Ein Plattenspieler bekommt ein neues Kleid - Hitachi HT-550

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Hitachi ist kein großer HiFi-Hersteller, jedoch eigentlich zu Unrecht, denn die Ingenieure dieses riesigen Industriekonglomerats haben auch auf dem Gebiet der Unterhaltungselektronik etliche sehr bemerkenswerte Geräte erschaffen. Da gab es mal das Kassettendecks D-5500 (kaum zu übertreffen, egal von welchem anderen Modell), die MOS-FET-Endstufe HMA-7500 (ging in die Geschichte ein und ist bis heute beliebt) oder den Unitorque-Elektromotor-Antrieb im Jahr 1977, mit dem auch der hier vorgestellte HT-550 ausgestattet ist. Durch eine spezielle, sternförmig angelegte Spulenform mit kollektorfreiem Antrieb, erreichte man eine ruckfreien Vortrieb, den alle anderen Direct-Drive-Motoren sonst mit einem möglichst schweren Plattenteller ausgleichen (müssen).

Der HT-550 ist ein halbautomatischer Plattenspieler, der 1978 erschien. Er war mit einer Holzzarge ausgestattet, die schwarz foliert war. Sein Besitzer wünschte sich aber eine hübsche Echtholzzarge. Nach einer ausführlichen Diskussion über Furniere und deren Versiegelung (mit oder ohne Lack) war die Entscheidung auf amerikanisch Nussbaum, geölt und gewachst in seidenglänzend, gefallen. Zuvor wurde bei uns eine Bestandsaufnahme gemacht – denn es sollte nachher ja auch alles wieder richtig funktionieren.

Also erst einmal Ansichten des Original-Plattenspielers.

Auch hinten genau hinschauen, denn die Schildchen sollen nachher auch wieder an den exakt richtigen Platz. Zudem sollte die leider nicht sehr professionell nachträglich angebaute zu dicke Cinchleitung gegen eine „normale“ und kürzere (rund 1 m) ersetzt werden.

Der Unitorque-Motor und seine Abdeckung.

Nach Abnahme der Bodenplatte wurde die gesamte Mechanik und Elektronik fotografiert, um nachher alles wieder korrekt zu montieren.

Merken, wo welches Kabel hinkommt…

…auch hier…

…auch die Mechanik: welche Stange kommt wohin und wie ist sie eingehängt…

..wie ist das alles genau montiert…

…noch zwei Stangen…

…hier von der anderen Seite…

…und jetzt ist schon fast alles rausgebaut.

Die Seriennummer aus Papier wird wohl nicht zu erhalten sein, die geht sofort kaputt, wenn man versucht, sie abzulösen.

Nach rund drei Wochen Wartezeit (deshalb die ganzen Fotos, denn es ist schwierig, sich alle Details so lange zu merken, insbesondere dann, wenn man in den drei Wochen ungefähr zwei Dutzend andere Geräte auf dem Tisch hatte) kam die Zarge mit dem neuen Furnier zurück. Wir haben sie zweimal geölt und gewachst (mit Clou Hartwachs-Öl). Nach dem Trocknen kam eine Schicht Renuwell Möbel-Wachs farblos darauf, die nach der Trocknung mit Bürsten (von Hand) auf Seidenglanz gebracht wurde.

nochmal von vorne, oben ist von hinten

aus der Nähe

und hier wieder alles montiert, getestet und gereinigt.

Insbesondere die exakte Montage des Tonarms ist kritisch, da die Endabschaltung sonst nicht an der richtigen Stelle auslöst.

Optisch hat der Plattenspieler meines Erachtens nach stark gewonnen, oder?

Rechts und links läuft das Furnier weiter, vorne läuft es parallel.

Die beiden Hebel für Lift und Geschwindigkeit sind besonders schön, so ähnliche hatte auch schon der PS-38.

Hinten wurde wie gewünscht ein „normales“ Tonkabel montiert.

Auch die Scharniere wurden wieder montiert. Zur Montage nach dem Furnieren ist es extrem wichtig, dass der ausführende Tischler alle benötigten Löcher, wieder so präpariert, dass man hernach dort wieder eine Schraube eindrehen kann. So ist gewährleistet, dass alles wieder exakt an seinen Platz kommt. Glücklicherweise haben wir als Partner-Betrieb dafür die Retro-Tischlerei Niko Benke in Buchholz bei Niemegk, die alle diese Holzarbeiten so wundervoll ausführt, dass es immer wieder eine Freude ist.

Auf der Rückseite kann man sehen, dass das Typenschild wieder am richtigen Platz sitzt. Die Seriennummer wurde neu angefertigt und angeklebt.

So macht das Arbeiten an alten Hifi-Geräte richtig Spaß, wenn dabei etwas Neues entsteht, was dennoch schon 40 Jahre alt ist. Wo gibt es so etwas sonst noch?

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