Sansui B-2301

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Heute stelle ich eine atemberaubende Endstufe der Marke Sansui vor, die mich bereits mit Ihrem Gewicht von rund 40kg nachhaltig beeindruckt hat. Diese Endstufe erschien 1983 zusammen mt Ihrer kleineren Schwester B-2201 und hatte bereits die Zusatzbezeichnung „Vintage“ an der Front. Dieses hübsche Monster leistet 2 mal 300 Watt sinus an 8 Ohm und ist nicht nur in Doppelmono aufgebaut, sondern auch in der Sansui-eigenen X-Technologie, wobei die positiven und die negativen Signalteile in jeweils eigenen Endstufen verarbeitet werden. Es gibt also vier Endstufen in diesem Stereo-Kraftverstärker!

In Europa wurden von diesem Modell nur sehr wenige verkauft, entsprechend selten werden welche angeboten. Diese hier stammt aus Japan und kann nur mit 100V betrieben werden. Leider war sie in keinem sehr guten Zustand: wegen schlechter Verpackung war die Rückwand stark eingedrückt und die Holzseitenteile waren arg beschädigt. Sie funktionierte anfangs auch gar nicht, denn die 15A-Hauptsicherung (!) war durchgebrannt. Nach Austausch von einem defekten Doppeltransistor und vier Widerständen erschien es noch immer so, als bestünde ein Kurzschluss im Gerät. Nachdem aber die insgesamt rund 200.000µF-Siebkondensatoren aufgeladen waren, ging die Stromaufnahme langsam zurück, blieb aber noch bei 1,5 bis 2 A – ohne Signal!

Anschließend ging es an die Überarbeitung dieser Ausnahme-Endstufe. Zunächst wurden die Eingangsabschwächer gründlich gereinigt, sie sind hier als vielstufige Schalter ausgeführt. Vorher:

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und nachher:

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So schaut das Gerät mit angenommener Frontplatte aus. Der kleine Trafo links ist eigens für die Beleuchtung zuständig.

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Das ist das offene Gerät im Überblick. Der Trafo ist wirklich gigantisch und hat eine Maximalleistung von 1,.3 kW!  Unten sieht man die insgesamt sechs Siebelkos.

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Die Endstufen sind modular ausgeführt, hier die beiden Endstufen des linken Kanals.

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Nochmal die großen Siebelkos aus der Nähe.

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Trotz der anders lautetenden Schilder von Sansui oben im Deckel, stammen die Kondensatoren von Nippon Chemicon (Nichicon).

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Das Chassis ist aus dickem, kupferfarbenen Blech gefertigt.

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Die Platine in der Rückwand, die unter anderem die Schutzschaltung beherbergt, musste, wegen der Deformationen der Rückwand, neu befestigt werden – alle Clipse waren zerbrochen.

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Jetzt sitzt aber wieder alles am richtigen Fleck.

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Hier mal ein Gesamtbild von unten. Die Railspannungen werden auf dicken Schienen geführt (unten im Bild).

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Dieser große Widerstand ist zum“sanften“ Einschalten des Gerätes gedacht – so ganz reicht das aber offenbar nicht aus, denn oft genug schmilzt die Sicherung beim Einschalten. Ich baue dafür noch eine extra Einschalt-Strombegrenzung, außerhalb des Gerätes.

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Dort (an der Rückseite) sind die gereinigten Schalter wieder eingebaut.

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Die Emitterwiderstände dieser Endstufe haben jeweils zehn Watt, statt der üblichen fünf.

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Die Siebelkos sind zusätzlich mit Shunt-Kondensatoren versehen.

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Jetzt ist die Bodenplatte wieder montiert.

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Die beiden beschädigten Holzseitenteile wurden vom Tischlermeister wieder hergerichtet und neu furniert.

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Wir haben sie dann geölt, gewachst und anschließend mit einer Bürste auf Hochglanz poliert.

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Das ist die Leistungsanzeige an der Front, die reicht bis 500 Watt pro Kanal.

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So stellt sich das komplett überholte Gerät dar – eine gewaltige Erscheinung in jeder Hinsicht!

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Bedienelemente gibt es nicht viele: Netzschalter auf der linken Seite, rechts noch ein Peak-hold-Schalter und ein weiterer für das komplette Abschalten des Displays.

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Bereits 1983 bei Ihrem Erscheinen schon ein Klassiker?

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Es ist zweifellos die leistungsstärkste Stereo-Endstufe von Sansui, selbst die legendäre und auch 7 kg schwerere BA-5000 von 1975 muss sich im Fotofinish geschlagen geben.

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An der Rückseite finden sich symmetrische (XLR) und asymmetrische (Cinch) Eingänge, alle mit Abschwächern zur Anpassung an die verwendeten Vorverstärkerausgänge.

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Dieses Exemplar kommt klar aus Japan!

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Die Abschwächer und Umschalter nebst den Eingangsbuchsen aus der Nähe.

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Die Lautsprecheranschlussbuchsen wurden wunschgemäß auf Bananensteckertauglichkeit umgerüstet ohne das Aussehen stark zu beeinflussen.

Wer so ein Gerät besitzt, darf da ganz mächtig stolz drauf sein, das ist nicht nur extrem selten, sondern auch extrem leistungsstark und dabei klanglich ausnehmend gut, durch die X-Technologie. Jetzt sieht diese Endstufe auch wieder richtig gut aus und spielt fantastisch auf.

4 Kommentare für “Sansui B-2301

  1. Hallo Armin,
    toller Bericht! Ein echtes Wahnsinnsteil. Wenn die Endstufe noch stärker als die ohnehin gewaltige BA-5000 ist, für welchen Einsatzzweck ist denn die B-2301 entwickelt worden? Du hast zur BA-5000 angemerkt, dass sich die Endstufe nicht für den Heimeinsatz, sondern für den Diskothekenbetrieb eignet. Demnach müsste die B-2301 die Diskothekenendstufe der 1980iger gewesen sein.
    Eine Frage noch zu 100V-Geräten: Diese können doch wohl ausschließlich mit einem Umspanntrafo/Spannungswandler betrieben werden(?). Teuer sind die Trafos/Wandler ja nicht, aber ich frage mich immer, ob eventuell mit Einbußen im Betrieb solcher 100V-Hifi-Geräte – die über Spannungswandler angeschlossen sind – zu rechnen ist. Insbesondere denke ich da an Plattenspieler (Stichwort Gleichlauf). Ich habe zum Beispiel schon öfter tolle 100V-Geräte auf japanischen Märkten gesehen, aber immer die Finger davon gelassen, weil mir die Sache irgendwie suspekt ist. Sind meine Bedenken Quatsch?
    LG
    Holger

    Moin Holger,
    die BA-5000 wurde wegen Ihrer Ausgangsübertrager als „Diskothekenendstufe“ eingestuft – nicht (nur) wegen Ihrer Leistung. Die B-2301 ist, schon wegen der vorhandenen X-Technologie, eindeutig als Hifi-Endstufe einzuordnen.
    Zur 100V-Technik: diese arbeitet ebenfalls mit Übertragern, aber hochohmige, die dazu dienen, lange Leitungswege und zahlreiche Lautsprecher (bis zu mehreren hundert Stück) auszugleichen. Durch die Größe der Wicklungen am Ausgang des Verstärkers und der Wicklung am Eingang des Lautsprechers (dieser kann bei 100V-Technik nur mit Übertrager betrieben werden!) wird auch die maximale Leistung bestimmt, so dass eine Überlastung eigentlich nicht möglich ist. Im Heimbereich oder gar im HiFi-Bereich hat diese Technik eigentlich wenig bis gar keine Verbreitung. Ich habe manchmal in Sonderfällen, wo sehr viele Lautsprecher an einen Verstärker angeschlossen werden mussten, die 100V-Technik (in der ich in der 1970er-Jahren mal beruflich unterwegs war) mit Hifi-Verstärkern angewandt z.B. in Restaurants – dort kam es aber nie auf Klangqualität an. Du hast also ganz Recht getan, die Finger davon zu lassen. In der ELA-Technik (ELA=Elektroakustik, professionelle Beschallung von Flächen und/oder Räumen und Gebäuden) kommt es auf Betriebssicherheit und Leistung an und nicht auf Klang.
    Beste Grüße Armin

  2. Vielen Dank für die Rettung meines Japanimportes und danke für den toll bebilderten Bericht!
    Ich freue mich, das Gerät in den nächsten Tagen abholen zu dürfen.
    Zu Holgers Frage nach den 100V-Geräten:
    Ich glaube, hier ein Mißverständnis zu sehen – Holger meint möglicherweise tatsächlich nur 100V-Netzspanung und nicht die Public Address Beschallung, die Du, lieber Armin, hier beschreibst?
    Dann nämlich kann ich Holger beruhigen – mit einem passenden(!) Trafo klingt Japan-100V-Hifi genau so gut wie im Heimatland.
    Zwei Sachen sind zu beachten: Zum einen sind „echte“ 230V auf 100V Trafos deutlich seltener und auch teurer als 220V auf 110V Trafos und und zum anderen sollte das Gerät 50 Hz vertragen!
    Wenn dann die Leistung des Trafos passt, sind auch keine Gleichlaufprobleme zu befürchten.

    Hallo Mathias,
    ja, da hast Du sicherlich Recht – da habe ich Holger wohl falsch verstanden. Die Umsetzung von 230V auf 100V ist durch einen Trafo notwendig und in Mathias Fall auch problematisch, wegen der sehr hohen nötigen Leistung von bis zu 1250 Watt. Allgemein ist das aber kein Problem und funktioniert völlig problemlos. Die Umstellung an Plattenspielern (50/60Hz) ist nur im Fall von Synchronmotoren mit Riemenantrieb notwendig. Dies trifft auch auf einige, wenige Kassettendecks (z.B. ältere AKAI) zu.
    Beste Grüße Armin

  3. Ich danke euch für die umfassenden Informationen. Mathias lag mit seiner Einschätzung hinsichtlich meiner Frage schon ganz richtig. Zukünftig nun also auch 100V-Geräte aus Japan. Armin, dann lass dich mal überraschen, was ich als Nächstes anschleppe.
    Dir Mathias wünsche ich viel Freude mit deiner – sehr dezent und edel aussehenden – Monsterendstufe. Deine Sansui-Sammlung muss inzwischen ja Ausmaße erreicht haben … unglaublich!
    Feundliche Grüße
    Holger

  4. You can not set transformer in sansui To put his work on 240V?

    Dear Tom,
    no, there is no way to set the transformer to 240V, because it is a model selled only in japan – and there is only one coil in the primary-transformer.
    Best regards Armin

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