Telefunken S-500

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Heute stelle ich Euch einen Plattenspieler vor, der aus Deutschland kam – aber dennoch einen richtig guten Ruf hat – kein Dual, kein (JVC-)Saba und auch kein Perpetuum Ebner (PE) – nein, dies ist ein Telefunken – aus eigener Produktion. 1974 sagte sich Telefunken von den bis dahin mit Telefunken-Schildchen versehenen PE-Plattenspielern los und baute etwas eigenes: den S-500. Das war ein riemengetriebenes Modell mit Subchassis (ein klein wenig hatte man wohl zu Thorens nach Lahr geschielt, denn der Aufbau ist den kleinen Thorens nicht ganz unähnlich), ohne Automatik, man muss von Hand aufsetzen (per Lift) und am Ende wird mittels einer Lichtschranke (kräftefrei!) abgeschaltet, das heißt der Lift fährt hoch und der Teller bleibt stehen. Optisch sah der S500 durch aus so aus, dass ihn Hifi-Freaks ernst nehmen konnten, dennoch setzt er sich, trotz seines überaus günstigen Preises (rund 500,- DM), nicht so wirklich durch. Man war bereits auf die anderen Anbieter fixiert, man kam, wie so oft in unserem Heimatland, einfach zu spät. Man stellte dem S500 zwei Jahre später noch einen großen Bruder zur Seite, den schwarzen S600 mit besserem System (Shure V15III statt M91E) und optischer Ausetzhilfe (durch Glühlampe) für 550,- DM – aber einen Durchbruch für die Marke in den Hifi-Himmel brachte auch das nicht. Die Marke hatte, jedenfalls im Hifi-Bereich, kein entsprechendes Imgage. Aber der S500 ist ein beeindruckendes Beispiel dafür, wieviel Mühe man sich gab, den gefürchteten Japanern die Stirn zu bieten. Der Tonarm wurde bei Ortofon in Dänemark eingekauft. Er hieß AS-212 und hatte eine aussichtsreiche Position für guten Klang. Man stattete diesen mittelschweren Arm dann mit Shure-Systemen (M91E im S500, das große V15III im S600) obschon diese Systeme von ihrer Nadelnachgiebigkeit her nicht zu dem Tonarm passen. Aber der große (und damals noch erfolgreiche) Konkurrent Dual baute stets Shure-Systeme ein, ebenso wie die Kronberger Kollegen der Marke Braun – und nicht zuletzt weil Karl Breh vom Braun-Verlag mit den Jahrbüchern und der Zeitschrift Hifi-Stereophonie nicht müde wurde, die Shure-Systeme über den grünen Klee zu loben. Ein System mit niedrigerer Nadelnachgiebigkeit ist erheblich besser aufgehoben im AS-212. Dieses Exemplar hier hat sogar, was selten ist, die Original-Headshell montiert, weshalb die vom Besitzer gewünschte Montage eines mitgelieferten Shure V15III nicht möglich ist. Der Grund hierfür liegt darin, dass einerseits der Überhang nur grob (in 5mm Schritten) justierbar ist und die Schraubenlänge zu kurz für ein V15III ist. Da habe ich dann ein „normales“ EIA-Headshell verwendet, welches ja auf den AS-212 passt. So kam ein Audio-Technika AT-95 in die OriginalHeadshell, wobei der Überhang zufällig perfekt passt. Ob dies eine Maßnahme von Ortofon war, um die Telefunken-Leute zu einem Ortofon-System als Serienausstattung zu bewegen?

Dieser S500 hatte leider die bekannte Krankheit dass das zur Liftdämpfung verwendete Sonderfett völlig verharzt war, so dass sich der Lifthebel um keinen Preis mehr bewegen ließ. Also erst einmal alles warm machen und dann gründlich auswaschen – den ganzen Modder raus!

[Bild: Telefunken_S_500_01_64720_Michelstadt.jpg]
[Bild: Telefunken_S_500_02_64720_Michelstadt.jpg]

Danach kam das übliche Silikon der Viskosität 500.000 auf die Flächen und schon bewegt sich der Lift wieder so, wie es sein soll.

Dann mussten noch die Lampe für Endabschaltung und die der Stop-Taste erneuert werden, sowie das Netzkabel und das Tonkabel auf Kundenwunsch in bessere Qaualität erneuert werden. Ebenso erhielt der S500 einen neuen Riemen, denn er stand zuvor längere Zeit unbenutzt herum. Dann wurde die Netzspannung noch auf 240V umgestellt. Als ich ihn danach in Betrieb nehmen wollte ging bis auf die Stroboskoplampe nichts mehr!! Huch – was war da denn los??

Nach einigem Messen stellte sich das IC, welches direkt hinter der Gleichrichtung geregelte 12V erzeugt als defekt heraus. Obwohl der Plattenspieler nur wenige Watt aus dem Stromnetz entnimmt, war da ein respektables Regel-IC im TO3-Gehäuse verbaut. Der sieht aus, als könnte er mindestens 10 A regeln – er kann aber nur 500mA. Also kam ein „normaler“ M7812 mit 1,5A-Leistung hinein und schon lief wieder alles und dürfte nun auch ewig halten. Na, ja – dachte ich mir hinterher, besser das Ding geht hier bei mir kaputt als beim Besitzer zu Hause. Man stelle ich mal vor, ich pack das Gerät ein und schicke es zurück und nach dem Auspacken funktioniert nichts mehr – außer der Stroboanzeige. Das wäre richtig peinlich – also: gut so!

Nun aber Fotos von dem Prachtstück, nach Entfernen einer (gefühlten) Nikotinschicht von mehr als 2mm Stärke sieht er ja auch wieder vorzeigbar aus:

[Bild: Telefunken_S_500_03_64720_Michelstadt.jpg]
[Bild: Telefunken_S_500_04_64720_Michelstadt.jpg]
[Bild: Telefunken_S_500_05_64720_Michelstadt.jpg]

Offensichtlich ein Sondermodell, denn der Schriftzug „exclusiv“ gehört da normalerweise nicht hin.

[Bild: Telefunken_S_500_06_64720_Michelstadt.jpg]

Mit diesen elektronischen Tipptasten wird das Laufwerk in Gang gesetzt.

[Bild: Telefunken_S_500_07_64720_Michelstadt.jpg]
[Bild: Telefunken_S_500_08_64720_Michelstadt.jpg]
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Hier der Ortofon AS-212 von allen Seiten.

[Bild: Telefunken_S_500_010_64720_Michelstadt.jpg]

Die Strobolampe. Der Lifthebel muss übrigens zum dauerhaften Absenken etwa 2-3 Sekunden gehalten werden – solange benötigt die gedämpfte Raste, um den Hebel zu halten. Dies sollte das unfreiwillige Beschädigen der Abtastnadel verhindern, falls der Arm nicht über der Platte steht, sondern außen am Rand. Daher auch die nachgerüstete Aufsetzhilfe am S600.

[Bild: Telefunken_S_500_011_64720_Michelstadt.jpg]

Hier zum Abschluss bei der Arbeit. Ein schönes Stück deutscher Hifi-Geschichte. Bereits 1978 tat man es bei Telefunken den Saba-Mannen nach und kaufte die Plattenspieler in Japan bei JVC ein – natürlich mit Direktantrieb. Zu spät war es für Telefunken dennoch…1982 wurde ein Vergleichsverfahren eröffnet, das 1985 mit der Zerschlagung des AEG-Telefunken-Imperiums endete.

4 Kommentare für “Telefunken S-500

  1. Hallo und danke für die hilfreichen Bilder…
    Habe bei mir den Hebel geradebiegen müssen – der wurde beim Versuch, das verharzte Fett zu überlisten, verbogen… Da hat Deine Beschreibung echt viel geholfen…

    Heute habe ich dann die vierte Platte gehört… Soweit fast alles gut, nur der Tonarm wandert beim Absenken nach außen… Auch macht es mir den Eindruck, als dass die Auflage des Tonarms unten zu hoch raussteht, aber funktioniert…
    Nun hab ich den Dreher ne halbe Stunde im Aus-Modus (nach Ende der Platte) stehen gelassen, und dann hat es ein kleines „Paff“ gemacht. Trouble-Shooting brachte die Erkenntnis, dass die Glimmlampe (Strobo) hinüber ist… Laut Anleitung eine Soffitten-Glimmlampe 6mA… Ist die leicht zu finden / Wo gibt’s die noch? Im Internet die Lampen sehen alle anders aus…
    Kannst du hier ein bisschen helfen?
    Super vielen Dank !
    Matthias

  2. Wenn der Tonarm beim Absenken nach aussen wandert ist vermutlich die Skating-Kraft überkompensiert, also die Antiskating etwas schwächer einstellen. Zusätzlich mal die Liftbank untersuchen, ob diese nicht zu glatt ist. Ein wenig Aufrauhen dort könnte auch nicht schaden.

    Die Glimmlampe hat Sofittenform, welche kaum noch zu bekommen ist. Also bleibt nichts anderes als mit erhältlichen Glimmlampen und dem Vorwiderstand (R1 16kOhm) herum zu experimentieren. Aber Vorsicht! Am Vorwiderstand liegt volle Netzspannung an!! Diese kann tödlich sein!

    Beste Grüße
    Armin

  3. Herzlichen Dank für den informativen Bericht. Besitze auch so ein Schätzchen. Leider fliegt bei mir nach ca. 5 min einwandfreiem Betrieb die Sicherung raus. Hab noch nicht rausgefunden, woran das liegt.

    Lieber Ulrich,
    das liegt vermutlich an der Spannungstabilisierung, die kann man durch einen modernen 7812 ersetzen.
    Beste Grüße Armin

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