Ausgelaufene Siebelkos - kommt hin und wieder mal vor

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Anfang der 1990er Jahre wurde in Europa ein komplettes Verbundstromnetz eingeführt – eine Folge der Auflösung des Ostblocks und der deutschen Wiedervereinigung. Bis dahin hatten wir 220 Volt im Netz, die Briten hatten jedoch 240V und wollten mit eingebunden werden. So einigte man sich europaweit auf 230-235 Volt und exakt die kommen seither auch aus jeder deutschen Steckdose. Die vorher hergestellten Geräte waren alle noch auf 220 Volt ausgelegt, wobei immer gesagt wurde, dass Abweichungen von bis zu 10% keine Rolle spielen würden. Die Geräte würden dies problemlos vertragen. Bei den allermeisten Geräten ist das auch genau so – keine Probleme. Nur am Rande treten die Folgen nach längerer Zeit zu Tage: Lämpchen in den Geräten leben kürzer, andere Geräte werden zu warm im Betrieb, da auch der Ruhestrom leicht ansteigt. Bei manchen Geräten gibt es jedoch nach knapp 30 Jahren ganz andere Spätfolgen, so zum Beispiel bei Endstufen der Marke Onkyo, genauer das Modell M-5090 bzw. M-200 (sind völlig baugleich) die im großen Doppelnetzteil vier riesige Elkos von je 30.000µF haben, die leider sehr gerne auslaufen. Unter dem Gerät bilden sich dann leicht ätzende Pfützen, die das dort befindliche Mobiliar nachhaltig beschädigen können. Ursprünglich sollte Betriebsspannung an den Elkos 75 Volt betragen, Onkyo hatte daher 90V-Elkos in den Geräten verbaut. Soweit die Aufschrift, vermutlich handelt es sich jedoch tatsächlich um 80 Volt-Elkos, die jedoch für Onkyo mit 90 Volt bedruckt wurden. Nach dem Spannungsanstieg von damals liegt die tatsächliche Betriebsspannung in diesen Onkyo-Modellen bei 80-85 Volt und die Elkos quittieren nach und nach alle ihren Dienst. Sollten Sie ein solches Modell betreiben, schauen Sie mal lieber nach…

So einen Fall hatte ich heute wieder mal auf meinem Tisch und habe ihn fotografisch begleitet.

Entfernt man die Bodenplatte kann man es schon sehen, das Blech an den Anschlüssen der Becherelkos ist bereits von der Säure angefressen.
Die Bodenplatte von innen hat auch etwas Schaden genommen.
Nach Entfernen der Verdrahtung kann man das gesamte Ausmaß des Schadens begutachten. In diesem Gerät sind bereits alle vier Elkos ausgelaufen.
Hier sind die Elkos schon entfernt, die Säureschäden sind aber noch gut zu erkennen.
Auf der anderen Seite noch etwas schlimmer. Diese Beschädigungen sollten sorgfältig entfernt werden, da der Fraß ansonsten weiter gehen kann.
Hier die ausgebauten Elkos, die paarweise in Befestigungsschellen stecken. Diese haben unten in der Mitte eine Ventil, wodurch die Säure dann austritt.
Auf der Oberseite des Blechs, auf denen die Elkos stehen sind die Beschädigungen naturgemäß noch kräftiger.
Die originalen Elkos gibt es bei Onkyo natürlich nicht mehr als Ersatzteil, die wären aber auch nicht wirklich gut geeignet. Wir verwenden daher Elkos mit passenden Abmessungen, die zwar 10% weniger Kapazität (27.000µF) haben, dafür aber eine Spannungsfestigkeit von 100 Volt haben, weit genug weg von den tatsächlich anliegenden rund 85 Volt.
Hier mal direkt nebeneinander gezeigt, die neuen sind 5mm höher (bei exakt gleichem Durchmesser) – der Platz dafür ist im Gerät aber glücklicherweise vorhanden. Der Hersteller ist Nippon Chemicon, die originalen waren von Elna.
Nunn snd alle vier neuen Elkos in den alten Schellen, bereit zum Einbau.
Im Gerät wurden inzwischen die Schäden so gut es geht beseitigt und die blanken Stellen des Bleches wieder mit mattschwarzem Lack bedeckt – auf beiden Seiten.
Eine weitere Schwierigkeit durch die neuen Elkos ist die Gewindegröße der Anschlüsse. Die originalen Elkos haben 4mm Schrauben, die neuen jedoch 5mm. Da etliche Leitungen mit Hilfe von Lötösen angeschlossen sind, müssen diese ausgetauscht werden. Oben im Bild sieht man bereits die großen 5mm-Lötösen. Blau ist Minus, rot ist plus.
Hier sind alle vier neuen Elkos an ihrem Platz montiert und vollständig angeschlossen.
Hier dien Unterseite der Endstufe mal komplett. Vonr die beiden Treiberplatinen, hinten die Schutzschaltung mit den Relais.
Alle fünf Relais werden bei uns immer erneuert, das gehört zu einer Überholung einfach dazu.
Desweiteren müssen die Treiberplatinen komplett nachgelötet werden, dort befinden sich stets viele kalte Lötstellen. Zudem werden pro Platine sechs Doppeldioden vom Typ VD1221 gegen jeweils zwei in Reihe geschaltete 1N4148 ersetzt. Die Folge dieser häufig defekten Dioden ist leichter Brumm im Ausgang, welches die meisten der Nutzer dieser Endstufen kennen. Nach Austausch ist das restlos verschwunden. Auch wird der Ruhestrom dann wieder korrekt eingestellt.
Die Endstufe selbst ist hier schon als M-5090 ausführlich vorgestellt worden, aber ein Foto der Endstufe von außen soll hier nicht fehlen am Ende.
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Dies sind, neben häufig ausgefallener Lampen in der Front, die typischen Fehler an dieser Endstufe. Manchmal tauchen noch defekte Gleichrichter auf der Frontplatine auf, jedoch sind weitere häufige Fehler nicht bekannt.

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