Pioneer SA-8500II - ein Verstärker erzählt seine Geschichte

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Der Pioneer SA-8500II von 1978 ist bekannt und wurde hier auch schon vorgestellt. Dieser hier hat eine besondere Geschichte, die daher erzählt werden soll. Er hat 2 mal 60 Watt sinus an 8 Ohm und ist sowohl hübsch anzuschauen als auch gut anzuhören, denn er klingt wirklich gut.

Dieser Verstärker wurde seinerzeit von einem Gasthaus in Österreich angeschafft und versorgte die Gaststube viele, viele Jahre mit Musik. Irgendwann schloss das Gasthaus und das Gebäude wurde verkauft, wie das eben so ist. Der jetzige Besitzer kaufte zusammen mit dem Haus auch diesen Verstärker, denn der war dort einfach zurückgelassen worden. Zunächst hat der Besitzer ihn weggestellt, denn er konnte vorerst damit nichts anfangen. Kürzlich besann er sich aber wieder dieses Verstärkers und kramte ihn wieder hervor und beschloss, ihn künftig in seinem Wohnzimmer zu benutzen. Also reinigte er die Front und lackierte den Deckel in weiss (passte besser ins Wohnzimmer), kaufte sich sogar einen passenden Tuner dazu (TX-9500II) und auch passende weisse Boxen und wollte sich freuen. Aber nach fünf Minuten der Freude kam Rauch aus dem Gerät und er stellt seinen Dienst ein. So kam er dann zu uns.

Von aussen hübsch anzusehen und auch ganz gut erhalten.

Die Front ist bis auf einen Kratzer auf der linken Seite fast makellos.

Auch hinten alles ohne Beschädigung, aber eine dicke Fettschicht überzog alles.

Kleiner Makel: die Schrauben wurden einfach mit lackiert. So etwas sieht unprofessionell aus.

Dann öffnete ich das Gerät und dachte nur „Ach, du Schei…e!“ , denn ein Gerät in diesem Zustand hatte ich bisher noch nie auf dem Tisch – in über 30 Jahren nicht!

Fettschichten, Rost und Dreck – überall!

Besonders „nett“ sind diese Fettansammlungen!

Das sieht nach mehrjährigem Exil im Keller aus.

 

So präsentierte sich der Verstärker im ganzen vor der Bearbeitung, man mochte wirklich nichts anfassen, denn man blieb gleich kleben.

Die Kamera kann die Eindrücke nicht wirklich komplett einfangen.

Aber man ahnt wohl schon, wie der im Inneren aussah.

Hier mal ein paar Schalter und Potis aus der Nähe.

Oder hier.

Unten zwischen den Trafos hatte  zusätzlich der Rostbefall zugeschlagen.

Zunächst wurde die Ursache der Rauchentwicklung instandgesetzt, da hatte sich eine der vier Gleichrichterdioden in einem der beiden Netzteile verabschiedet. Der Pioneer SA-8500II hat Doppel-Mono-Stromversorgungen. Es wurden alle vier Dioden des einen Quartetts erneuert. Dann funktionierte das Gerät wieder, aber die Schutzschaltung öffnete leider nicht. Gleichspannung auf beiden Kanälen. Auch dies wurde instandgesetzt, rechts ein neuer Transistor, links ein Keramik-Kondensator, der geplatzt war. Zusätzlich wurden noch alle maroden Elkos in beiden Endstufen erneuert und dann  begann die fast endlose Reinigungsarie, die sich über fast drei komplette Arbeisttage hinweg fortsetzte.

So schaut das doch schon wieder besser aus, oder?

Dieses Blech hält die Endstufenplatine.

So hat es 1978 ausgesehen und jetzt auch wieder.

Die gesamte Front wurde demontiert und gereinigt: das obere Teil bereits gereinigt, das untere noch ungereinigt.

So sah das Volumepoti aus.

Das sind die Tape-Schalter – es bedarf wohl keiner Erwähnung, dass diese Schalter kaum noch Signal durchließen und beim Betätigen sehr laute Geräusche in den Lautsprechern verursachen.

Dieselben Schalter von hinten – gruselig.

Nachdem jedes Teil ausgelötet, zerlegt, gereinigt und versiegelt war und dann wieder eingebaut – da sah das alles doch schon wieder zivilisiert aus. Auch das Lautsprecherrelais (links im Bild) wurde erneuert.

Das ist der Tonschalter von unten…

…und von der anderen Seite. Händewaschen alle 10 Minuten war unumgänglich.

Nach der kompletten Reinigung (innen und aussen) konnte er wieder zurück an seinen Platz.

Hier ist nun wieder alles zusammengebaut. Die Power-Lampe vorne links wurde auch erneuert.

Auf den Platinen wurden beinahe alle Elkos erneuert und auch die Platinen wurden auf beiden Seiten gründlich gereinigt.

Das war der Augenblick, in dem der Verstärker das erste Mal aufspielen durfte – und er klang wieder richtig gut.

Auch da unten zwischen den Trafos sieht es wieder manierlich aus.

Dann wurde alles wieder zusammen gebaut und er kam auf den Tresen zum fotografieren. Die seitlichen Gehäuseschrauben sind nun neu und in silber.

Jetzt hält das Innenleben auch das, was das Äussere verspricht.

Hier leuchtet die neue Power-Lampe. Oben links die einzige größere Schramme die der Verstärker hat.

Kennzeichen dieser Baureihe war eindeutig der große Knopf für die Lautstärke.

Auch die Rückseite wurde gereinigt – und der Verstärker funktioniert tatsächlich wieder wie neu.

P.S. Der Bericht wurde in dieser Woche um drei Tage verspätet erstellt, da ich am Wochenende im Rundfunkmuseum Fürth war (auf dem ehemaligen Grundig-Werksgelände) auf einer Veranstaltung, die sich „Wenn Hören wieder zum Erlebnis wird“ nannte und von der Initiative für Radio- und Hifi-Kultur veranstaltet wurde. Es war recht interessant, zumal einige bekannte Unternehmen unserer Branche dort zugegen waren. Ich bitte also um Verständnis.

 

 

Ein Kommentar für “Pioneer SA-8500II - ein Verstärker erzählt seine Geschichte

  1. Hallo Armin,
    sehr schön gemacht, wie eigentlich immer. .-))

    Was mich mal interessiert, ist z.B. dieses: Du schreibst, dass die Reinigung dieses sehr versifften Gerätes schon 3 Tage in Anspruch genommen hat. . . .glaube ich gerne. Aber ist denn das noch bezahlbar, bzw. wäre es da nicht schlauer, besser gleich ein gut erhaltenes Gerät zu kaufen?
    Gruß Thomas

    Rein materiell wäre es hart an der Grenze gewesen (die Gesamtkosten mit Maßkarton und doppeltem Versand nach Österreich lagen bei knapp 650 Euro). Aber ein gut erhaltener SA-8500II kostet auch 400-500 und müsste dann auch komplett überholt werden – also mindestens genauso teuer. Zudem hängt man irgendwie schon an diesem Exemplar, wenn schon so lange zurückliegende Erinnerungen daran hängen…
    Beste Grüße Armin

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