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Restaurierung eines Pioneer SX-5580

Pioneer Logo Der SX-5580 ist die schwarze US-Version des SX-1050 aus dem Jahr 1976.

 

Ein echter Bolide, gar ein Monsterreceiver mit 2x120 Watt Sinus an 8 Ohm, an 4 Ohm sogar 2x170 Watt, nach DIN gar 2x185 Watt, alles Sinus (...und es gab sogar noch größere!). Immerhin bringt er 23,4 kg auf die Waage.

 

Ein Mitglied des HiFi-Forums hat mir diesen Dachbodenfund bei seinem Onkel zugeschickt. Der Receiver war rund 10 Jahre eingemottet. Der Besitzer hat sich nicht getraut, ihn einfach einzuschalten, weil er befürchtete, es könnte dann etwas kaputt gehen.

 

So sah es im Inneren aus, auf einer Seite hatte wohl eine Spinne ihr Quartier bezogen:

 

SX-5580   SX-5580

Aber, und das spricht für die Qualität des Receivers — er funktionierte bis auf diverse Kleinigkeiten — auf Anhieb. Also zunächst einmal Frontplatte herunter und ab damit in ein Bad aus Waschmittellauge. Einfach Waschmittel (flüssig) mit lauwarmen Wasser in eine 90 Liter-Mörtelwanne (gibt es in jedem Baumarkt für 6,90 Euro) und über Nacht einweichen lassen. Danach gut trocken und sauber wischen, fertig. Die Knöpfe kommen bei mir in ein Ultraschallbad mit einem leichten Sodareiniger (Marke Frosch, Vorsicht mit Beschriftungen!), dann strahlen sie wieder.

Zunächst wurde jedoch erstmal an der Technik gearbeitet, hier die Tunerplatine, die nackte Front und ein Blick in das von unten geöffnete Gerät:

Tunerplatine   SX-5580   SX-5580

 

Alle Lampen funktionierten einwandfrei, setzen aber häufig aus. PIONEER verwendete T-10-Stecklampen in heraus nehmbaren Fassungen. Die Kontakte in den Fassungen habe ich ebenfalls mit Kontakt 390 behandelt und die Kontaktzungen nach Entfernen der Lampe zusammen gebogen, dann die Lampe wieder eingesetzt. Nun kein Aussetzen mehr.

Relais und Widerstand der Strombegrenzung

Ebenso mußte das Relais für die Lautsprecher überarbeitet werden, da die Kontakte bei kleinen Lautstärken schon keinen Ton mehr passieren ließen. Zudem kann man durch leichtes Biegen am Relais im Betrieb in den Boxen hören, ob die Relaiskontakte noch in Ordnung sind. Das Relais auslöten, Kappe abnehmen und die vergoldeten Kontakte mit Chromputzmittel (aus dem Autobereich, das billigste ist gut genug!) und einem Wattestäbchen oder einem Wildlederstäbchen putzen und polieren, bis alles wieder strahlt. Auf keinen Fall mit harten, bzw. schleifenden oder gar spanenden Methoden arbeiten, die Goldschicht darf auf keinen Fall beschädigt werden und die ist nur dünn! Das Bild zeigt das Relais nach der Überarbeitung wieder an seinem angestammten Platz.

 

Interessantes Detail, der riesige Widerstand (der graue oben im Bild) ist eine Einschaltstrombegrenzung. Da hätte der Besitzer keine Angst haben müssen, dass etwas nach so langer Zeit beim ersten Einschalten kaputt gehen könnte. Über ein zweites Relais wird der Netzsstrom in den ersten 5 Sekunden über diesen Widerstand geleitet, der so das geordnete Laden der repektablen 22.000 µF/80 Volt Kondensatoren ermöglicht. Da hält ein Netzschalter zeimlich ewig. Bei der Gelegenheit: der Netzschalter (ein Kippschalter) ging sehr schwer, was an verharztem Fett in der Umlenkmechanik lag, das war aber schnell beseitigt mit Kontakt 61 (was auch hervorragende mechanische Schmierfähigkeite besitzt und über gute Kriechwirkung verfügt). Nun wurden auch alle Platinen und Bleche gereingt, damit alles wieder chic aussieht.

Der Ringkerntrafo hat übrigens die Abmessungen einer großen Konservendose und wiegt einzeln über 5 kg. Nachdem auch das (amerikanische) Netzkabel gegen ein Euronetzkabel ausgetauscht wurde, konnte die Frontplatte wieder an ihren Platz, die Knöpfe wurden wieder montiert und dann sah das Ganze wieder recht ordentlich aus:

 

SX-5580 SX-5580 SX-5580

Am Schluß wurde auch die üppige Endstufe — mit insgesamt acht TO-3-Transistoren (die großen Blechtypen) bestückt — neu abgeglichen, und zwar Ruhestrom und Offset. Dann noch einige Lötstellen im Netzteil nachgelötet und dann war es das auch schon.

Ein wundervoller Receiver der auf dem Markt in diesem Zustand bestimmt um die 350,- Euro wert ist. Sollte man nicht unbedingt weg geben, man würde dies später garantiert bereuen. Hier nochmal ein Gesamtbild:

 

SX-5580

 

Der Kunde zahlte für diese komplette Restaurierung nur 119 €