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Reparatur eines Setton RS-220 Receivers

Setton Logo Diesmal auf meinem Reparaturtisch: Ein schöner (und seltener) Receiver Model RS-220 der Marke SETTON aus den späten Siebzigern.

So sieht dieser Klassiker aus:

Setton RS-220

 

Das Gerät war von dem mir bekannten Kunden bereits in gewohnter Qualität gereinigt und aufbereitet worden und sieht insgesamt recht gut aus. Einziger Fehler des Gerätes: nach dem Einschalten, flackert die Beleuchtung stark und (nachdem das Relais zugeschaltet hat) kracht es in den Boxen, exakt in dem Rhytmus, wie das Licht flackert. Hängt man die Boxen ab, kann man auch aus dem Gerät spratzende Geräusche hören.

 

Fachleute werden an dieser Beschreibung schon erkannt haben, dass hier der Netzschalter defekt ist bzw. die Kontakte verbrannt sind. Nach dem Öffnen des Setton sah ich den Übeltäter und erkannte einen alten Bekannten - diese Sorte Netzschalter sitzt auch in KENWOOD-Receivern Modelle KR-3090, 4070, 5030 und 6030. Leider ist dieser Schalter schon seit etlichen Jahren nicht mehr erhältlich und nicht ohne weiteres durch einen anderen Schalter zu ersetzen.

 

Ich habe in meiner Werkstatt noch einen Original-Schalter (zusammen mit dem Lautsprecherwahlschalter) von KENWOOD, der noch auf seinen Einsatz wartet (wenn gar nichts anderes mehr geht!). So sieht der Netzschalter von vorne (links im Bild) und hinten aus:

 

Setton RS-220   Setton RS-220

Die Achse auf der der Knopf sitzt, befindet sich unten links an der Front und schaltet das Gerät ein und aus, gleichzeitig werden in den übrigen Raststellungen die Speaker A, B, A + B oder Kopfhörer (LS aus) geschaltet. Der Netzschalter wird innen mit einer Nocke in einer Schaltstellung geöffnet (power off), ansonsten ist er immer geschlossen. Er schaltet zweipolig und ist leider nicht sehr langlebig.

Der Ausbau gestaltete sich beim Setton nicht sehr einfach, die gesamte Front mußte runter (Vorsicht: da ist die Skalenseilführung mit dran!), dann kann die Platine mit dem Schalter und den Potis für bass, treble usw. nach unten herausgeklappt werden und der Lautsprecherwahlschalter kann ausgelötet werden.

Setton RS-220

Dann kann man den Netzschalter (der graue hinten dran) mit den beiden M3-Schrauben abnehmen und die Kabel ablöten. Hat man ihn nun auf dem Tisch, kann man ihn ohne weiteres öffnen, die Hälften sind nicht miteinander verbunden. Ist er offen, fällt einem zunächst die schwarze Schalt-Nocke entgegen, die Kontakte verbleiben in den Gehäusehälften. Sieht dann so aus:

Setton RS-220

Die Kontaktarme sind nur leicht eingesteckt und können leicht heraus genommen werden. Der Defekt, den man an den Netzschaltern findet, sieht beinah immer gleich aus: ein Kontakt völlig verbrannt, der andere ist noch fast völlig in Ordnung. Genau das kann man sich zu Nutze machen! Der verbrannte Kontakt ist der, auf dem bisher die Phase des Netzsteckers lag. Dort fließt beim Einschalten kurzzeitig ein Riesenstrom, ein Funke springt über und zerstört bei jedem Schaltvorgang ein wenig die Kontakte, bis eines Tages nichts mehr geht.

Abhilfe: man nimmt das verbrannte Kontaktpaar heraus und verbindet die beiden dazu gehörenden Kabel (isoliert) direkt miteinander. Die beiden Übrigen löten wir wieder an und benutzen fortan den verbliebenen Kontaktsatz. Der soll nun aber länger halten und deswegen bekommt der Kontakt einen Kondensator von 0,1µF (Achtung hohe Spannnungsfestigkeit!) parallel zum Schalter als Funkenlöscher, auf Neudeutsch auch Sparkkiller genannt. Wichtig ist, daß der Kondensator ganz dicht am Schalter sitzt. Bei den oben erwähnten KENWOOD-Receivern hat man die Kondensatoren hinten auf die Netzteilplatine gesetzt, mit rund 30cm Netzkabel zwischen Netzschalter und Kondensator — und schon gibt es keine Wirkung mehr, sondern irgendwann einen verbrannten Netzschalter.

 

Wieder einbaut sah es dann so aus:

Setton RS-220

Hier noch jeweils ein Bild der Vorder- und der Rückseite dieses seltenen und sehr guten Receiver-Klassikers:

 

Setton RS-220   Setton RS-220

 

Der Kunde zahlte für diese komplette Reparatur nur 89,76 €