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Cybernet CR-200 - Ein Receiver von 1978

 

 

Im Jahr 1978 kam ein bis dato hierzulande unbekannter japanischer Hersteller auf den Markt. Den Vertrieb übernahm die in München ansässige Firma EPD , die bereits mit den Marken Epicure, Sonus und McLair am Hifi-Markt vertreten war. Diese neue Marke nannte sich Cybernet, wobei zu beachten ist, dass dieser Name sich nicht „ßeibernet“ ausspricht, sondern „Küberneh“ – keine Ahnung weshalb, man legte aber Wert darauf. Zunächst hatte man ein Programm bestehend aus drei  Vollverstärkern (CA-60, CA-110 und CA-200), einem Vorverstärker (CA-202P), einer Endstufe (CA-200M), einem Tuner (CT-22) und vier Receivern (CR-40, CR-60, CR-110 und CR-200). EPD bewarb das Ganze originell mit dem Spruch: „Die unbekannteste HiFi-Marke Deutschlands“.


Es gab auch Minianlagen von Cybernet, die auch unter dem Namen Kraus in Deutschland vermarktet wurden. Diese waren, ebenso wie die größeren Geräte, in durchaus akzeptabler Qualität gefertigt. Der Markterfolg war jedoch insgesamt eher bescheiden, weshalb Geräte dieser Marke heute nur noch sehr selten anzutreffen sind.
1982 wurde Cybernet dann von Kyocera (entstanden aus Kyoto Ceramics), die sich inzwischen auch bei Druckern und Fotoapparaten (Yashica und Contax) einen Markt eroberten. Mit Hilfe der kleinen Marke Cybernet sollte auch der Durchbruch in der Hifi-Welt geschafft werden. Hierzu brachte man sehr aufwändige und teure Geräte auf den Markt, die sich aber nur noch schwach verkaufen ließen, weshalb der Konzern sich nach und nach  aus diesem Segment zurückzog.


Auf unserem Tisch stand nun der größte Receiver aus der ersten Baureihe von Cybernet, der CR-200. Der größte Receiver aus dieser Baureihe wurde übrigens baugleich auch als beim französischen Pioneer-Importeur Jack Setton als Setton RS-660 angeboten. Der besser gestylte Setton-Receiver verkaufte sich wohl letztendlich besser… Der Receiver kostete in Deutschland fast 2.000 DM und bot dafür 2 mal 100W sinus an 8 Ohm (2 mal 140 W an 4 Ohm), er wog 17 kg.


Der innere Aufbau zeigt eine gewisse Routine, der Netztrafo ist ausreichend dimensioniert, die Railspannungen sind mit  zweimal 15.000µF gut gestützt. Die beiden Endstufenplatinen sind völlig identisch und sitzen jeweils direkt auf großen Kühlkörpern, die je zwei Sanken 2SA747 und 2SC1116A pro Kanal beherbergen. Das Klangregelteil ist mit Bässen, Mitten und Höhen, etlichen Filtern und wählbaren Einsatzfrequenzen ausgestattet. Im Unterschied zum Setto hat der CR-200 zwei Phonoeingänge und nur einen Aux-Eingang, der Setton umgekehrt. Zusätzlich sind zwei Tapes mit Überspielmöglichkeiten vorgesehen. Für den Tuner sind Zeigerinstrumente für Feldstärke und Mittenanzeige vorhanden, alle andere wird mit roten LEDs angezeigt, sogar eine flackernde Leistungsanzeige auf der rechten Seite. Zusätzlich sind Vor- und Endverstärker auftrennbar. Man kann drei Paar Lautsprecher anschließen.


Insgesamt zeugt das Gerät von durchaus ansprechender Qualität und kann sich in dieser Preislage gegen die Konkurrenz behaupten. Lediglich der Name war nicht so bekannt...