Yamaha M-60, eine fette Endstufe von 1984

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Schon seit 1978 hatte man bei Yamaha einzelne Endstufen im Programm, die trotz der enorm hohen Preise sich zunehmend erfolgreich verkauften. 1980 bekamen die Endstufen ein großes M als Namen, bis dahin hießen diese B. Die erste neue Baureihe bestand aus M-2 und M-4, wobei seinerzeit die kleinere Ziffer für das größere Modell verwendet wurde. 1984 führte  Yamaha eine neue Baureihe ein, drei Endstufen namens M-40, M-60 und M-80 – nun war die kleinste Ziffer auch das kleinste Modell. Die drei kosteten damals 998,- DM für die M-40 (ein echter Kampfpreis!), 1.498,- DM für die M-60 und 2.298,- DM für die große M-80. Diese drei Modelle wurden 1986 von den Endstufen M-45, M-65 und M-85 abgelöst. Alle diese erwähnten Endstufen erfreuen sich bis heute bei Liebhabern großer Beliebtheit und es werden dafür hohe Preise gezahlt.

Die hier heute vorgestellte M-60 hat immerhin eine satte Ausgangsleistung von 2 mal 255 Watt an 4 Ohm nach DIN, die Zeitschrift STEREO konnte sogar 2 mal 278 Watt messen, die Impulsleistung liegt sogar bei zweimal 450 Watt. Die Stromaufnahme beträgt immerhin 1.150Watt maximal. Der größte Teil des Gewichts von 15 kg geht auf den entsprechend dimensionierten Netztrafo zurück. Eine Besonderheit stellt das bei Yamaha seinerzeit neu eingeführte Prinzip dar, zwischen Class-AB und reiner Class-A  wählen zu können. Bei kleinen Leistungen läuft die Endstufe (sofern die Taste Auto-Class-A aktiviert ist) im reinen Class-A-Betrieb um bei höheren Pegeln dann auf Class-AB umzuschalten. Deshalb sind die Endstufen doppelt vorhanden, ebenso die Netzteile dafür. Der (theoretische) Vorteil von Class-A liegt darin, dass bei sehr kleinen Pegeln die Verzerrungen im Class-AB-Betrieb stark ansteigen, da die Transistoren erst bei rund 0,6 bis 0,7 V an der Basis durchsteuern. Liegt das Signal darunter wird nicht durchgesteuert und der Klirr steigt an. Bei Class-A werden, durch eine permanent anliegende Gleichspannung von rund 0,7V, auch allerkleinste Pegel schon durchgeschaltet und ein Ansteigen des Klirrs  ist nicht zu befürchten. Der Nachteil dieser Schaltung liegt darin, dass ein sehr viel höherer Ruhestrom fließt, wodurch sich die Endstufentransistoren stark erwärmen.  Ich konnte allerdings noch nie einen Unterschied zwischen diesen beiden Prinzipien hören und empfehle daher stets die Auto-Class-A-Taste besser nicht zu drücken. Eine höhere Lebensdauer des gesamten Gerätes kommt als Dank dafür vermutlich zustande, zudem spart es eine Menge Strom.

Die Endstufe völlig nackt, bei abgenommenen Deckel, Bodenplatte und Front. Es mussten sehr viele kalte Lötstellen nachgelötet werden, auch wurden einige Bauteile erneuert.

Hinten sind die vier großen Siebelkos zu erkennen, kein Doppelmono, sondern zwei für Class-A und zwei Class-B.

Der riesige Netztrafo und dahinter die beiden Gleichrichterbrücken mit einem gemeinsamen Kühlblech.

Leider ging die vom Besitzer selbst angefertigte Lautsprecherklemme auf dem Transport zu Bruch, da diese auf Hartfaserplatte montiert und mit Blechschrauben an der Rückwand befestigt war. Durch starken Druck auf die Polklemmen während des Transports rissen die Schrauben aus der Hartfaser aus und das Ganze drückte sich nach innen, wobei die Platine links (von hinten betrachtet, direkt am Kühlblech im Foto) durchbrach. Das wurde alles instandgesetzt, wobei wir die kundenseitig verwendeten Polklemmen weiter nutzen konnten, jedoch eine stabilere Kunststoffplatte anfertigten und diese mit Gewindeschrauben mit Muttern und Scheiben befestigten. Dies wird auch etwas kräftigerem Druck standhalten.

Die Endstufentransistoren sind alle doppelt vorhanden, sowohl in der Class-A- als auch in der Class-AB-Endstufe. Daher findet man insgesamt 16 stromverstärkende Endtransistoren in der M-60.

Alles Original-Sanken und alles aus gematchten Serien, rechts und links völlig identisch (wie ab Werk), jedoch nach den Lötstellen zu urteilen wurden beide Kanäle schon einmal repariert (oder nur nachgelötet). Funktionierte aber noch alles prächtig.

Vorne gibt es eine beleuchtete Leistungsanzeige mit waagerechten LED-Ketten in sattem rot.

Die Gehäuse- und Frontgestaltung darf wohl als zeitlos bezeichnet werden.

Das Erscheinungsbild der Front vermittelt dem Betrachter bereits die Leistungsfähigkeit der Endstufe – hier gibt es Reserven ohne Ende (na ja, fast).

Links gibt es neben dem Power-Schalter, den  bereits erwähnten Auto-Class-A Knopf, der die Class-A-Endstufe einfach abschaltet. darüber gibt es zwei LED, eine für die Aktivität der Schutzschaltung, die andere für die Aktivität der Class-A-Schaltung.

Auf der rechten Seite kann man die drei Lautsprechergruppen anwählen, wobei die Gruppen B und C in Reihe geschaltet sind und parallel zu A liegen. Somit können bei der M-60 alle drei Boxenpaare gleichzeitig betrieben werden, was sehr selten ist. Darunter gibt es noch Pegelsteller für jeden Kanal.

Diese drei Schalter, deren Rastung übrigens defekt war, aber wieder hergestellt werden konnte, bestimmen die Anzeige der Ausgangsleistung – je nach  Lastwiderstand.

An der Rückseite gibt es links eine Doppel-Cinchbuchse als Eingang, rechts die (nicht mehr originalen) Polklemmen für den Anschluss der Boxen. Darunter gibt es noch einen Umschalter 220/240V, den wir natürlich auf 240V umstellten. Die Lampen leben dann länger und die Soll-Spannungen stimmen dann eher…

Insgesamt eine Endstufe, die seinerzeit sehr preiswert angeboten wurde und noch heute locker mit so genannten Hi-End-Geräten mithalten kann. Zudem haben diese Geräte nichts an Wert verloren, gebraucht erzielen sie noch heute den Anschaffungspreis von damals – erstaunlich.

2 Kommentare für “Yamaha M-60, eine fette Endstufe von 1984

  1. Jürgen Sundermann|

    Hallo liebe Kahns
    ich habe auch diese Endstufe und bei beiden Kanälen sehen meine Lötstellen auch grottenschlecht aus, obwohl nie nachgelötet wurde
    Grüße J. Sundermann

  2. Die technische Beschreibung von Class-A, Class-AB und Class-B hier ist so schlichtweg irreführend. Ein Class-B Verstärker hat einen Ruhestrom von 0 A. Im Class-AB-Betrieb fließt ein (geringer) Ruhestrom, dessen resultierende Verlustleistung natürlich höher ist als im Class-B-Betrieb, aber dennoch vernachlässigter gering ist.

    Im wirklichen Class-A-Betrieb ist die Leistungsaufnahme eines Verstärkers annähernd unabhängig von der Ausgangsleistung. Der Anteil der Leistung, die nicht vom Lautsprecher benötigt wird, wird in der Endstufe in Form von Wärme umgesetzt.

    Sobald das Service Manual für irgendeinen Verstärker einen anderen Ruhrstrom als 0 A für den Abgleich vorgibt, handelt es sich dabei um einen Class-A oder Class-AB-Verstärker.

    Kein Audioverstärker, der auch nur ansatzweise gut klingt, verwendet Class-B, da die daraus resultierenden Übernahmeverzerrungen im Nulldurchgang einen inakzeptablen Klirrfaktor verursachen würden. Diese Übernahmeverzerrungen sind zudem vollkommen unabhängig vom tatsächlichen Ausgangspegel, da jedes Audiosignal naturgemäß unabhängig vom Pegel Nulldurchgänge aufweist.

    Ohne das Schaltbild zu kennen, würde ich vermuten, dass die „Auto-Class-A-Taste“ nicht viel mehr macht, als den Class-A-Arbeitsbereich zu erweitern, d.h einen erhöhten Ruhestrom fließen lässt, um den Verstärker letztendlich länger im Class-A-Betrieb zu halten.

    Zudem haben die genannten 0,7 V (U_BE) nur dann einen Sinn, wenn die Endstufe mit bipolaren Transistoren aufgebaut ist. Maßgeblich für die Betriebsart der Endstufe ist letztendlich keine Spannung, sondern einzig und allein der vorgegebene Ruhestrom.

    Vielen Dank für diesen Hinweis. Wir versuchen die Texte immer allgemein verständlich zu halten und gehen daher bewusst nicht in die Tiefe, um den technisch nicht vorgebildeten Leser nicht zu langweilen. Wir haben den Text nach Ihren Ausführungen abgeändert, damit keine unnötige Verwirrung für den technisch vorgebildeten Leser entsteht.
    Beste Grüße Armin

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