anschaffungspreis durchaus zutraf, ein deutlich höherwertiges Gerät, als es auf den ersten Blick erscheinen lässt. Mit den gereinigten Schaltern und den neuen Kondensatoren klingt der Bursche verblüffend gut!

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