Sony TA-2000F, TA-3200F und ST-5150 von 1971

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Im Jahr 1969 gab es weltweit schon etliche Anlagen zu kaufen, jedoch nur wenige davon durften sich dem Sektor zurechnen, der später High-End genannt wurde – damals sagt man noch Spitzenklasse dazu. Die Spitzenklasse war aber allgemein, besonders hier in Deutschland noch erheblich weniger, als man es heute rückblickend glauben mag. So war zum Beispiel der Braun CSV-1000 in beinahe unerschwinglicher Verstärker (2.350,- DM) der gerade einmal 2 mal 55 Watt sinus hatte, an 4 Ohm wohlgemerkt. Auch der Beolab 5000 aus dieser Zeit kostete rund 4.000 DM und leistete 2 mal 60 Watt sinus an 4 Ohm – galt aber als absolute Spitzenklasse. Zu eben dieser Zeit brachte Sony die hier vorgestellte Anlage auf den Markt, die zwar ebenfalls extrem teuer war, dafür aber äußerlich sehr unscheinbar daher kam. Sony beschrieb die Qualität daher als Studio-Qualität in seinem Prospekt, was diese Anlage über die absolute Spitzenklasse einordnen sollte. Die Endstufe TA-3200F leistet phänomenale 2 mal 110 Watt sinus an 8 Ohm – unvorstellbar für viele Käufer, der Vorverstärker TA-2000F hat unglaublich vielfältige Anschlussmöglichkeiten und der Tuner glänzt ebenfalls mit hervorragendem Empfang. So warb Sony zu dieser Zeit in dem Prospekt, dessen Titel von dem Power-Knopf hier oben dominiert wurde, mit dem selbstbewussten Spruch: „Es gibt gute Hifi-Anlagen, es gibt soger sehr gute Hifi-Anlagen – und es gibt Sony!“ Die heute vorgestellte Anlage, kann – 45 Jahre nach dem Neukauf – noch immer mit den besten Anlagen Schritt halten. Das ist schon sehr erstaunlich.

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Dies ist ein Blick in die Endstufe TA-3200F. Ein dicker Torodial-Transformator, zwei dicke 8.000µF-Elkos und richtig gut dimensionierte Endstufen lassen diese auch heute noch tadellos funktionieren – nur ein paar Elkos mussten erneuert werden. Kaputt gehen diese Endstufen eher selten.

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Hier die Endstufenplatine von vorne, die Halbleiter stammen überwiegend aus eigener Halbleiterproduktion.

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Das ist die Netzteilplatine.

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Trafo mit Siebelkos, schön sorgfältig abgedeckt.

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Die Kühlbleche mit den stromverstärkenden TO-3-Transistoren.

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Hier der Blick von aussen, einfach und schlicht. Vermutlich deshalb traut man diesem Modell gar nicht so viel zu.

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Hier die Front, dickes Alu, jeder Knopf massiv und verschraubt – nur die Kippschalter sind gesteckt.

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Der „berühmte“ Power-Knopf mit einer grünen Power-Anzeige daneben.

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Dann gibt es noch einen Wahlknopf für die beiden Lautsprechergruppen, sowie einen Leistungsbegrenzer. Viele Leute hatte damals noch Angst davor, ihre Lautsprecher zu überlasten, deshalb hatte sich Sony für einen solchen Schalter entschieden. Rechts findet sich noch ein Umschalter für die beiden Eingänge.

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Die Rückseite.

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Zwei Eingänge.

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Die Ausgänge, zwei Paar Lautsprecher – die Steckdosen wurden wie immer still gelegt.

Der Vorverstärker TA-2000F ist die umfangreichste Kommandozentrale, die es zu dieser Zeit gab. Der größte Teil der Platinen ist durch Stecksysteme einfach herausnehmbar und daher äußerst servicefreundlich. Leider waren hier schon vorher Leute auf der Phono1-Platine zugange und hatten alle Halbleiter gegen nicht wirklich passende europäische Ersatztransistoren getauscht. Zudem war der Impedanzschalter mal zerlegt und völlig falsch wieder zusammengebaut worden – schade um so ein hochwertiges Teil.

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Aber auch die anderen Platinen, die weitgehend funktionstüchtig waren, sind in erstunlich hochwertiger Qualität gefertigt.

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Hier sieht man sie in Reih und Glied im Gerät.

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Die Klangsteller sind als 11-stufige-Schalter ausgeführt.

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Bei abgenommener Frontplatte sieht das Gerät recht eigenwillig aus.

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Es gibt noch zusätzlich montierte Abschirmbleche im Inneren des Vorverstärkers, um Übersprechen zu minimieren.

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Hier ist er komplett zu sehen.

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Die Front ist ebenso sachlich gehalten wie die Endstufe, bietet aber extrem viele Ausstattungsmerkmale.

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Beleuchtete Meter, regelbarer Kopfhörerausgang, wählbare Einsatzfrequenzen der Klangsteller, Phono MM und MC (!), sowie zweimal Tape, Tuner und zweimal AUX, zusätzlich noch Mikrofoneingänge.

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Übrigens: die erste Version dieser Modelle von 1969 hatte noch glatte, runde Knöpfe. Die zweite Version (wie hier im Bild) hatte dann die geriffelten Knöpfe.

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Wie schon geschrieben – sehr viele Ausstattungsmerkmale, weit mehr als bei allen anderen zu dieser Zeit!

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Auch an der Rückwand: extrem viele Buchsen, auch zwei Ausgänge sind vorhanden. Zudem finden sich noch Pegelsteller dort.

Der Tuner ST-5150 war übrigens der kleinste von drei Modellen, die zur Auswahl standen. Anders als bei anderen Herstellern, war bei Sony die höhere Ziffer das kleinere Modell. Es gab noch die größeren Brüder ST-5140 und ST-5130.

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Der Aufwand beim ST-5150 ist nicht so übertrieben, hier hat man sich auf das Notwendige beschränkt. Der Empfang ist dennoch hervorragend.

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Der Drehkondensator vierfach-FM und zweifach-AM. Wie man sieht, gab es ihn auch als fünffach-FM.

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Die Hauptplatine, ebenfalls überwiegend mit Sony-eigenen Bauteilen bestückt.

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Der Tuner von unten.

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Der Überblick von oben – alles richtig gut erhalten, trotz des biblischen Alters.

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So schaut der Tuner von aussen aus, klassisch, schlicht und elegant – vor allem aber absolut zeitlos.

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Die Skala und Instrumente schimmern grün, alles ist hervorragend ablesbar.

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Auch hier findet man den charakteristischen Netzschalter.

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Die Fronten sind bei allen Modellen graviert, die schwarze Farbe musste nirgendwo ausgebessert werden. Schon erstaunlich.

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Hinten finden sich die Antennenanschlüsse, sogar schon koaxial und variable und fixe Cinchausgänge.

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Zum Abschluss ein Bild der kompletten Anlage – damals ein kleines Vermögen wert. Darf aber auch heute noch zur Spitzenklasse gerechnet werden. Und wird noch eine halbe Ewigkeit halten!

 

2 Kommentare für “Sony TA-2000F, TA-3200F und ST-5150 von 1971

  1. Hi Armin,

    ich glaube da ist dir ein Fehler unterlaufen. In der TA-3200 sollten eigentlich nur 8000µF Siebelkos drinnen sein.

    Gruß

    Jürgen aus dem OFF

    Vielen Dank für diesen korrekten Hinweis, lieber Jürgen. Ich weiß auch nicht, wie mir da die „1“ vor die „8“ gekommen ist – ich habe das nun im Text geändert. Es sind natürlich 8.000µF-Elkos verbaut in der TA-3200F. Eine Messung ergab übrigens, dass beide noch deutlich über 10.000µF hatten, bei sehr niedrigem ESR – das war noch Qualität damals!
    Beste Grüße Armin

  2. Dr. Lutz Wichtmann|

    Ich kann mich noch an die Anlage erinnern. Sony bot zu diesem Preamp drei Endstufen unterschiedlicher Leistung an, wovon die kleinste half-sized war und die größte damals unvorstellbare 2x 250W „Musikleistung“ hatte. Sodann eine elektronische Frequenzweiche. Ich war von einem Foto im Sony-Prospekt schwerst beeindruckt das eine Anlage zeigt, bestehend aus einem Sony-Tonband, dem Tuner, dem Preamp, der Weiche und allen drei Endstufen, von denen jede einen Treiber in der Box ansteuerte. So etwas war damals und ist bis heute nur aus PAs bekannt, nicht aber im Hifi-Bereich. Ob die Anlage wohl jemals in dieser Zusammensetzung verkauft wurde? Jedenfalls nicht in dem Laden im Bonner Prominentenviertel in dem ich damals im HiFi-Studio Verkäufer war.

    Auch ich war zu diesem Zeitpunkt Hifi-Verkäufer (allerdings in Berlin). Die Sony-Anlage haben wir so auch nicht verkauft, aber die preiswertere Konkurenz von Pioneer, dort hieß die Freqenzweiche SF-700 und auch dort gab es passende kleine und große Endstufen dazu. Die von mir dazu verkauften Boxen mit Mehrwegeanschlüssen hießen damals CS-E900. Ich war davon begeistert, fand aber heimlich die Sony-Anlage auch viel besser – die war aber auch viel teurer und mein Chef erlaubte mir nicht diese einzukaufen.
    Hier ist der passende Prospekt mit dem zitierten Foto: http://wegavision.pytalhost.com/Sony/1972/01.JPG , auf dieser Seite von lulabu kann man mit viel Spaß herumstöbern.
    Kollegiale Grüße
    Armin

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