Sansui AU-X11 - eine Endstufe mit Phonovorverstärker von 1982

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Eine Endstufe mit Phonovorverstärker? Doch, genau so wurde der Sansui AU-X1 in Fachzeitschriften genannt, als er 1979 heraus kam. Ein riesiger Vollverstärker, der zwar weder Klangsteller noch eine Loudnessschaltung oder irgendwelche Filter hatte, dafür aber getrennte Pegelsteller für rechts und links (die somit auch als Balance-Einstellung fungierten) aufwies. Ebenso finden sich gleich zwei externe Eingänge, die man mittels eines Schalters an der Frontplatte anwählen kann, die die direkt auf die Endstufeneingänge geschaltet sind. Der AU-X1 verfügt über zwei Phonoeingänge (MM und MC umschaltbar), sowie Tuner, Aux und zwei Tape-Eingänge. Die Phonovorstufen sind jedoch in einer atemberaubend aufwändigen Weise ausgeführt, allein die vier Steckkarten für die Phono-Entzerrung und -Verstärkung umfassen weit mehr als die meisten Vorverstärker insgesamt. Die Fachzeitschriften waren seinerzeit voll des Lobes über den AU-X1, der hierzulande fast 3.000,- DM kostete. Und genau diesen Verstärker der Superlative hat man bei Sansui drei Jahre später nochmals überarbeitet und verbessert. Dieser Nachfolger AU-X11 erschien 1982 und fand nie den Weg in die europäischen oder us-amerikanischen Märkte, er wurde ausschließlich in Japan angeboten. Dementsprechend selten tauchen solche Geräte hierzulande auf. Ich durfte nun an einem solchen in dieser Woche arbeiten und ich muss sagen, der Verstärker hat mich nachhaltig beeindruckt. Der Phonovorverstärker ist noch umfangreicher geworden, die Endstufe hingegen blieb unangetastet , sie leistet nach wie vor je nach angewendeter Norm 2 mal 160 Watt an 8 Ohm (Sansui-eigene Bedingungen) oder auch 2 mal 315 Watt sinus an 4 Ohm (nach DIN). Auch die Optik wurde kaum verändert – der Verstärker erhielt sehr vornehme Holzseitenteile, die der AU-X1 nie hatte. In Japan stieg der Verkaufspreis von 210.000 Yen für den AU-X1 auf 275.000 Yen für den AU-X11

Das ist eine Steckkarte aus dem AU-X11, zuständig für Phono-MC – für einen Kanal! Erneuert werden müssen unbedingt die Relais (unten im Bild), die jedoch weltweit nicht mehr als Neuteile zu finden sind. Es handelt sich um Fuji 221D024, die wir mit Hilfe eigens für uns angefertigter Transfer-Platinen mit gekapselten und noch erhältlichen Relais ersetzen.
Hier dieselbe Platine, mit dem neuen Relais und ebenso erneuerten Elkos. Hier sind jeweils sieben PNP- bzw. NPN-Transistoren parallel geschaltet um das Eigenrauschen des MC-Headamps zu minimieren.
Die nachgeschaltete MM-Platine benötigt kein Relais, dort genügte es, einen „black flag“ Kondensator zu erneuern. Diese neigen dazu, die merkwürdigsten Fehler zu verursachen, weshalb der vorsorgliche Austausch unbedingt angeraten ist.
Nachdem die Phonosektion, mit insgesamt sechs weiteren dieser Fuji-Relais auf der Mutterplatine fertig bearbeitet war, kamen die vorderen Platinen an die Reihe. Dort sitzt das neunte Relais dieser Sorte und mutet die Wiedergabe, sobald man etwas im Phonozweig umschaltet. Zudem wurde die gesamte Beleuchtung der Eingangsumschaltung erneuert. Zum Glück ist die Werkplatte für den Service demontierbar.
Die ungeregelten („weichen“) Netzteile für die Endstufen sind in Doppelmono für jeden Kanal getrennt ausgeführt. Aber auch die geregelten („harten“) Netzteile sind im AU-X11 streng kanalgetrennt ausgeführt – alles ist doppelt vorhanden und darüber hinaus völlig überdimensioniert.
Dies ist die gesamte Phonosektion, die erneuerten Umschaltrelais kann man auf dem Boden erahnen… Die Platinen sind alle vier oben mit Kühlkörpern ausgestattet, die mit dem Abschirmblech verbunden sind – daher die Wärmeleitpaste.
Die Endstufe ist mit je zwei parallel arbeitenden TO-3-Transistoren ausgestattet, die von Sanken eigens für Sansui hergestellt wurden. Oben im Bild ist natürlich nur ein Kanal.
Hier speichern insgesamt 80.000µF die Kapazitäten der Endstufen.
Das ist die Gesamtansicht des Verstärkers von oben, alle Abschirmbleche sind wieder an ihrem Platz. Der riesige Ringkerntrafo versorgt die Endstufen, der kleinere EI-Trafo alle geregelten Spannungen. Die Phono-Sektion befindet sich rechts im Gerät.
Der Blick von unten ins Gerät, offenbart unter anderem noch eine Softstart-Einrichtung mit einem 25W-Widerstand plus Relais (oben rechts im Bild).
Die schicken Holzseitenteile unterscheiden den AU-X11 sofort von seinem bekannten Vorgänger.
Die Holzwangen passen aber auch wirklich richtig gut zu diesem Verstärker, oder? Der Trumm bringt 28,2 kg auf die Waage und ist beachtliche 20 cm hoch.
Hier sieht man, wie minimalistisch der wirklich dicke Vollverstärker ausgestattet ist. Links der Power-Schalter, Lautsprecherwahlschalter für zwei Paare, zwei Pegelsteller für rechts und links,…
…ein Wahlschalter, mit dem man den AU-X11 entweder als Endstufe oder als Vollverstärker betreibt, der Jump-Schalter setzt den Pegel um 15 dB herunter, der Subsonic-Schalter schützt in aktiviertem Zustand die Endstufen vor möglicher Gleichspannung an den Eingängen. Daneben gibt es noch einen Kopierschalter für die Tapes, sowie ganz rechts den rot beleuchteten Eingangswahlschalter. Oben das Volumepoti. Alles funktioniert wie am ersten Tag – beeindruckend!
Offenbar weil es die zweite, verbesserte Auflage des AU-X1 war, erhielt der AU-X11 1982 bereits diese Aufschrift. Hierzulande war erst Jahrzehnte später von Vintage-Geräten die Rede!
Die Rückseite ist leider schon etwas von Rosteinwirkung befallen, was man an aus Japan importierten Geräten häufig findet. Die Phonobuchsen sind vergoldet, die vernickelten bereits überwiegend angelaufen, besonders jene, welche nicht benutzt wurden.
Die Lautsprecherrelais wurden selbstverständlich auch erneuert, die Terminals auf Wunsch des Besitzers auf Bananenstecker-fähige Polklemmen umgerüstet. Wir gehen dabei möglichst schonend vor, damit das Aussehen des Gerätes möglichst unverändert bleibt. Das in Japan verkaufte Gerät kann, nach wie vor, nur mit 100 Volt betrieben werden.

So einen AU-X11 habe ich zuvor noch nie in der Hand gehabt, deswegen sollte dies auch dokumentiert werden. Ich hätte nie gedacht, dass man bei Sansui daran gedacht hatte, den ohnehin schon sagenumwobenen AU-X1 nochmals zu verbessern. Diese Mission darf aber als durchaus gelungen betrachtet werden.

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