Sansui 771 - ein Receiver von 1974

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Sansui war mit den Receivern Six, Seven und Eight recht erfolgreich, in Deutschland jedoch eher weniger, wegen der hohen Preise.  Also brachte Sansui 1974 eine neue Receiverbaureihe auf den Markt, die so genannte 3-Digit-Serie. Sie bestand aus den Modellen 221, 331, 441, 551, 661, 771 und 881. Diese waren deutlich preisgünstiger als deren Vorgänger, verkauften sich aber merkwürdigerweise auch nicht häufiger in Deutschland – anderswo schon. Aus welchem Grund auch immer war Sansui in Deutschland leider nie so erfolgreich, wie es dieser herausragenden Marke gebührt hätte. Die größeren (und deutlich besseren) Modelle 8080 und 9090 kamen übrigens ganz kurz darauf heraus, waren aber auch erheblich teurer. Die 3-Digit-Serie ist bis heute unter Sammlern beliebt und glücklicherweise noch halbwegs günstig zu bekommen.

Der 771, der hier heute beschrieben wird, ist der zweitgrößte der Baureihe. Er leistet zweimal 40 Watt sinus an 8 Ohm – allerdings äußerst konservativ angegeben. Damit gehörte er zur gehobenen Mittelklasse, sein damaliger Neupreis lag bei 1.295,- DM. Zum Vergleich: der gleichzeitig am Markt angebotene Bestseller STR-7055 von Sony kostete „nur“ 998,- DM.

Der Besitzer dieses Exemplars aus Österreich vermutete eine Defekt der Endstufe, da mehrere Sicherungen immer wieder sofort durchbrannten. Endstufendefekte sind aber bei Sansui eher selten, da die Konstruktionen hochbelastbar sind – da brennen vorher die Sicherungen durch (die vier 5A-Sicherungen, die vor jedem Endstufentransistor liegen), welche aber alle intakt waren. Es war aber eine der beiden 6,3A-Primär-Sicherungen, die stets durchbrannte. Ursache dafür war ein defekter Haupt-Gleichrichter (Kurzschluss einer Diode). Zusätzlich war auch noch eine Diode für das geregelte Netzteil defekt (ebenso Kurzschluss), Daher wurden alle diese Bauteile sicherheitshalber erneuert.

Die Gleichrichter wurden durch ähnliche Typen von Toshiba ersetzt, die jedoch zuverlässiger sind. Die kleinen Dioden wurden durch 1N4007 ersetzt.

Nachdem dann alles wieder funktionierte und auch keine Sicherung mehr schmolz, funktionierte das Gerät zwar wieder, auch das Relais klickte, der Receiver gab jedoch keinen Ton von sich. Die Ursache dafür war rasch gefunden: der Längstransistor für die 33V-Spannung hatte Unterbrechung. Zusätzlich war der andere Längstransistor für die 16V-Spannung gegen einen europäischen Ersatztyp ausgetauscht worden, was ich zuerst einmal rückgängig machte. Der dort artfremde BD241 wurde wieder durch den originalen 2SD330 ersetzt.

Der defekte 2SC875, den es leider nirgendwo mehr gibt, habe ich durch einen BC639 ersetzt, der immerhin ein mehrfaches an Strom verarbeiten kann.

Hier nun das instandgesetzte Netzteil mit allen Sicherungen.

Und hier die erneuerten Längstransistoren.

Nachdem dies alles wieder funktionierte, wurden alle Schalter und Potis gründlich gereinigt – wovon ich diesmal keine Fotos gemacht habe, weil dies schon so häufig gezeigt wurde. Anschließend kümmerte ich mich um die desolate Beleuchtung der Skala, die Hälfte der Lampen waren bereits durchgebrannt. Die FM-Stereo-Lampe war zwar bereits erneuert, leuchtete aber nur sehr schwach.

Vorsichtig wurde die verklebte Skalenscheibe abgenommen, man kann die dahinter befindlichen Lampen dann ohne Ausbau des Lampenkastens austauschen und die Skalenscheibe beidseitig reinigen.

Nachdem alle fünf Lampen hinter der Skala und dem Instrument sowie die FM-Stereo-Lampe erneuert waren und die Skalenscheibe wieder montier war, sah das Ganze schon wieder richtig gut aus. Auch das Lampengehäuse innen wurde gründlich gereinigt.

Dies ist die fünfte Lampe hinter dem Instrument.

Hier sieht man die vier neuen Lampen hinter der Skala.

Auch das Lautsprecherrelais wurde erneuert, denn diese sind beinahe immer verschlissen. Es handelt sich um ein MY2 in 24V.

Nun wurden alle gefährdeten Elkos erneuert. Zunächst im Phonovorverstärker, der im 771 auf einer kleinen Extraplatine unetrgebracht ist. Hier vor der Bearbeitung.

Und nach der Erneuerung aller Elkos und Reinigung der Platine. Insbesondere die blauen Tantalelkos wurden gegen hochwertige Audio-Elkos ausgetauscht.

Auch die Treiberplatine für die Endstufe wurde gleichermaßen bearbeitet.

Auch hier kommen ausschließlich hochwertige Elkos der Marke Nichicon zum Einsatz.

Die Endtransistoren vom Typ 2SC1402 vertragen bis zu 8A, sind aber mit 5A in der Kollektor-Zuleitung abgesichert. Da kann eigentlich nichts pasasieren.

Beim Testen stellte ich fest, dass die Phonsignal zwar klar und sauber wiedergegeben werden,  jedoch viel zu leise. Diese Widerstände gehören da gar nicht hin, sondern wurden nachträglich, aus einem mir unbekannten Grund, dort eingebaut.

Ich habe diese entfernt und die Zuleitung von der Cinchbuchse wieder direkt angelötet. Damit war Phono auch wieder genau so laut wie die Radiowiedergabe.

So schaut der 771 von unten aus.

Und so von oben. Links oben das Hauptnetzteil, rechts daneben die Endstufe mit Schutzschaltung und geregeltem Netzteil. Darunter das Empfangsteil.

Das Gerät wurde auf 240V umgesteckt, unten sieht man die (im Normalfall abgedeckten) Ausschnitte der US-Steckdosen. Es handelt sich also zweifelsfrei um ein europäisches Modell.

Das originale Netzkabel wurde leider mit einem nicht zulässigen Schukostecker ausgestattet. Ich habe daher ein neues Netzkabel mit verschweißtem Eurostecker montiert – so werden die einschlägigen VDE-Vorschriften eingehalten.

Das serienmäßige Holzgehäuse ist leider nur foliert, das jedoch ganz hübsch. Wir haben es ein wenig aufgefrischt.

Die Front ist klar gegliedert, die Skala ganz im Sansui-typischen grün.

Die Ausstattung lässt kaum Wünsche offen, drei Paar Lautsprecher sind anschließbar, Hi- und Low-Filter sowie Audio-Muting sind vorhanden und alles ist übersichtlich angeordnet.

Es gibt auch zwei Tape-Anschlüsse mit Hinterbandkontrolle und darüber hinaus zwei Reserve-Eingänge (AUX).

Hinten finden sich hochwertige Cinchbuchsen, sowie ein großer Kühlkörper für die Endstufen. Auf der rechten Seite sind der Spannungsumsteller als auch die Abdeckplatte für die (nicht vorhandenen) US-Steckern zu sehen.

Insgesamt ein hübscher und netter Receiver, der wohl noch viele, viele Jahre mit sehr gut klingender Musikwiedergabe erfreuen wird.

2 Kommentare für “Sansui 771 - ein Receiver von 1974

  1. Hallo !
    Absolute TOP-Reparatur. Ich bin völlig begeistert von der professionellen Aufbereitung des Serviceberichtes. Der Receiver versieht jetzt wieder seinen Dienst. Möchte mich bei Euch bedanken und werden Euch auf jeden Fall weiterempfehlen.
    LG Oldschoergi

  2. Fantastischer Service-Bericht, klasse Fotos.
    Die Marktpreise für die 3-Digit Baureihe ziehen leider auch merklich an. Sehr ratsam, einem großen 771 eine professionelle Service-Kur zukommen zu lassen. Es lohnt sich!
    Damit hat der glückliche Besitzer jetzt für die nächsten Jahrzehnte viel Spaß.

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