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Kraus KPA-100 und KPR-100

Der japanische Hersteller von Keramik-Werkstoffen, aber auch Fotokopierern, Druckern und Fotoapparaten (Yashica und Contax) unternahm Anfang der 1980er Jahre auch einen Ausflug in die damals boomende Hifi-Sparte unter dem Namen Cybernet. In Deutschland wurden die Geräte in Deutschland von der Firma EPD in München vertrieben,  im Auftrag produziert wurden sie angeblich von Marubeni in Japan, die auch unter dem Namen Benytone (Vertrieb durch all-Akustik, Hannover) auftraten. Die In Frankfurt/Main ansässige Firma Kraus System Elektronik GmbH & Co ließ sich einige Geräte anfertigen und verkaufte diese unter eigenem Label. Darunter auch diese Mini-Anlage, von denen es auch noch kleinere Versionen gab.  Sie waren nahezu baugleich mit Cybernet Minianlagen. Die Cybernet-Geräte waren meist silber, die Kraus-Geräte meist braun.

 

Die Geräte waren deutlichst besser als ihr Ruf, aus diesem Grund möchte ich heute einen Vor- und einen Endverstärker aus der Mini-Anlage 100 vorstellen, da diese heute leider nur noch selten anzutreffen sind. Es gab dazu noch einen (Synthesizer-)Tuner und ein 2-Motoren-Kassettendeck. Alles in durchweg ansprechender Qualität. Als diese neu waren, habe ich bei King Music in Berlin gearbeitet und hatte die häufig auf dem Tisch, die waren nicht schlechter als z.B. die Toshiba- oder Aiwa-Minis, die damals viel verkauft wurden.

 

Der Endverstärker KPA-100 leistet 2 mal 70 Watt sinus an 8 Ohm, was für diese Größe schon erstaunlich ist.

 

Innen finden sich die damals absolut üblichen Bauteile, die sich von den etablierten Markengeräten in keinster Weise unterscheiden. Oben im Bild das Lautsprecherrelais, welches natürlich erneuert wurde. Ein JC2-Relais von Matsushita (heute nur noch Panasonic genannt).

 

In der Endstufe stecken NEC-Transistoren (2SB705 und 2SD745) – und jeder einzelne Transistor hat seinen eigenen, großzügig bemessenen, Kühlkörper.

 

Nach Abnehmen der Frontplatte kommt man halbwegs an alles heran – dieses Schicksal teilen aber nahezu alle Mini-Geräte. In der Mitte thront ein dicker Ringkerntransformator in Rechteck-Ausführung.

 

Die Platine von unten, die Leiterbahnen kann man nicht gerade als filigran bezeichnen, da dürfen ruhig größere Ströme fließen.

 

Der Vorverstärker KPR-100 ist nur rund 50 mm hoch und bietet dennoch vielfältige Anschlussmöglichkeiten, sowie eine solide Verarbeitung.

 

Hier der Eingangswahlschalter (ebenfalls von Matsushita), der über einen Bowdenzug von der Front her bedient wird, sich aber in der Nähe der rückseitigen Cinchbuchsen befindet. Er wurde ausgelötet (wie man unschwer sehen kann) und wie üblich gereinigt.

 

HIer der Blick in das gesamte Gerät von oben. Der Eingangswahlschalter ist bereits wieder an seinem angestammtem Platz. Rechts davon befindet sich der aufwändige Phono-Vorverstärker, der sowohl Moving Magnet- als auch Moving Coil-Systeme verarbeiten kann. An der Frontplatte befindet sich ein entsprechender Umschalter.

 

Hier wurden sämtliche Kondensatoren erneuert, da bereits einige ausgetauscht waren, aber leider mit allerbilligsten China-Elkos ersetzt waren. Nun sind dort ausschließlich Panasonic- und Nichicon-Elkos verbaut, darunter auch fine-gold-Audio-Elkos (gold) und Muse-Bipolar-Elkos (grün).

 

Oben sieht man den Hochpegelverstärker, auch hier wurden einige Elkos erneuert.

 

Dies ist die Platinenunterseite des Vorverstärker, auch diese sieht sehr solide aus.

 

Der Vorverstärker hatte den Fehler, dass in einem Kanal zeitweise starke Störgeräusche auftraten, bis hin zu lautem Knallen. Da der hier verwendete Doppeltransistor 2SA798 von Mitsubishi solche Erscheinungen sehr häufig zeigt, wechselte ich vorsichtshalber beide aus. Zum Glück verfügen wir noch über Vorräte von diesem Typ.

 

Die Geräusche samt Knallen blieben jedoch auch mit den neuen Transistoren! Also habe ich mit Hilfe von Kältespray den Verursacher ermittelt. Es stellte sich der oben im Bild gezeigte Transistor 2SA564A als Übeltäter heraus. Das ließ sich mit Hilfe eines auf -40 Grad abgekühlten Wattestäbchens (Störgeräusche sofort weg) und meines Lötkolbens kurz auf den Transistor aufgelegt (Störgeräusche sofort wieder da) verifizieren. Ein neuer Transistor gleichen Typs (der oben im Bild) und der Vorverstärker lief wieder störungsfrei.

 

Nach einer gründlichen Reinigung wurde alles wieder montiert und konnte komplett abgelichtet werden. Leider gibt es schon einige Stellen im recht empfindlichen braunen Lack.

 

Die kleine Endstufe hat insgesamt eine riesige Kühlfläche, zwei Kühlkörper seitlich, die anderen beiden hinten.

 

Vorne gibt es einen Netzschalter und die beiden Lautsprecherwahlschalter.

 

In der Mitte eine doppelte LED-Kette als Power-Meter, rechts davon ein Empfindlichkeitsumschalter sowie ein Mutingschalter.

 

Die Power-Meter in voll ausgesteuertem Zustand.

 

Am Vorverstärker finden sich neben dem Netzschalter, noch eine Überbrückung für das gesamte Klangregelteil, zwei Filter, sowie immerhin drei Klangsteller.

 

Volume und Balance sind auf einer Achse angeordnet, schaltbare Loudness und zwei Tape-Monitor-Schalter sowie der Eingangswahlschalter vervollständigen die Bedienelemente auf der Frontplatte.

 

Hinten finden sich Phono-Buchsen (MM und MC getrennt), Tuner, AUX und zweimal Tape-Anschlüsse, für ein Tape sogar als DIN zusätzlich.

 

Ganz rechts befindet sich der Cinch-Ausgang, der mit der Endstufe verbunden wird.

 

Hier nochmal die Endstufe von hinten, es fällt erneut die gigantische Kühlfläche auf.

 

Es gibt Lautsprecheranschlüsse für zwei Paar Boxen. Die Endstufe lässt sich aber mittels des Umschalters oben im Bild auch als Brückenendstufe in Mono betreiben. Man hat dann die doppelte Leistung, darf jedoch nur noch Boxen mit mindestens acht Ohm anschließen. Für Stereo benötigt man dann zwei Endstufen. Das ergibt dann eine Mini-Anlage mit 2 mal 140 Watt sinus an 8 Ohm – Respekt!

 

Zu Unrecht sind die Marken Cybernet und Kraus in Vergessenheit geraten – auch diese haben es durchaus verdient, längere Zeit erhalten zu werden.

 

 

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