Proton P-1100 und D-1200 Vor-/Endverstärker-Kombination

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Die Marke Proton aus Taiwan kam etwa 1985 auf den europäischen Markt, nachdem sie sich bei den US-amerikanischen Hifi-Freunden schon einen sehr guten Ruf erworben hatte. Die Geräte dieser Marke verblüffen immer wieder, da hier für wenig Geld offenbar eine erstaunliche Qualität abgeliefert wird – vor allem ist man über die klanglichen Qualitäten sehr erstaunt. Dieses „Schicksal“ teilen sich die Proton-Geräte mit denen der Marken NAD und Acoustic Research – und das ist alles andere als ein Zufall! Die Fließbänder der Geräte aller drei Marken befinden sich an ein und derselben Stelle, nämlich in Taiwan bei der Firma Fulet Electronic Industrial Company, die auch einige Geräte für die Marke Rotel fertigte – alte Bekannte also.

Die hier vorgestellten Vorverstärker und Endstufe der Marke Proton stammen von 1986, in Deutschland wurde diese Marke seinerzeit von Magnat vertrieben, die ja bereits jahrzehntelange Erfahrungen im Vertrieb hatten, unter dem Namen Boyd & Haas. Das Auftreten der Marke Proton war wohl eher unglücklich (ebenso wie die Autos aus dem gleichen Konzern!), die Geräte der Marke NAD waren da wesentlich erfolgreicher, obschon unter dem Namen Proton die besseren Geräte angeboten wurden.

Der P-1100 Vorverstärker ist eine stark vereinfachte Ausgabe seines größeren Bruders AP-1000. Der war aber auch wesentlich teurer und ist daher nur äußerst selten anzutreffen. Die Stärke der Proton-Vorverstärker sind eindeutig deren Phono-Entzerrer, auch beim kleinen P-1100 mit Doppel-FETs und ICs in Kombination aufgebaut. Klanglich kann das Gerät absolut überzeugen, man glaubt es kaum.

Dass der hier kaum noch Töne von sich gab (bei Phono jedenfalls) lag an diesem Schalter hier.

Die  formschöne Taste für den Netzschalter ist von innen illuminiert, allerdings erst, nachdem eine neue Lampe eingebaut wurde.

Das Volume-Poti hatte beim Transport zum jetzigen Besitzer einen heftigen Transportschaden, wobei der Knopf zu Bruch ging und die Achse kräftig verbogen wurde. Es half nur ein neues Poti – immerhin ein hochwertiges Alps aus der RK-Serie.

Der Schalter wurde, wie bei uns üblich, gereinigt. Hier ist er noch stark korrodiert.

Hier noch besser von Nahem zu sehen.

Nach der Reinigung strahlt wieder alles.

Hier ein Bild von unten in das offene Gerät – allzu viel ist da nicht drin – wozu auch?

Das hier ist der echt aufwändige Phono-Entzerrer mit vielen Variationsmöglichkeiten.

Hier der Überblick von oben ins offene Gerät. Beide gereinigten Schalter sind wieder an ihrem angestammten Platz.

Das ist der sehr ähnliche REC-out-Selector-Schalter.

Hier ein Blick von aussen  auf dieses schlicht gestaltete, sehr flache Gerät.

Links ist der nun wieder erleuchtete Netzschalter zu sehen.

Hier aus der Nähe.

Es gibt keine Loudness-Schaltung, dafür eine lautstärkeunabhängige Bassanhebung (Bass EQ).

Der Eingangswahlschalter mit imerhin sechs Eingängen.

Auf der Rückseite die lange Reihe von Cinchbuchsen, jene für Phono und Output sogar vergoldet.

Hier das Typenschild, Proton ist also eher ein Label.

Beachtlich: die vielfältigen Einstellmöglichkeiten für Phono – Kapazität, Empfindlichkeit und MM/MC. In dieser Preisklasse (damals 448,- DM) wohl einmalig.

Die Endstufe D-1200 besitzt eine patentierte Schaltung namens Power-on-demand, was bedeutet, dass hier mit zwei unterschiedlichen Versorgungsspannungen gearbeitet wird, zwischen denen bei Bedarf umgeschaltet wird. Übrigens ungewöhnlich hoch mit plus/minus 109 Volt (große Leistung) bzw. plus/minus 56 Volt (für kleine Leistung) im Leistungsteil und plus/minus 97 Volt im Regel-/Differenzier-Teil. Die Endstufe verfügt über zwei sehr leistungsstarke Netzteile in Doppel-Mono-Schaltung. Die 15 kg schwere Endstufe leistet 2 mal 100 Watt sinus an 8 Ohm über die gesamte Bandbreite, aber kann auch mal kurzzeitig (0,5 s) über 500 Watt pro Kanal abgeben. Sie soll impedanzstabil bis herunter auf 2 Ohm sein, kommt also mit sehr komplexen Lasten zurecht.

Man findet pro Kanal drei Transistorpaare von Sanken 2SA1386A und 2SC3519A, die auf  jeweils einer Heatpipe montiert sind.

Hier der Gesamtanblick von unten.

Hier das Gleiche von oben. Ganz aussen rechts und links, oben die Trafos darunter die Siebelkos. Daneben, weiter innen, die Heatpipes, die einen geschlossenen Kühlkreislauf haben, der die Wärme sehr rasch von den Transistoren zum oben liegenden Kühlkörper transportiert.

Einer der leistungsstarken Netztransformatoren.

Die großen Siebelkos 15.000µF 120V.

Der Übeltäter für die bemängelten Tonaussetzer: das Lautsprecher-Relais.

Hier die Aussenansicht.

An der Front finden wir sehr hübsche, beleuchtete Pegelanzeigen.

Unten findet man den gleichen Netzschalter wie im Vorverstärker.

Die Meter sind, nach Austausch der verbrauchten, bereits geschwärzten Lampen nun wieder hell und gleichmäßig ausgeleuchtet. Es können 500 W an 8 Ohm angezeigt werden.

Hinten finden sich vergoldete Eingangsbuchsen und vier Polklemmen für die Lautsprecher – auch bananensteckertauglich.

Hier nochmals ganz aus der Nähe.

Abschließend möchte ich noch anmerken, dass diese Kombination mich klanglich stark beeindruckt hat. Ich würde diese Protons jederzeit einer Kombination von z.B. Onkyo oder Marantz und auch etlichen anderen durchaus vorziehen.

2 Kommentare für “Proton P-1100 und D-1200 Vor-/Endverstärker-Kombination

  1. Inwiefern ist die „Power-on-demand“ Schaltung etwas besonderes, da patentiert und so? Das liest sich für mich als Laien wie Class-H, eine Yamaha M-65 zum Beispiel arbeitet doch nach ziemlich genau dem gleichen Prinzip, wenn mich gerade nicht alles täuscht. Oder machen es hier die hohen Railspannungen?

    Ansonsten wieder ein sehr schöner Bericht, freue mich jede Woche wenn es etwas neues zu bestaunen gibt!

    Hallo Johannes,
    ich weiß auch nicht, was an der Proton-Schaltung so besonders sein soll – aber es wurde in den USA ein Patent erteilt – deshalb ging ich davon aus, dass da etwas Besonderes sein müsste. Möglicherweise weiß da jemand etwas und kommentiert es hier…
    Beste Grüße Armin

  2. Nach einer alten Werbung in der Stereoplay kam PROTON im Juli 1987 auf den deutschen Markt.
    Text: „Der Endverstärker D1200 hat das von Proton entwickelte DPD System (Dyn. Power on Demand), eine neue Technologie mit hohe Leistungsreserven, An einer 100 Watt Endstufe können z.B. kurzfristig Impulsspitzen bis zu 3600 Watt erreicht werden.
    Wollen sie mehr darüber wissen ? Ab Juli 1987 in führenden Fachgeschäften.“

    Vielen Dank für diesen Hinweis. Im Juli 1987 kam Proton mit der Dynamic Power on Demand-Technik auf den Markt, die Marke war da aber bereits vertreten.
    Beste Grüße Armin

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