Pioneer A-27 - ein highend-Vollverstärker von 1978

sind hier: Home » Gerätevorstellungen » Pioneer A-27 – ein highend-Vollverstärker von 1978

Pioneer war einer der größten Hifi-Hersteller aller Zeiten. Im Prinzip hatte diese Marke mit dem PCS-5A von 1962 die erste „richtige“ Stereoanlage hergestellt. Das Neue und gleichzeitig Bahnbrechende daran war, dass die Boxen eigenständige Elemente waren, Receiver und Plattenspieler waren in einem Regal untergebracht.

(Bild von der Seite www.hifi-studio.de)

Mitte der 1970er Jahre war Pioneer der größte Lautsprecherhersteller der Welt und auch eine der größten Hifi-Anbieter. Viele Geräte aus diesen Jahren haben auch heute noch einen ausgezeichneten Ruf. Der erste Vollverstärker, der es mit den damaligen absoluten Spitzengeräten aufnehmen konnte, war der hier vorgestellte A-27 (der in Japan übrigens A-0012 hieß) von 1978.  Er stand in der Hierarchie noch über dem SA-9900, der eigentlich der größte und teuerste Vollverstärker im Pioneer-Angebot war. Es gab zwar etliche Endstufen und Vorverstärker bei Pioneer, die eindeutig in der absoluten Spitzenklasse zu Hause waren, da wären die SPEC- und die Exclusiv-Serien zu nennen, aber der A-27 ist und bleibt ein Aussenseiter, der zudem so selten auftaucht, dass er es immer wieder verdient ausführlich gezeigt zu werden.

Heute ist Pioneer kein Hifi-Hersteller mehr, sondern hat seine Hifi-Sparte kürzlich an Onkyo verkauft – wirklich schade!

Bei diesem Exemplar sollten auf Wunsch des Besitzers alle Schalter und Potis gründlich gereinigt werden und alle Elkos, sowie andere Verschleißteile erneuert werden. Wir haben das getan und es war ein wirklich umfangreiches Vorhaben. Glücklicherweise lassen sich einige Platinen komplett herausnehmen und bearbeiten, hier im Bild die Netzteil-Platine.

Die Schalter und Potis wurden in mittlerweile bekannter Manier zerlegt und gereinigt, links vorher, rechts nachher (na ja, das sieht man ja wohl).

Hier steckt die Netzteilplatine bereits wieder an Ort und Stelle, an der Front befinden sich vier größere Platinen mit etlichen Bedienelementen darauf.

Um an diese gut heran zu kommen, wurde die Front vollständig entfernt.

Die Drehschalter auf der Vorderseite…

…und auf der Rückseite. Eine Reinigung nach 39 Jahren war dann wohl mal fällig.

Hier ist nun die Front wieder komplett zusammengebaut. Noch sind die originalen Siebelkos drin.

Dies ist die Phono-Vorverstärker-Platine, auch hier wurde etliches erneuert.

So sieht der gesamte Verstärker von unten aus.

Das gleiche von oben, mittlerweile sind auch die Abschirmbleche wieder eingebaut und die vier großen Siebelkos erneuert. Das Netzteil ist natürlich in Doppel-Mono-Technik aufgebaut.

Die haben schon eine eindrucksvolle Größe – jetzt 27.000µF in 100 V.

Der Verstärker ist von aussen eher ein absoluter underdog, trotz seiner 26 kg. Er leistet zwei mal 120 Watt sinus an 8 Ohm, wobei bis zu zwei mal 30 Watt im reinen Class-A-Betrieb verstärkt wird, darüber geht die Endstufe in den Class-B-Betrieb über.

Die Front ist wirklich klassisch gestaltet und sehr zurückhaltend – meines Erachtens der Zeit weit voraus. Der bekannte Pioneer-Sammler und Experte Siamac aus Gaggenau bezeichnet den A-27 als Meilenstein der Hifi-Geschichte!

Besonders die Rauchglas-Klappe an der Unterseite fällt ins Auge.

Hier wurde eben diese Klappe geöffnet, dann  kommt man an die vielen Einstellmöglichkeiten heran.

Dort befinden sind der Lautsprecherwahlschalter, je zwei Bass- und Höhensteller mit unterschiedlichen Einsatzfrequenzen, Balance, Mono-Stereo-Umschalter, ein Überspielselektor sowie zwei Schalter für Impedanz und Kapzität der Phonoeingänge. Eindrucksvoll!

Oben finden sich Umschalter für Phono MM und MC (1978 absolut keine Selbstverständlichkeit!),  Tape-Monitor für zwei Tapes, den großen Eingangswahlschalter und den noch größeren Volume-Knopf.

Diese mattsilbernen Knöpfe auf der vornehm wirkenden Frontplatte beeindrucken schon ganz schön. Auch der Klang dieses Ausnahmeverstärkers ist schon etwas ganz Besonderes.

Hinten finden sich die üblichen Cinchanschlüsse mit PreOut-MainIn-Auftrennung, sowie die Lautsprecherklemmen.

Die Phono-Buchsen waren damals bereits vergoldet, die Masseklemmen wirklich vorbildlich massiv.

Die Lautsprecherklemmen am A-27 konnten bereits Bananenstecker aufnehmen, eine absolute Ausnahme zu dieser Zeit!

Hier sieht man alle Bauteile, die wir erneuert haben. Die Lautsprecherrelais waren bereits erneuert, die beiden Minirelais sitzen im Phonovorverstärker (MM/MC-Umschaltung) und auf der Lautstärke-Steller-Platine und sind leider weltweit nicht mehr erhältlich (Fujitsu 221D), weswegen wir sie stets gegen moderne vollgekapselte Minirelais ersetzen, wobei das Pinout komplett umgebaut werden muss.

Es hat schon rund zwei volle Arbeitstage gedauert – hat sich aber komplett gelohnt. Denn einen A-27 in diesem Zustand zu bekommen, dürfte nur sehr schwierig und selten gelingen. Daher Glückwunsch zu so einem Verstärker!

2 Kommentare für “Pioneer A-27 - ein highend-Vollverstärker von 1978

  1. Hallo!
    Wie lautet der Hersteller/Typ der neuen Siebelkos?
    Klasse Bericht. Dankeschön!

    Hallo Richard, das sind Nippon Chemicon
    hier
    zu haben. Passen ganz genau!
    Beste Grüße Armin

Schreibe einen Kommentar zu Richard Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.