Tunerabgleich ohne Messequipment

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Für die Techniker und Radio/Fernsehtechniker unter den Lesern sei darauf hingewiesen, dass dies hier keine wirkliche Abgleichanleitung darstellen soll.

Es geht darum, was jeder begeisterte Sammler tun kann, bevor er sich an eine Werkstatt seines Vertrauens wendet – also ohne Messmittel wie Messsender und dergleichen, was ohnehin nur bei den Profis zu finden ist. Also bitte keine Einwände wie „das heißt aber Diskriminatorspule!“, das weiß ich auch, aber eben nicht jeder Sammler und Hifi-Freund möchte erst ein halbes Semester HF-Technik studieren, bevor er seinen Tuner oder Receiver öffnet.

Als Modell, bzw. Versuchskaninchen dient ein Luxman Receiver R-1030, den mir ein Kunde zur Verfügung stellte. Ein hübscher kleiner Receiver aus dem Jahr 1979, mit 2 x 30 Watt an 8 Ω und 2 x 45 Watt an 4 Ω, er kostete seinerzeit knapp 400,- DM Listenpreis, war also ein typisches Einsteigergerät. Das Tunerteil ist einfach klassisch und findet sich im Grundaufbau genau so in hunderten von Tunern und Receivern dieser Zeit wieder. Von daher ist gerade dieses Modell hervorragend geeignet zur Demonstration.

Vorarbeiten: Nach dem Auspacken wurde erst mal ausprobiert, was funktioniert und was nicht. Skalenbeleuchtung dunkel, das hatte mein Kunde auch auf einen kleinen Begleitzettel geschrieben, nun gut das waren zwei Pilotlampen 8V 300mA, die zuvor noch blau lackiert werden wollten. Die Schalter und Potis setzten ein wenig aus, bzw. kratzten etwas, also mal kurz mit Oszillin T6 behandelt (entspricht absolut dem nicht überall erhältlichen, aber sehr viel preisgünstigeren Kontakt Cleaner 390), dann war dieses Problem auch beseitigt. Die Frontscheibe wies ein paar häßliche Kratzer auf, also flugs ausgebaut und mit Autopolitur (die billigste, die man bekommen kann, die für 1,99 € ist gut!) beidseitig leicht geschmirgelt und anschließend poliert, dann war auch das behoben. Der Luxman spielt nun, wie man es von ihm erwartet mit Ausnahme des Empfangsteiles. Da kamen nur bei abgeschaltetem Muting (Stummschaltung bei FM) ein paar Sender völlig verrauscht und nur in mono. Das war ja auch der Grund, weshalb das Gerät zu mir geschickt wurde.

Zunächst habe ich mal die Platine des Tuners gereinigt. Nicht aus technischen Gründen, da wäre das nicht nötig. Mehr aus optischen Gründen, da ich ja fotografisch alles dokumentieren wollte, war das vor dem ersten Foto doch angesagt.
Dies erledige ich mit Pressluft und Pinsel.

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So, dies ist ein AM/FM-Tuner vom Hersteller ALPS mit Hitachi-ICs, der einer der meist verbreiteten Tuner aus Japan sein dürfte. Er taucht bei fast allen Herstellern auf, jedenfalls von der unteren Preisregion bis in die Mittelklasse. Links im Bild, das silberne mit dem weißen Kabel darüber, ist der Drehkondensator. An diesem Bauteil endet unser Skalenseil mit dem die Sender abgestimmt werden. Immer hübsch darauf achten, dass das Skalenseil stets an seinem angestammten Platz bleibt, denn wenn es herunterrutscht oder reißt (gern auch an Lötkolbenspitzen, die man versehentlich zu dicht an das Seil hält!), dann gibt es langwierige Arbeit. Das mussten früher immer die Lehrlinge machen, die lernten dann wenigstens Geduld dabei! Das kann nämlich dauern!! Das schwarze Rad ganz rechts am Bildrand ist das Seilrad, welches sich mit dem Tuningrad synchron bewegt, sofern man dran dreht. Die gesamte Platine (braune Farbe) oben im Bild ist der Empfänger. Die Platine oben rechts teilweise im Bild ist der Verstärker, das Schwarze rechts ist der Kühlkörper der Endstufen.

Jetzt kann man die integrierten Schaltungen sehen, Techniker nennen diese Dinger IC (Integrated Circuit), was dasselbe bedeutet. Eine integrierte Schaltung ist eine Ansammlung von Halbleitern und passiven Bauteilen in ganz kleiner Ausführung in eine solche kleine Kiste eingebaut. So eine Schaltung hat immer einen ganz bestimmten Zweck und wird dann gerne dafür eingesetzt, weil der Aufwand dabei viel geringer ist, als die ganze Schaltung mit einzelnen Bauteilen wie Transistoren, Dioden und Widerständen auf zu bauen. Ein IC kann mehrere hundert Transistorfunktionen übernehmen und das auf kleinstem Raum, die meisten sind kaum größer als ein Daumennagel.

Auf dieser Tunerplatine gibt es drei IC, alle von Hitachi die da heißen HA1197 (das ist ein AM-Tuner, also nur für Mittelwelle zuständig), HA1137W (das ist ein FM-Tuner, also nur für UKW zuständig) und als drittes ein HA1156 (das ist ein Stereodecoder). Damit ist der Tuner im Prinzip nebst ein paar Kondensatoren und Spulen (die passen größenmässig nicht in das IC) fertig. Nun ja, fast; man benötigt eine so genannte Peripherie (Umgebung), die die IC mit Spannung versorgt und die Signale zu den IC hin und wieder weg führt, sonst empfängt das Teil nichts und wir bekommen auch nichts zu hören.


Hier sieht man die beiden Tuner, oben der AM, unten der FM. Rechts daneben befindet sich der Dekoder, der dafür da ist unser Gerät in Stereo zu schalten, sofern die Sendung, die wir gerade hören, auch so ausgestrahlt wird. Damit der Bursche (der Dekoder in dem IC drin) auch weiß, wann das der Fall ist, wird zusätzlich zur Musik und Sprache (Techniker nennen das Nutzsignal, oder auch nur kurz Signal) vom Sender ein sehr hoher Ton mitgesendet. Diesen Ton nennt man Pilotton (auch Techniker sagen so) und er liegt bei 19 kHz (für die Techniker: ich weiß, es würde aber sonst zu kompliziert werden). Immer wenn dieser Ton zusätzlich empfangen wird, teilt ein Schalter in dem IC dem Dekoder eine Spannung zu und der hat die Aufgabe die Signales des rechten Kanals von denen des linken zu trennen. Der Dekoder ist bei Monogeräten verzichtbar, weil das Stereosignal auch ohne Trennung als Summe empfangen und gehört werden kann. Stereo ist ein Kann, kein muss.

Hier im mittleren Bild sieht man hochkant den Stereo-Dekoder. Das große schwarze oben darüber ist das Pilot-Tonfilter. Das ist notwendig, weil man bei der Wiedergabe der Musik aufpassen muss, dass kein Ton versehentlich den Dekoder glauben lässt, es handle sich um eine Stereosendung, auch wenn dies gar nicht der Fall ist. Das könnte dann passieren, wenn ein Ton von 19 kHz in der Musik auftaucht. Dieser Ton würde den Dekoder schalten lassen, obwohl es keinen Pilotton gibt. Die Wiedergabe wird daher bei den Sendern i.d.R. auf 15 kHz begrenzt, damit dies nicht geschehen kann. Der Filter siebt die 19 kHz nun auch wieder aus dem Signal heraus, damit wirklich nichts passieren kann. Mehr braucht man darüber eigentlich nicht zu wissen. Rechts im Bild sieht man noch ein Trimmerpoti, das ist ein veränderlicher Widerstand, der den Schaltpunkt unseres Dekoders bestimmt. Den müssen wir noch einstellen. Aber zunächst müssen wir erstmal dafür sorgen, daß der Empfang viel besser wird.

Oben rechts sieht man den weiter oben schon beschriebenen Drehkondensator, meist kurz als Drehko bezeichnet. Dieser Kondensator wird durch die Stellung der Platten in seiner Kapazität geändert und bildet mit einem Widerstand zusammen einen Schwingkreis. Der Schwingkreis hat eine Resonanzfrequenz, die unserer Sendefrequenz entsprechen muss. (Liebe Techniker: die ZF lassen wir jetzt mal der Einfachheit halber weg, ok?) Dadurch können wir also die Sender einstellen. Die Kapazität kommt von den Abständen der Platten, wenn da nun Korrosion dafür sorgt, das die in Messing gefertigte Achse des Drehkos nicht innigsten Kontakt zu dem Widerstand hat, dann verändert sich die Kapazität, wenn auch nur ein kleines bisschen. das nennt man dann Drift, der Sender läuft weg! Zusätzlich kann diese Verschmutzung und Korrosion dafür sorgen, daß der Sender nicht an der Stelle empfangen wird, wo er hin gehört – also vorne auf der Skala. Deshalb sollte man bei einem älteren Gerät lieber erst mal den Drehko fachmännisch reinigen. Ich benetze alle vier Kontaktfedern des Drehkos mit Kontakt 600 satt und kurbele den Drehko hinterher mehrmals von Anschlag zu Anschlag. Nachher werden die Schleifkontakte mit Kontaktfett versiegelt. Dann herrscht Ruhe und man kann mit dem Abgleich beginnen.


Zunächst wird ein bekannter und stark einfallender Sender eingestellt. Dann kann man vorsichtig (!!) an den beiden FM-Vorkreisen abstimmen. Zum Abstimmen auf keinen Fall einen Schraubendreher verwenden, dieser ist magnetisch und verändert die Kapazität bereits erheblich durch bloßes Einstecken der Klinge. Hierfür darf nur ein Abgleichschlüssel mit Mu-Metallklinge oder einer solchen aus Keramik verwendet werden. Die Trimmer auf der Platine hingegen dürfen ruhig mit einem Schraubendreher eingestellt werden. Immer die Stellung, in der die „Schrauben“ waren merken, besser markieren. Immer nur leicht drehen, also maximal eine achtel Umdrehung, und dabei genau beobachten, was passiert. Man kann am Feldstärkeinstrument beobachten oder, falls ein solches nicht vorhanden ist, am Ton hören wann besser empfangen wird. Die beiden Vorkreise befinden sich am Drehko ganz links und an dritter Position von links hier verdeckt von dem weißen Kabel). Die beiden anderen „Schrauben“, also die zweite und die vierte von links, sind für AM. Dieser Abgleich ist nur für Geübte zu empfehlen, man kann sehr leicht den Tuner „verkurbeln“!! Dann wird es teuer ihn wieder hinzu bekommen.

Nachdem die Empfangseigenschaften nach diesem Abgleich bedeutend besser geworden sind, aber leider noch immer kein Stereoempfang zu beobachten ist, kommen wir nun wieder zu unserem Dekoder zurück. Dort befindet sich der oben beschriebene Trimmer. An diesem können wir nun vorsichtig drehen, bis sich der Stereoempfang einstellt – man sieht es an der Anzeige und hört es am deutlichen Rauschen. Man stellt den Trimmer auf die mechanische Mitte der beiden Punkte, an denen die Stereoanzeige jeweils wieder ausgeht.