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ITT 8045

1978 war ein Jahr in dem die Hifi-Branche boomte – allein in Deutschland wurden mehrere hundert Millionen DM pro Jahr mit Hifi umgesetzt. Allen voran die Japaner, die den Markt fest im Griff hatten. Die heimischen Vollsortimenter, wie Grundig, Saba, Telefunken, Nordmende, Schaub-Lorenz oder Wega (um nur die größeren zu nennen) verkauften im Vergleich dazu sehr wenig und dies nur an ältere Menschen, die keine englisch beschrifteten Fronten mochten. Die Geräte der Zeit bis 1978 sahen so aus, dass jüngere Leute davon garantiert nicht angesprochen wurden und sich daher fast ausschließlich den Anlagen aus Fernost zuwandten.

 

In diesem Jahr 1978 begann der große Umbruch der deutschen Unterhaltungselektronik-Industrie: die meisten Hersteller standen kurz vor dem Ruin und mussten zwangsläufig aufgeben oder verkaufen. Wega wurde von Sony übernommen, Saba, Nordmende und Telefunken von Thomson (Frankreich), Schaub-Lorenz und Graetz von ITT (USA). Selbständig blieb vorerst nur Grundig,  der aber wenige Jahre später von Philips geschluckt wurde.

 

Schaub-Lorenz und Graetz waren bis dahin alteingesessene und angesehene Unternehmen, allerdings mit wegsterbender Stammkundschaft. Die neuen ITT-Manager setzten daher auf Hifi-Geräte aus Japan und verbündeten sich mit dem japanischen Mitsubishi-Konzern, der bis dahin auf dem außerjapanischen Märkten nur eine kleine Rolle spielte, da man sich nur auf einen sehr hochpreisigen Sektor konzentrierte. Es wurde also eine komplette Linie bei Mitsubishi geordert (Verstärker, Tuner, Receiver, Kassettendecks und Plattenspieler) modern gestylt und interational ausgerichtet, um damit auch jüngere Käufer anzusprechen. Dem kommenden Jahrzehnt zu huldigen, nannt man das Programm einfach “80”. Es kam an und die Marke blieb noch rund 20 Jahre bestehen.

Saba und Nordmende unternahmen unter der Leitung der neuen französischen Manager ganz Ähnliches. Die neuen Gerät dort stammten überwiegend von Sanyo und NEC, Plattenspieler auch von CEC und JVC (Nordmende: Philharmonic-Serie, SABA: TS-2000, VS2160, PSP-250, etc). Die Siemens-Anlagen aus dieser Zeit stammen ebenfalls von Sanyo (Serien 444,555,666 und 777). Die neuen WEGA-Geräte stammten natürlich alle von Sony (Modul 42 und JPS-Serie). Telefunken und Grundig versuchten noch kurze Zeit mit eigenen Produkten zu überleben – dabei wurde sehr viel Geld mehr oder weniger versenkt. Blaupunkt (zum Bosch-Konzern gehörend) versuchte es mit Sansui- und Yamaha-Modellen (Artech-Baureihe).
Schade, denn es stecken sehr viele und sehr gute Ideen in Hifi-Entwicklungen aus Deutschland – gekauft wurden aber viel mehr Japaner!

 

 

 

Als Stellvertreter der Serie 80 von ITT wird hier der 8045 vorgestellt, ein Verstärker mit 2 mal 95 Watt sinus an 4 Ohm nach DIN und einem Gewicht von 14 kg. Daten diese Größenordnung waren bisher im Programm dieses Anbieters nicht zu finden. Der 8045 war der größte Verstärker innerhalb der Baureihe, er übertraf sogar die Leistungsdaten der Vor-/Endverstärkerkombination 80143 und 80145. Hersteller aller dieser Geräte ist, wie bereits erwähnt, Mitsubishi in Japan.

 

 

 

 

Der Verstärker ist, jedenfalls für einen deutschen Anbieter, außerordentlich vielseitig ausgestattet und übersichtlich konstruiert. Die Frontplatte wurde zur Demontage der Schalter und Potis abgenommen.

 

Innen ist zeitgenössisch, übliche Technik zu sehen. Die Endstufen werden verzögert per Relais mit den Lautsprechern verbunden.

 

Die Endstufen sind überaus kräftig ausgelegt, alle vier Treiber (Spannungsverstärker) sitzen auf kleinen Kühlblechen. Das Relais wurde natürlich erneuert.

 

Die stromverstärkenden Endtransistoren sind von unten auf den großen Kühlkörper montiert. Es handelt sich um die bekannten “Flügeltransistoren” 2SB618 und 2SD588 von NEC, jeweils zwei parallel geschaltet. Heut nur noch schwierig zu beschaffen – es war aber alles unbeschädigt.

 

Der Phono-Vorverstärker ist für MC und MM ausgelegt und kann mit einer maximalen Empfindlichkeit von 0,1mV aufwarten.

 

Schalter und Potis sind allesamt von ALPS, wie in fast allen Japan-Geräten dieser Baujahre.

 

Der Eingangswahlschalter ist mit einem Tastensatz mit gegenseitiger Auslösung realisiert.

 

Der Verstärker besitzt zwei Trafos, allerdings keine Doppel-Mono-Schaltung, sondern arbeiten einfach parrallel.

 

Füpr den Vorverstärker stehen stabilisierte Netzteile zur Verfügung.

Eine große Leitungsanzeige aus grünen Leuchtdioden ziert die Front, wunderbar ausgelegt, damit auch bei kleinen Pegeln etwas angezeigt wird – ohne Empfindlichkeitsumschaltung.

 

Der jeweils angewählte Eingang wird von je einer Lampe angezeigt

 

Von aussen ist der Verstärker kühl und sachlich gestaltet.

 

Die Front ist übersichtlich, bis auf den Power-Knopf und den Balance-Steller alles auf einer Achse.

 

Die Beschriftung ist international, also englisch. Zwei Gruppen Lautsprecher sind wählbar, die Leistungsanzeige abschaltbar, zweistufige Low- und High-Filter und die Bass-, Mitten- und Höhen-Steller sind mit je zwei Einsatzfrequenzen ausgestattet.

 

Zwei Tape-Monitor-Anschlüsse mit Überspielmöglichkeiten sind auch vorhanden.

 

Neben dem Volume-Steller ist auch noch eine zuschaltbare, gehörrichtige Lautstärkeregulierung vorhanden. Alle Knöpfe sind solide aus Metall.

 

An der Rückseite sind sämtliche Anschlüsse in DIN und Cinch ausgeführt. So konnte man auch mit möglicherweise schon vorhandenen japanischen Geräten ohne Adapter kombinieren. Auch bei den Lautsprechern gibt es die international üblichen Klemmen für blanke Kabel.

 

Die Phonoanschlüsse sind für MM und MC ausgelegt, bei DIN jedoch nur für MM.

 

Dieser 8045 von 1979 kann ebenso begeistern wie etliche Modelle, die auch an der Front schon aus Japan kommen.

 

 

 

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