Potentiometer kratzt - was tun?

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Das Problem kennt wohl jeder, das Poti macht krachende Geräusche im Lautsprecher, sobald man es bewegt. Dreht man ein paar mal hin und her geht es zwar wieder, aber es kommt später immer wieder. Viele Bastler, aber auch Profitechniker sprühen dann Kontaktreiniger hinein, die das Problem dann mittelfristig beheben. Aber auch da kommt das Kratzen wieder, meist nach einigen Wochen, spätestens aber nach einigen Monaten. Die Kontaktreiniger haben leider eine unangenehme Nebenwirkung – sie spülen die Kohlebeschichtung der Schleiferbahn ab, wodurch man sich langfristig erheblich größere Probleme einhandelt, bis hin zur Zerstörung des Potis.

Was passiert eigentlich im Poti wenn es so kratzt? Und wie kann man es dauerhaft beseitigen?

Eines sei vorweg geschickt, weswegen wir das hier bisher noch nie so ausführlich gezeigt haben: wenn man nicht sehr geschickt ist und Einiges an Erfahrung in der Feinmechanik mitbringt, dann kann das das endgültige Aus für das Poti bedeuten und wenn man keinen Ersatz mehr bekommt, dann ist das der Supergau! Also vielleicht erst mal an Wegwerf-Potis üben, bis man es kann.

Als Vorzeigeobjekt haben wir hier ein Doppelpoti (also stereo) der Marke Alps verwendet, so oder ähnlich sehen sehr viele Potis aus. Als erstes muss das Poti ausgebaut und ausgelötet werden, so wie oben abgebildet.

Biegt man die Laschen vorsichtig nach außen (nicht über die Gerade hinaus biegen, sonst bricht das Material), dann kann man den hinteren Deckel abnehmen. Nimmt den ab, schaut man auf einen Ring, der nicht bei allen Potis vorhanden ist. Dieser Ring greift mit seiner Ausbuchtung oben im Bild in die Zwischenräume von Rippen, die sich an der hinteren Abdeckung befinden. Das sorgt für eine „Rastung“ des Einstellwinkels, manchmal in Stufen, manchmal auch nur eine Raste in  der Mitte (Balance- und Klangsteller). Das ist eine rein mechanische Geschichte und hat mit den elektrischen Eigenschaften des Potis gar nichts zu tun.

In der Mitte guckt die Achse des Potis (aus Aluminium) heraus und wurde bei der Herstellung von einer Maschine unter Druck gequetscht und aufgebördelt, so dass die Achse am Ende wie ein Niet wirkt.

Diesen Achsstummel kann man nur öffnen, indem man ihn ausbohrt. Auch das muss mit großer Vorsicht erfolgen, denn der Achsstummel muss in jedem Fall erhalten bleiben. Den Ring für die Rasten kann man nun abnehmen.

Hier sind der hintere Deckel und der gerade abgenommene Ring zu sehen. Das Fett dient dazu, dass die Teile leicht aneinander gleiten, es soll ja nicht schwer gehen.

Nun können alle Einzelteile der beiden Potis nach hinten abgezogen werden. Man merke sich die Reihenfolge genau.

Dies ist eine der beiden Schleiferbahnen, in der Mitte sieht einen weiteren Doppelschleifer, der ein wenig wie ein Geweih aussieht. Diese Kontakte verursachen das Kratzen und Krachen, es entsteht nicht auf der Kohlebahn!

Das ist der Schleifring dazu, die drei Kontakte auf der rechten Seite schleifen über die Kohlebahn, in der Mitte sieht man einen Ring, der das „Geweih“ im oberen Bild in zusammengebautem Zustand berührt. Auf diesem Ring entstehen unsere Störgeräusche, da hier Metall auf Metall schleift und das ganze korrodieren kann. Ist das passiert, dann hört man es krachen und kratzen. Die Korrosion ist auf dem Bild oben ganz gut zu erkennen.

Hier der zweite Schleifer, der sieht auch nicht besser aus.

Hier die zweite Kohlebahn mit dem zweiten „Geweih“.

So sollte das nach dem Reinigen aussehen. Wir verwenden zum Reinigen Metallpolitur und Lederstäbchen und polieren anschließend mit Leinenstäbchen.

Beim zweiten Schleifer wird genauso verfahren.

Hier ist nun alles schön sauber.

Damit es nicht wieder so schnell korrodiert und damit es schön sanft gleitet, werden die frische gereinigten Schleifer und Schleiferbahnen gefettet (spezielles Kontaktfett von Electrolube, welches keine Kunststoffe angreift!)

Nun kann der Zusammenbau in Angriff genommen werden. Hierzu ist es förderlich, die Kanten des hinteren Achsstummels, den wir zuvor ausgebohrt hatten, mit einer Feile vorsichtig an den Kanten zu entgraten, damit die hintere Schleiferplatte wieder problemlos aufgesetzt werden kann.

Ebenso kann man sich an dieser Stelle mit dem Bremsfett der Achse beschäftigen. Dieses sorgt dafür, dass sich die Achse schön sanft bewegt, nicht zu leicht und nicht schwergängig. Geht es zu leicht, ist das Bremsfett schon (meist von Kontaktsprayanwendungen!) ausgespült worden. Geht es zu schwer, ist das Bremsfett verharzt und sollte erst gereinigt, dann mit frischem Bremsfett wieder aufgefüllt werden.

Nun kann die Achse wieder in die Durchführung gesteckt werden und durch mehrmaliges Hin- und Herdrehen das Fett verteilt werden.

Dann kommen die vordere Kohlebahn mit dem (gereinigten) Geweih und der vordere Schleifer auf die Achse und der vordere Deckel kann wieder aufgesetzt und verlascht werden.

Dann folgen die hintere Kohlebahn und der hintere Schleifer auf die Achse.

Das Ganze wird zusammengehalten, indem der Schleifer für die Rasterung wieder aufgesetzt wird und nun muss der aufgebohrte Niet ersetzt werden. Wir bohren daher in die Achse zuvor ein 1,5 mm Loch (genau in die Mitte und parallel zur Achse!) und drehen dann eine 1,7mm Schraube hinein. In Ermangelung einer passenden Scheibe haben wir an dieser Stelle ein kleines Stückchen Blech genommen, ebenfalls mit einem 1,5mm Loch versehen. Am Ende kann dann der hintere Deckel wieder aufgesetzt und verlascht werden. Dann, hat man alles  richtig gemacht, funktioniert das Poti wieder wie ein neues – völlig geräuschfrei.

Aber, wie gesagt, das ist nichts für Anfänger – und wir empfehlen daher das Nachmachen nur dann, wenn es nicht darauf ankommt, oder wenn man umfangreichere Erfahrung im Feinmechanischen hat. Also bitte keine Beschwerden, wenn es nicht geklappt haben sollte!

5 Kommentare für “Potentiometer kratzt - was tun?

  1. Danke euch beiden für diesen grossartigen Artikel. Er behandelt exakt mein Problem und Übungsmaterial habe ich auch. Jetzt habe ich wenigstens eine Vorstellung davon wie man das Teil auseinanderbekommt.

  2. Auch meinerseits einen herzlichen Dank für diese Anleitung!
    Ich frage mich nur ob ihr das kommerziell wirklich umsetzten könnt. Selbst wenn man darin geübt ist, dürfte das schnell eine Arbeitsstunde in Anspruch nehmen. Bezahlt das jemand?
    Viele können doch den Aufwand dahinter gar nicht richtig einschätzen.

    Schön, dass das jemand auch mal so sieht. Meistens werden wir nur gefragt, warum eine Überholung so teuer ist.
    Beste Grüße Armin

  3. Ja das ist mal wieder ein hervorragender Bericht. Was ich hier gelernt habe ist, das gar nicht die Kohleschicht kratzt sondern das „Hirschgeweih“ auf der Kontaktfläche zum Schleifer. Ist eigentlich das Bremsfett ein spezielles Fett? Wenn ich diese Berichte lese, ist mir schon klar das dieser immense Aufwand auch sein Geld kostet. Aus meiner Sicht durchaus berechtigt, da hochprofessionell.

    Als Bremsfett verwenden wir Wälzlagerfett.
    Beste Grüße Armin

  4. Christoph Milla|

    Hallo, bin von dieser Beschreibung auch sehr begeistert und kann
    gut nachvollziehen was für eine Arbeit das ist. Habe aber dennoch
    eine Frage. Im Artikel wird das Kontaktfett von Electrolube genannt.
    Gibt es eine Alternative?
    Kann ich zum Reinigen der Schleiferbahnen Sidol nehmen?

    Es gibt sicherlich ein Alternative, die kennen wir aber nicht. Sidol kann man vermutlich verwenden, probiert haben wir es nicht.
    Beste Grüße Armin

  5. Nun, wirklich die einzige Lösung: zerlegen, reinigen und ‚fetten‘.
    Ich verwende allerdings zur Reinigung mit Erfolg einen Glasfaserpinsel.
    Gruß
    Michael

    Der Glasfaserpinsel zerstört leider die Oberflächenvergütung, weshalb wir davon abraten. Besser eine sanfte Metallpolitur verwenden. Beste Grüße Armin

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