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TEAC AG-6500 - ein Receiver von 1972

von:  | Kategorie: Gerätevorstellungen

Die Marke TEAC entstand 1964 durch den Zusammenschluss von zwei Firmen für Fernsehen und Elektroakustik. Zunächst etablierte man sich als Spezialist für Tonbandgeräte, wofür diese Marke bis heute einen tadellosen Ruf hat. Später baute man im Semiprofessionellen Bereich auch unter dem Namen TASCAM. TEAC baute aber auch andere Geräte, wie Kassettendecks, Tuner, Verstärker, Receiver und autark arbeitende Rauschunterdrückungssysteme (Dolby B). Der Vertrieb in Deutschland oblag damals der Firma Hanimex in Hannover. mehr lesen

Ein Umschalter für sechs Verstärker an zwei Boxen mit sechs Quellen

von:  | Kategorie: Gerätevorstellungen

Viele Freunde der alten Hifi-Geräte kennen das Problem: ständig das Umstecken der Kabel, wenn man ein anderes Gerät zum Hören verwenden möchte. Daher sind die Verstärkerumschalter, die wir nun schon seit zehn Jahren bauen, recht beliebt und werden immer wieder bestellt. Dabei fertigen wir diese Umschalter immer auf Kundenwunsch erst an, häufig auch von den Standardmodellen abweichend. Der Kunde bestimmt, wie sein Umschalter aussieht: er kann ein schwarzes oder ein silbernes Gehäuse haben, er kann die Farbe der Leuchtdioden an der Front wählen (grün, rot oder gelb) und er kann Einfluss auf die Gestaltung und die Art der Anschlussbuchsen nehmen. Nahezu alle Kundenwünsche konnten bisher erfüllt werden.

Diesesmal war ein ganz besonderer Umschalter gewünscht. Er sollte sechs Verstärkern oder Receivern den Anschluss an zwei Paar Lautsprecher ermöglichen und darüber hinaus sollten auch noch sechs (Hochpegel-)Quellen ausgewählt werden können.

Das Gehäuse sollte in etwa so groß sein wie ein übliches Hifi-Gerät, also wurde diesesmal ein etwas größeres Gehäuse verwendet. Leider müssen dann alle Löcher in der Rückwand in Stahlblech gebohrt werden. In diesem Fall mussten auch noch zwei Blechfalze entfernt werden, damit genügend Platz für die Anschlussbuchsen auf der Rückwand vorhanden ist. Aluminium bearbeitet sich deutlich einfacher. An der Front oben in der Mitte befindet sich eine kleine rote LED, die nur im Nichtbetrieb (stand-by) leuchtet.

Wird der Umschalter mit dem Boxenwahlknopf eingeschaltet, erlischt die rote LED und die größeren, grünen LED’s leuchten und zeigen dabei an, welcher Verstärker, welche Quelle und welches Boxenpaar gerade ausgewählt ist.

Oben im Bild also das Boxenpaar A und der Verstärker 2.

Hier wurde gerade der Verstärker 4 gewählt…

…und dieser Verstärker läuft gerade mit der Quelle Nr. 3. Die gewählte Quelle spielt stets an dem gewählten Verstärker.

An der Rückwand befinden sich Polklemmen und Cinchbuchsen für alle anschließbaren Geräte.

Hier kann man erkennen, wieviel Platz an der Rückwand gebraucht wird. An den linken Cinchbuchsen (IN) werden die Quellen angeschlossen, an den rechten Buchsen (OUT) geht es zu den sechs Verstärkern (AUX-Eingang). Die Cinchbuchsen werden dann einfach gleichzeitig mit umgeschaltet.

Hier die Front von hinten mit der Verdrahtung.

Die großen Umschaltrelais mit 12A-Kontakten, es wird allpolig umgeschaltet, also beide Plus- und Minus-Anschlüsse der Lautsprecherausgänge.

Dazu gehören in diesem Fall auch alle Anschlusskabel, sowie fünf Dipole für Tuner.

Jeder Umschalter ist ein Unikat!

Yamaha YP-D71 - ein wundervoller Dreher von 1978

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In Deutschland tauchte die Tochtermarke des weltgrößten Musikinstrumenten-herstellers der Welt erst 1972 auf. Ich arbeitete seinerzeit noch bei Hintze-Hifi in Berlin, als der Yamaha-Vertreter damals auftauchte und uns jeweils drei Verstärker, Tuner und Receiver verkaufte (CA-300, 500 und 700, CT-300, 500 und 700 sowie CR-300, 500 und 700). Die Geräte gefielen mir außerordentlich gut, sie waren extrem gut verarbeitet und konnten mit sehr guten Daten überzeugen, auch die Preise gingen völlig in Ordnung. Nur: alle Geräte hatten DIN-Buchsen und auch deutsche Lautsprecherbuchsen – extra gemacht für Deutschland. Da hatte man den Japanern wohl erzählt, dass die Deutschen das so haben wollten – uns hat es damals arg geschockt. Wir wollten Cinchbuchsen und Lautsprecherklemmen – so wie in Japan üblich. Bereits die nächste Generation hatte das auch so und man erweiterte rasch die Angebotspalette und verbesserte ständig die Geräte. So entwickelte sich Yamaha zu einem sehr bedeutenden Hifi-Anbieter. Ende der 1970er-Jahre gehörte Yamaha zu den absolut etablierten Hifi-Herstellern und bot erstklassige Geräte an. Inzwischen arbeitete man hierzulande nur noch mit ausgesuchten Händlern zusammen, die richtig gut verdienen konnten mit den Produkten, allerdings auch rasch keine Ware mehr erhielten, wenn heraus kam, dass man die Geräte unter den empfohlenen Preisen verkaufte.

Im Jahr 1978 erschien der YP-D71 als kleiner Bruder des teuren YP-D8, obschon er diesem in kaum einer Eigenschaft irgendwie nachstand. Ein manueller Plattenspieler mit optoelektronischer Endabschaltung, wobei der Lift hochgefahren wird und der Plattenteller stehen bleibt – jedoch ohne Tonarmrückführung. Das ganze in einem soliden, echtholzfurnierten Holzgehäuse – das musste viele Fans begeistern. Wenn ich mir heute solche Plattenspieler anschaue, kann ich überhaupt nicht verstehen, weshalb sich 1978 noch jemand einen Dual CS-721 gekauft hat. Stellt man die beiden nebeneinander, sieht man, was ich meine…

Dieses Exemplar in Nussbaum-Furnier (es gab noch ein dunkelrotes, palisander-ähnliches Furnier, was Yamaha Macassar nannte) wurde bei ebay ersteigert und direkt zu uns gesendet. Zunächst haben wir das Gerät untersucht und über die äußerst stabile Zarge gestaunt. Mehrere Lagen dichte Preßspanplatten sind miteinander verleimt. Hier ein Blick von unten in die offene Zarge.

Auf dieser Platine ist die Motorsteuerung untergebracht. Die Geschwindigkeit ist quarzgeregelt und nicht einstellbar.

Auf der kleineren Platine ist die optoelektronische Endabschaltung nebst der Liftsteuerung zu Hause. Der Lift funktioniert mit einem Hubmagnet.

Selbst die Bodenplatte, bei sehr vielen Plattenspielern aus Hartfaser in 3 mm Stärke gefertigt, besteht hier aus einer 16mm starken, hochdichten Spanplatte.

Die vier Federfüße sind völlig intakt – auch das ist längst nicht immer der Fall.

Von außen besticht dieser Plattenspieler durch seine Schlichtheit, verbunden mit einer absoluten Eleganz.

Links findet sich ein Schalter zum Wählen der Geschwindigkeit, es ist auch gleichzeitig der Ein- und Ausschalter. Dreht man ihn auf ON, passiert aber noch gar nichts.

Erst wenn man den Schalter auf der rechten Seite auf PLAY dreht, setzt sich der Teller in Bewegung. Gleichzeitig fährt der Tonarmlift nach unten – man muss also vorher den Tonarm über die Platte schwenken, an die Stelle, die man gerne hören möchte.

Ausgestattet ist dieses Exemplar mit dem Yamaha MC-1X, ein Moving-Coil System mit einer Ausgangsspannung von 0,2mV, welches also unbedingt einen empfindlichen MC-Eingang erfordert. Leider war die Nadel abgerissen, was wir jedoch von einem Nadelspezialisten retippen liessen. Praktisch ist die integrierte Headshell.

Der Tonarm ist ein mechanisches Meisterstück, fast identisch mit dem des YP-D8 und mit einem Feingewindesystem in der Höhe einstellbar.

Auch die Haube mit den Scharnieren ist noch in einem guten Zustand, mit nur wenigen Kratzern, die Haube bleibt sicher oben.

Das Typenschild an der Rückseite weist dieses Exemplar als europäische Version aus, beachtlich ist das originale, dicke Cinchkabel, womit der YP-D71 ausgestattet ist.

Eine selten auftauchendes, begehrenswertes Sammlerstück!

Marantz 2216 - ein "kleiner" Receiver von 1977

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Über Marantz wurde bereits viel geschrieben: einst eine hochgelobte US-Manufaktur um Saul Marantz, seit den 1960er Jahren aber ein japanischer Hersteller, der stets versucht, das US-amerikanische Image beizubehalten. Dabei hatten die Geräte dieser Traditionsmarke schon lange nichts mehr mit den Ursprüngen zu tun. Die erste rein japanische Serie von Receivern (die Modelle 2215, 2230, 2245 und 2270) von 1971  sorgt bis heute für einen unglaublich elitären Ruf, dem die Geräte eigentlich gar nicht gerecht werden können. Denn sie sind zwar ordentlich, aber keineswegs überragend aufgebaut – solide Mittelklasse halt. Verkauft wurde diese erste Serie in riesigen Stückzahlen, trotz überzogener Preise (der 2270 kostete 1973 2.890,- DM – mehr als ein deutlich überlegener Pioneer SX-2500!!), von dem der Fachhandel durch extrem hohe Margen gut profitierte. Wegen der hohen Gewinnspanne des Handels wurde Marantz seinerzeit über die Maßen hochgelobt und das hat teilweise bis heute Nachwirkungen.

Der heute vorgestellte 2216 stammt aus der zweiten Generation von Receivern, die bei Marantz-Fans nicht ganz so hohen Stellenwert besitzt wie die erste – technisch aber eindeutig erheblich besser konstruiert war. Dieser kleinste Receiver, der den 2215 ablöste, kostete 1977 immerhin noch rund 1.000 DM, denn die Preise verfielen unter dem enormen Konkurrenzdruck rasch. Er hatte eine Ausstattung, die einem karg vorkommt, aber die den tatsächlich benötigen Anforderungen von rund 90% aller Käufer vollauf genügten. Man konnte einen Plattenspieler, eine weitere Hochpegelquelle (AUX) und ein Tape, sowie zwei Paar Lautsprecher anschließen – also was? Seine Leistung lag nominal  bei 2 mal 16 Watt an 8 Ohm nach IHF, was nach DIN 2 mal 22 Watt an 4 Ohm bedeutete. Auch das genügt den meisten Hifi-Anwendern in ihrem Wohnzimmer.

Im Innern sieht man einen AM/FM-Receiver mit einem recht kleinen Transformator (150VA) – alle Baugruppen sind auf Einzelplatinen untergebracht, die man sich bei Matsushita (heute Panasonic) herstellen ließ.

Hier von unten betrachtet, die Verdrahtung der Platinen untereinander ist recht ordentlich gemacht. Das Netzteil (in der Mitte zu sehen) war defekt und musste instandgesetzt werden, da das Gerät nur noch laut brummte.

Die Endstufe ist in quasikomplementärer Bauart ausgeführt, also mit einer Betriebspannung und deswegen mit Ausgangselkos. Geht aber so in Ordnung.

Das Frontend des Tuners, der einen erstaunlich guten Empfang ermöglicht.

Auch das Skalenseil musste erneuert werden – war aber kein Problem.

Von aussen ein unscheinbarer Receiver, der aber doch einen wirklich netten Charme aufweist, dem man sich kaum entziehen kann…

…wozu die Marantz-typische, blaue Beleuchtung der Skala ebenso wie die rote Stereo-Anzeige beiträgt. Das Design der Front ist ganz Marantz.

Diese Farben sorgen für das übliche Marantz-Flair.

Auch der typische Gyro-Touch-Kreisel darf nicht fehlen.

Der Kleine ist noch wirklich gut erhalten.

Hinten ebenfalls sehr übersichtlich, ein Anschluss für Quadrofonie-Rundfunk mit Zusatzgerät ist vorhanden – es kam aber nie zum Einsatz.

Auch wenn es der kleinste Marantz-Receiver dieses Jahrgangs ist – auch er hat es verdient, bemerkt zu werden und erhalten zu bleiben.

Sansui AU-G90X - immer wieder ein toller Verstärker!

von:  | Kategorie: Gerätevorstellungen

Über diesen beachtlichen und von mir überaus geschätzten Verstärker habe ich schon mehrfach berichtet. Als nun heute wieder einer davon auf meinem Tisch stand habe ich spontan beschlossen, ihn nochmals vorzustellen.

Mit dem Modell AU-D11MKII hatte Sansui 1980 erstmals das neue Verstärkerkonzept vorgestellt. Bei diesem Konzept sollten im Leistungsverstärker die positiven und die negativen Signale getrennt verarbeitet werden. Hierzu ist es nötig sehr aufwändige Gegenkopplungs-Maßnahmen zu ergreifen. Die Endstufen sind mit insgesamt 52 Transistoren(!) bestückt. Das Ergebnis ist ein extrem fein auflösendes Klangbild, nebst einer beeindruckend impulsfesten Basswiedergabe. Der AU-D11MKII hatte  konsequenterweise dann auch zwei völlig getrennte Endstufen pro Kanal(!), wobei die eine nur die positiven, die andere nur die negativen Signale verarbeitet. Ein Jahr später erschien dann der beinahe baugleiche AU-G90X, der dann das X im Namen trug, welches auf das Konzept, nämlich X-Balanced, hinweist. Es erschienen wenig später noch weitere Modelle mit der X-Balanced-Technologie, der AU-G90X war aber der größte X-Vollverstärker den es gab. Jedoch kamen Endstufen mit dieser Technologie von Sansui auf den Markt, die bis heute einen ebenso guten Ruf haben wie der AU-G90X, als da wären die B-2101, 02 und 03 und die große B-2301. Die B-2102 wurde einige Zeit auch von Blaupunkt als MX-5090 angeboten. Klanglich spielen alle diese großen X-Verstärker in einer Liga mit den Sony-V-FET-Geräten. Es ist schon erstaunlich welche Feinheiten da abgebildet werden.

Dieses Exemplar eines AU-G90X gelangte direkt vom ebay-Verkäufer zu uns, weil der Käufer es erst nach der kompletten Restauration haben wollte. Zum Glück für ihn, kann ich da nur sagen, denn dieser Verstärker war schon eine ganz schöne Nikotin-Ruine.

So schaute der Verstärker bei der ersten Begutachtung von innen aus. Eine dicke Schicht, wie ein Film auf der Oberfläche, der auch gut nach Nikotin stank.

Dort kann man auch die Steckkarten der Endstufen sehen, darunter die insgesamt acht Endtransistoren  der vier Endstufen. Man findet hier folgerichtig vier Ruhestrom-Trimmpotis und vier Offset-Potis, zusaätzlich noch zwei Offset-Potis im Vorverstärker. Der Abgleich ist nicht ganz so profan wie üblich.

Die Eingangs- und Phonovorverstärker-Platine ist relativ einfach komplett herausnehmbar. Die beiden kleinen Trafos sind für die MC-Vorverstärkung, die hochkant stehende Platine übernimmt die MM-Abteilung. Beide Schalter (die länglichen silbernen) hatten Kontaktprobleme übelster Art.

Nach dem Ausbau und Öffnen sahen die Kontakte so aus.

Es ist aber kein Problem diese wieder so zu reinigen, dass die Kontakte sich wieder im Neuzustand befinden. Anschließend werden diese mit speziellem Schalterfett geschützt, damit das blanke Metall nicht wieder so schnell anläuft. Auch die oben im Bild sichtbaren Kontaktreiter werden gereinigt, bevor sie wieder ihren Dienst antreten.

Kalte Lötstellen (Bildmitte) und gefährdete Elkos gab es auch etliche, diese wurden ausgetauscht, die Lötstellen alle gründlich nachgelötet.

Das gesamte Innenleben des Verstärkers wurde ebenso gründlich gereinigt, wodurch auch der üble Geruch veschwand.

Das ist die Bodenplatte des Verstärkers vor der Reinigung…

…und dann nachher. Hier hilft der bewährte Soda-Reiniger.

Nach der Fertigstellung – es wurde noch ein Schalter, die Glühlampen und zwei Relais erneuert – kann sich das Gerät wieder sehen lassen. Holzseitenteile sind dick klar lackiert.

Nun ist optisch und technisch alles wieder gut, wenn auch einige Kratzer und Schmarren bleiben – die bekommen wir auch nicht mehr weg.

Bei den Klangstellern gibt es jeweils zwei Frequenzen zum Auswählen, auf die der Klangsteller dann wirkt. Die Anhebung bzw. Absenkung fällt dafür sehr schwach aus und das ist ja auch gut so.

Alle Indikatoren auf der Front sind bereits in LED-Technik ausgeführt, bis auf die fünf grünen Anzeigen für den gewählten Eingang, die Lampen dort sind alle neu.

Auch hinten wurde alles gründlich gereinigt, die Cinchbuchsen für Phono und CD sind vergoldet.

Weil es vier Endstufen gibt, heißen die Lautsprecheranschlüsse nicht plus und minus, sondern hot und cold. Man sollte besser die schwarzen Anschlüsse nicht miteinander verbinden. Dies könnte eine defekte Endstufe zur Folge haben.

Auch nach rund sechs Jahren, den ich den AU-G90X nun selbst besitze, noch immer mein absoluter Lieblingsverstärker!

Accuphase C-220 - ein Phonovorverstärker von 1977

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Die Firma Kensonic, genannt Accuphase (später auch in diesen Namen umbenannt) ging 1973 mit drei Geräten an den Hifi-Markt. Es waren der Tuner T-100, der Vorverstärker C-200 und die Endstufe P-300 – alles absolute Spitzengeräte – bis heute!

Vier Jahre später erfüllte man den Wunsch etlicher Plattenliebhaber,  einen Vorverstärker nur für Phono heraus zu bringen, der dafür mit allen Tonabnehmer-Systemen harmonierte. Der C-200 hat eine Eingangsempfindlichkeit von 2,6 mV bei Phono, der neue C-220 dagegen 2,0 mV bei MM und 0,1mV bei MC. Zusätzlich kann man die Eingangsimpedanz umschalten (30, 47 oder 100kOhm für MM und 100Ohm für MC). Die RIAA-Kennlinie wird auf +/- 0,2dB eingehalten, die Eingänge sind bis 400mV für MM und 20mV für MC verzerrungsfrei (0,01%). Es gibt zwei Phonoeingänge und mehrere Ausgänge – zum Anschluss an andere Vorverstärker (150mV) oder direkt an Endstufen (bis zu 10V RMS). Somit konnte man sich die Anschaffung eines zusätzlichen Vorverstärkers ersparen und den C-220 direkt an beliebige Endstufen anschließen. Das war 1977 eine kleine Sensation.

Der Vorverstärker ist, wie bei Accuphase üblich, extrem aufwändig konstruiert. 119 Transistoren und 34 Dioden sind hier am arbeiten. Oben im Bild, die Ausgangsstufe.

Hier von der Vorderseite abgebildet. Die Relais sind alle völlig intakt und müssen noch lange nicht erneuert werden.

Hier die beiden großen Platinen auf der Oberseite, beide nach Lösen einer einzigen Schraube herausnehmbar, da gesteckt.

Hier die beiden Platinen der Unterseite, auf die gleiche Weise montiert.

Der Netztrafo erlaubt den Betrieb mit 100, 120, 220 und 240 V.

Von außen ganz schlicht und einfach gehalten, Accuphase-Konstrukteure sprechen in erster Linie Musikliebhaber an, erst auf den zweiten Blick auch technisch Interessierte.

Hinter einer zentral angeordneten Klappe…

…verbergen sich die verschiedenen Umschaltmöglichkeiten. Diese stellt man so ein, wie es benötigt wird und dann (außer bei einem Tonabnehmerwechsel) muss man da nicht mehr heran. Außerhalb der Klappe gibt es nur den Ein-/Aus-Schalter und die Lautstärke.

Links können die Impedanzen beider Eingänge per Drucktastenaggregat gewählt werden, rechts davon kann der Headamp (für low-output MC-Tonabnehmer) zugeschaltet werden, und weiter rechts zwischen Disc 1 und Disc 2 umgeschaltet  werden. Ganz rechts schließlich ein Schalter (!) für die Balance in 0,5 dB-Schritten, falls die Antiskating-Funktion ihrer Aufgabe nicht vollständig nachkommen sollte.

Auf der Rückseite finden sich neben den Eingängen für Phono noch ein zusätzlicher Eingang für fremde Vorverstärker, der bei ausgeschaltetem (!) C-220 für die dort angeschlossene Endstufe durchgeschleift wird. Auch ein einzigartiger Einfall von Accuphase. Rechts davon Ausgänge für hochpegelige Vorverstärkereingänge und dann Endstufenausgänge in Cinch und XLR-Norm (symmetrisch). Man hat schlichtweg an alles gedacht.

Es gibt zwei Versionen dieses außergewöhnlichen Phono-Vorverstärkers: Version A (wie hier gezeigt) mit glatter Frontplatte zum 19″-Gestelleinbau geeignet und Version B mit den Accuphase-typischen Seitenteilen, exakt passend zu den anderen Accuphase-Geräten (siehe unten).

Dieses Bild ist entliehen von der Radio-Röhre in Frankfurt/M., diese B-Version wird dort aktuell für 1.950,- Euro angeboten. So wertstabil sind Accuphase-Geräte!

Technics SE-9060 eine Mono-/Stereo-Endstufe von 1977

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1965 entstand bei einem der größten Hersteller der Welt, der Matsushita Elctric, eine neue Marke namens Technics. Diese Marke sollte für hochwertige HiFi-Produkte stehen, die zu dieser Zeit gerade in Mode kamen. Bis 1975 stand auf den Produkten noch National Panasonic, die Geräte hießen aber bereits Technics, so z.B. einer der ersten Direct-Drive-Plattenspieler, das Modell SP-10. Nach 1975 wurde Technics als eigene Marke (nur für Hifi-Stereo-Produkte) abgekoppelt und der Schriftzug Technics prangte als Markenname an den Geräten. Alle übrigen Produkte (auch kleinere, einfache Stereogeräte) wurden unter dem Namen Panasonic vermarktet. 2008 wurde Matsushita Electric in Panasonic Electric umbenannt. Das Label Technics wurde 2010 aufgegeben, da man kaum noch etwas verkaufte. Seit 2014 gibt es die Marke wieder, so wurde der bekannteste Plattenspieler der Marke, das Modell SL-1210, wieder neu aufgelegt.

Ab 1974 brachte Technics grün-braune Geräte im 19-Zoll-Rackformat auf den Markt, die alle der absoluten Spitzenklasse zuzuordnen waren. Drei Jahre später (1977) erschien dann die hier vorgestellte Endstufe SE-9060, der dazugehörige Vorverstärker nannte sich SU-9070. Beide sehr teuer und außergewöhnlich gut, eben Spitzenklasse. Diese beiden waren den ganz großen Modellen SU-9600 und SE-9600 untergeordnet, die schon zuvor erschienen waren. Die Endstufe ist in Doppel-Mono-Technik (getrennte Netzteile) aufgebaut und leistet 2 mal 100 Watt sinus an 4 Ohm. Die Endstufe kann in Brückenschaltung auf mono umgeschaltet werden und leistet dann 200 Watt sinus an 8 Ohm. Sie wiegt 12 kg und ist nur 92 mm hoch.

Dieses Exemplar kam für eine komplette Überholung zu uns, war aber bereits an den Lautsprecheranschlüssen hässlich umgerüstet worden, was nach den Wünschen des Besitzers rückgebaut werden sollte.

Ein Block aus Buchenholz wurde hinten angeschraubt um die völllig überdimensionierten Buchsen aufnehmen zu können. Nicht isolierte Buchsen bergen immer die Gefahr von Kurzschlüsse beim Anschließen, hat man vergessen, den Verstärker vorher abzuschalten, sind die Endstufen dabei in akuter Gefahr.

Wir fragen uns wirklich, wer so etwas anbaut und das ernst meint.

Auch innen wurden dicke Drähte eingelötet, wofür die Platine heftig aufgebohrt wurde, um die dicken Kabel aufnehmen zu können.

Die drei Relais dienen dem Zuschalten der Lautsprechergruppen – alle drei wurden natürlich erneuert.

Glücklicherweise hat der Gerätebesitzer uns die Originalplatine aus dem Gerät mitgeschickt, so konnten wir diese wieder originalgetreu wieder herstellen und einbauen, denn sämtliche Drähte und Stifte waren abgeschnitten.

Hier steckt die Platine schon wieder an ihrem ursprünglichen Arbeitsplatz.

Die Hauptplatine wurde, so gut es ging, wieder mit dieser Platine verlötet.

Dann wurden passende, isolierte Klemmen in die Rückwand eingebaut und verdrahtet.

Nun sah es wieder (fast) aus wie im Original, die neuen Klemmen können jedoch auch Bananenstecker aufnehmen.

Die Endstufe wurde komplett nachgelötet, alle gefährdeten Elkos und alle Trimmer wurden erneuert, die Trimmer zeigten starke Ausfallerscheinungen, so dass sich Ruhestrom und Offset nicht mehr korrekt einetellen ließen. Oben im Bild auch die neuen Relais, Marke Omron.

Die Platine von unten nach getaner Arbeit. In der Mitte die Anschlüsse der vier Siebelkos.

Geschlossen sieht diese Endstufe so aus. Technics wollte hier eindeutig ein wenig Studio-Look einbringen. Hinten aussen rechts und links sind die Netztrafos geschickt in das Gehäuse integriert.

An der Front gibt es einen Einschalter, zwei Schalter für die beiden Lautsprechergruppen und einen AC/DC-Schalter (mit oder ohne Koppekondensator im Eingang) sowie zwei Pegelsteller.

Auf der linken Seite die Ausgänge…

…auf der rechten die Eingänge.

Die Endstufentransistoren sind unter durchsichtigen Abdeckkappen beheimatet.

Hinten gibt es noch einen Umschalter, der aus der Stereo-Endstufe einen Mono-Block macht, dann leuchtet vorne eine Lampe, die den Monobetrieb anzeigt.

Diese Endstufe taucht heute nur sehr selten auf und erzielt dann ganz gute Preise (um 250-400 Euro). Lohnt sich auf jeden Fall.

Phase Linear - Vorverstärker 3500II und Endstufe 400II

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Bob Carver gründete zusammen mit seinen Partnern Steve Johnston und Jack Goodfellow die Phase Linear Corporation im Jahre 1970 in den USA.  Das erste Gerät, das produziert wurde, war die legendäre Endstufe Model 700, die schnell zu einem Referenzverstärker für Tonstudios, Jazz- und Rockbands und für leistungshungrige Audio-Enthusiasten wurde. Zuvor hatte er noch als Student eine legendäre Wette gewonnen, die die McIntosh Laboratorien öffentlich ausgeschrieben hatten. McIntosh wettete, dass niemand es schaffen könne, einen leistungsstärkeren Verstärker als den größten McIntosh zu bauen. Bob Carver baute einen solchen in einer leeren Kaffeedose und übertraf die Leistung des Mac deutlich, woraufhin er die ausgelobten 1000 Dollar erhielt. Phase Linear war seine erste Firma, welche bereits neun Jahre später vor dem wirtschaftlichen Aus stand und daher von Pioneer in Japan übernommen wurde. Bob Carver gründete kurz zuvor eine neue Firma, die Carver Corp. und gewann wieder atemberaubende Wetten. Carver behauptete gegenüber zwei renommierten Hifi Magazinen, er könne den Klang eines jeden beliebigen Verstärkers, unabhängig dessen Preisklasse, 1:1 kopieren; und zwar mit seinen eigenen Verstärkerschaltungen und zu einem erheblich günstigeren Preis. Als erstes versuchte es die „The Audio Critic“ mit einem Mark Levinson ML-2 . Bob kopierte den Sound tatsächlich („Transfer Function Duplication“) und verkaufte ihn fortan unter Carver M1.5t („t“ für transfer function). 1985 forderte die Stereophile Bob heraus, einen Conrad-Johnson Premier Five innerhalb von 48 Stunden zu kopieren (Damals blieb der Name des ausgewählten Gerätes aus verständlichen Gründen geheim, wurde aber später doch bekannt). Der Conrad-Johnson galt zu dieser Zeit als einer der besten Verstärker überhaupt und kostete ca. 12.000$. Ohne irgendein Meßgerät zu verwenden, also nur nach Gehör, erfüllte Carver die ihm gestellte Aufgabe. Nach 48 Stunden präsentierte er den verblüfften Stereophile-Redakteuren einen klanglich identischen Verstärker im eigenen (und erheblich kostengünstigeren) Design. Wer mehr über diese außergewöhnliche Gegebenheit wissen möchte: www.carveraudio.com liefert den kompletten Artikel aus Stereophile und jede Menge weitere Informationen über Bob Carver und seine herausragenden Ideen und Entwicklungen. 1993 überwarf sich Bob mit dem Vorstand des mittlerweilen börsennotierten Unternehmens und verließ die Carver Corporation. Noch im selben Jahr wurde Sunfire gegründet. Diese Marke existiert noch heute.

Phase Linear ist also eine amerikanische Marke, aber ein Stammkunde hatte das Vor- und Endstufen-Gespann bei ebay erworben und uns spontan mitgebracht. Also haben wir (ausnahmsweise!) mal reingeschaut.

Der Vorverstärker 3500II benötigte nicht viel, um wieder korrekt zu arbeiten, Schalter- und Potikur, ein IC sockeln, welches ein merkwürdiger Zeitgenosse auf Drahtstelzen in die Platine eingebaut hatte, weil ein Anschlussbeinchen abgerissen war – das sah sehr hässlich aus.

Das Platinenmaterial ist aus mit Epoxydharz getränkten Glasfaserplatten gefertigt. Merkwürdig, dass die Platten in einem Gerät in unterschiedlichen Farben und Materialien ausgelegt sind.

So wie der Vorverstärker aussieht, wurde das mehr oder weniger in Handarbeit hergestellt.

Es wurden auch etliche Elkos erneuert, sowie viele Lötstellen nachgearbeitet.

Als größtes Problem erwiesen sich allerdings die im Bild unten erkennbaren Verlängerungen in der Front, die die dahinter liegenden Schalter betätigen.

Drei davon waren gebrochen, da der Kunststoff bereits versprödet ist. Ersatz dafür anzufertigen war ein wenig problematisch, da man kaum an die Achsen heran kommt.

Diese Handskizze zeigt die gebrochene Achse (in der Mitte schwarz gezeichnet), die in einem kleinen Gehäuse untergebracht ist, welches in der Front befestigt ist. Dahinter sitzt eine Druckfeder, die den Knopf ständig nach vorne drückt. Die Achse war bei allen dreien direkt hinter dem Knopf gebrochen. Als Ersatz für die Achsen habe ich kleine Metallnägel verwendet, die in den runden weissen Topf eingeklebt wurden, den ich zuvor ausgebohrt hatte. Den Kopf des Nagels habe ich dann als Klebefläche für den Knopf verwendet, nachdem die Bruchstelle glatt geschliffen wurde. Die Länge des Nagels musste möglichst genau abgelängt werden, damit der Knopf nicht zu weit aus der Front herausragt. Zudem musste ich mehrere Kleber testen, bis der richtige gefunden war. Leider hatte schon zuvor jemand versucht den Mutingknopf zu kleben und dabei leider die Umgebung dieser Taste mit Klebstoff verschmiert, was  sich leider nicht mehr entfernen lässt.

Nachdem alles fertig war, bekam der Phase Linear noch ein neues Netzkabel und durfte sich nun zeigen.

Es gibt zwei übereinander liegende Frontplatten in verschiedenen Farben.

Neben Phono MM und MC, gibt es noch Tuner, Aux und zweimal Tape.

So schauen die beschriebenen Tasten von aussen aus – ganz harmlos. Wer genau hinschaut kann noch die Kleberreste an der Mutingtaste entdecken.

Einen (semi) parametrischen Equalizer für Bässe, Mitten und höhen findet man in der Mitte des 3500II. Rechts nur Balance und Volume, sowie die Power-Taste.

Hinten gibt es zwei Vorverstärkerausgänge, eine Schnittstelle zum Einschleifen, sowie die genannten Eingangsbuchsen, zusätzlich findet sich noch ein Schalter für Zusatzkapazitäten am Phonoeingang.

Ich befürchte diese Geräte waren sehr teuer, da die ins High-End-Segment eingeordnet wurden, obschon die Machart dies eigentlich nicht rechtfertigt.

Dazu gab es eine Endstufe Modell 400II, die nach den Unterlagen zweimal 200 Watt sinus an 8 Ohm leistet. Dafür sind Netzteil und Trafo unglaublich klein, so dass man das kaum glauben mag. Aber genau das kennt man von Bob Carver so. Die Tiefe ohne Kühlköper beträgt rund 10 Zentimeter.

Die beiden Platinen hinter der Front beherbergen lediglich die Power-Meter.

Die eigentliche Endstufe ist das hier – unglaublich oder? Leider ist die Endstufe, wie so häufig bei Carver-Produkten, komplett abgebrannt, weshalb wir da (außer einem neuen Netzkabel montiert, da der Verkäufer selbiges schon in weiser Voraussicht vor dem Verkauf abgeschnitten hatte, wohl um ein Testen zu vermeiden) nichts daran gemacht haben. Laut Service Manual dürfen dort MJ15023 und MJ15024 eingebaut werden. Wir reparieren aber so etwas nicht, wir restaurieren halt nur.

Dies sind die Siebelkos, auch erstaunlich klein.

Von vorne das gleiche Design, man rechnet auf keinen Fall mit der geringen Tiefe.

Die Power-Anzeigen mit Pegelstellern – mehr Bedienelemente gibt es nicht. Nicht einmal einen Ein-/Ausschalter.

Hinten gibt es Cinchbuchsen für den Eingang und Bananenbuchsen für die Lautsprecher. Ebenfalls sehr übersichtlich.

Insgesamt bestärkt mich diese Erfahrung darin, japanische Produkte zu mögen. Diese sind bedeutend besser durchdacht und ausgeführt. Die amerikanischen Produkte sind da erheblich lässiger und schlampiger gefertigt – aber das ist bei Autos ja auch so.

Kenwood KA-6100 - ein Vollverstärker von 1977

von:  | Kategorie: Gerätevorstellungen

Kenwood gehörte im Jahr 1977 zu den ganz großen Anbietern im Hifi-Sektor, noch dazu verfügte dieser Hersteller über ein sehr breites Angebot. Im Katalog dieses Jahrganges finden sich tatsächlich sieben Vollverstärker, ebenso viele Tuner, sechs Receiver, sechs Plattenspieler, drei Kassettendecks, neun Lautsprecherboxen sowie noch etliches an Zubehör. Hinzu kamen noch die High-End-Geräte, die Kenwood damals unter dem Label Extra Dry führte. Diese hatten alle Bezeichnungen, die mit L begannen und noch heute als Legenden bezeichnet werden.

Es lohnt sich aber durchaus auch mal auf die Geräte zu schauen, die nicht nur ein Traum waren (und dies ja zumeist auch blieben), sondern die, die tatsächlich häufig verkauft wurden. So auch dieser Verstärker, den ich heute vorstelle. Er kostete damals 798,- DM und war so etwas wie Mittelklasse, allerdings eine, die man durchaus ernst nahm. Niemand, der einen KA-6100 kaufte, musste sich deswegen schämen. Nein, ein durchaus respektabler Verstärker mit zwei mal 70Watt sinus an 4 Ohm nach DIN und einem Gewicht von 11,5 kg.

Bei seinem jetzigen Besitzer setzten die Kanäle häufig aus und als er mal etwas lauter stellte, kamen Qualmwolken aus dem Inneren und der Verstärker stellte darauf hin seinen Dienst ein. Außer der Beleuchtung der Power-Meter ging nichts mehr. In diesem Zustand kam er zu uns.

Die Ursache für den Qualm war rasch gefunden. Die Treiber waren zuvor bei einer vorangegangenen Reparatur schon einmal erneuert worden. Die Originaltransistoren 2SA794 und 2SC1567 waren durch BD139 und BD140 ersetzt worden. Der Ersatz n sich geht in Ordnung, jedoch war dies so nachlässig gemacht, dass einige Leiterbahnen sich schon in Auflösung befanden. Vermutlich ging die rechte Endstufe deswegen erneut kaputt.

Die beschädigten Leiterbahnen wurden also nach dem Ersatz der defekten Transistoren mit Drähten nachgebildet, um für sicheren Stromfluss zu sorgen. Die Endstufe funktionierte danach bereits wieder einwandfrei. Die Sicherungen des Netzteils waren durchgebrannt, die stromverstärkenden Endtransistoren waren alle noch völlig in Ordnung – offensichtlich auch bei der  ersten Reparatur ebenso, denn es waren noch die originalen Transistoren vom Werk verbaut. Offenbar sprechen die Sicherungen rascher an, als die Endtransistoren, was eine gute Konstruktion ist.

Auch an den Schaltern und Potis kponnte man gut erkennen, dass hier schon dran „gewerkelt“ wurde. Diese merkwürdigen Ablagerungen stammen von Ballistol oder ähnlichen „Wundermitteln“, die leider nur kurzfristig Abhilfe bei Kontaktschwächen schaffen, dafür aber lange Zeit Schmutz- und Staubablagerungen ansammeln.

Auch hier an dem ausgebauten Eingangswahlschalter sind diese Ablagerungen deutlich zu sehen.

Zerlegt man den Schalter kann man deutlich sehen, dass diese Kontaktreiniger nicht das halten, was sie versprechen. Die Kontaktflächen sind dunkel angelaufen. Aussetzer bei der Wiedergabe und laute Geräusche beim Schalten sind die Folge.

Nach unserer gründlichen Reinigung sehen die Schalter wieder aus wie neu – und so funktionieren die auch wieder.

Dem Tape-Monitor-Schalter ging es ebenso…

…hier waren die Kontakte teilweise grün, was auf Grünspan schließen lässt.

Aber auch hier wurde alles wieder auf Hochglanz gebracht und funktioniert wieder ohne jedes Geräusch.

Hier eine Übersicht über den gesamten Verstärker von oben. Das Lautsprcherrelais wurde im Rahmen der Überholung erneuert.

Die Endstufentransistoren im TO-3-Gehäuse sitzen auf einem großen Kühlblech.

Der KA-6100 besitzt getrennte Netzteile für jeden Kanal – in dieser Preisklasse wurde das kaum jemals angeboten!

Die beiden oben gezeigten Schalter wieder an Ihrem Bestimmungsort. Auf dieser Leiterplatte befindet sich auch der Phono-Vorverstärker, um die Einstreuungen möglichst gering zu halten. Die Schalter werden deswegen über lange Stangen betätigt.

Von unten schaut man auf die große Platine.

Äußerlich ist der KA-6100 sehr sachlich gehalten, die Alufront mit silbernen Knöpfe wird wohl niemals unmodern.

Die beiden Power-Meter sind beleuchtet und lassen den Verstärker hochwertiger erscheinen.

Mit den Kippschaltern lassen sich Filter, Loudness und Tone schalten, aber auch die Empfindlichkeit der Power-Meter. So schlagen diese auch bei Zimmerlautstärke schon deutlich sichtbar aus.

Die Lautstärkeknöpfe mussten zu dieser Zeit immer möglichst groß sein, dann lässt sich der Pegel sehr fein einstellen.

Hinten findet man Cinchbuchsen für Phono, Tuner und Aux, sowie für zwei Tapes, einer davon sogar zusätzlich als DIN-Buchse. Man kann zwei Paar Lautsprecher anschließen. Für die 798,- DM bekam man doch sehr viel Verstärker geliefert – und das der nach rudn 40 Jahren noch immer einwandfrei funktioniert, spricht ja wohl Bände.

Übrigens: wir kümmern uns um solche Geräte der unteren Preislagen, mit derselben Aufmerksamkeit und Zuwendung wie den großen und teuren. Die kleineren Geräte haben das ebenso verdient, finden wir.

 

Pioneer SX-838 - der drittgrößte Receiver von 1974

von:  | Kategorie: Gerätevorstellungen

Den SX-838 habe ich schon vorgestellt, aber nun mache ich das mal etwas ausführlicher. Diese Baureihe von 1974 besteht aus den Modellen SX-434, 535, 636, 737, 838 und 939. Als Krönung gab es noch den SX-1010. Die Modelle können noch heute begeistern, da sie sehr robust und langlebig aufgebaut sind. Der heute vorgestellte SX-838 kostete 1974 stolze 2.160 DM und leistete dafür 2 mal 70 Watt sinus an 4 Ohm und wiegt 16,2 kg. Wer sich damals so etwas leisten konnte, war zu Recht dann stolz darauf.

Dieser hier funktionierte noch ganz gut, brauchte aber mal eine komplette Überholung, da ein Teil der Beleuchtung schon ausgestiegen war und die Kanäle stark aussetzten oder verzerrten. Also frisch ans Werk und alles zerlegt.

Bei den älteren Baureihen ist der Service schon recht stressfrei, da man an nahezu alles recht gut heran kommt. Oben im Bild ist gerade die Klangstellerstufe in Arbeit.

Hier aus der Nähe, Schalter und Potis wurden gründlich gereinigt und versiegelt, sowie etliche Elkos erneuert – z.B. die ganzen Tantals, die leider nicht sehr betriebssicher sind.

Auf der Oberseite ist das Empfangsteil (unten rechts) sowie die Endstufen (oben rechts) zu sehen. Links oben der Netztransformator und die Siebelkos. Ganz links das Lautsprecherrelais, welches erneuert wurde.

Hier die Endstufe aus der Nähe, die Platine wurde komplett nachgelötet, einige Elkos erneuert, sowie Ruhestrom und Offset eingestellt.

Im Empfangsteil wurde der Drehkondensator gereinigt und das FM-Teil neu abgeglichen.

Das Netzteil mit dem nagelneuen Lautsprecherrelais.

Nach getaner Arbeit sind alle Platinen wieder an ihrem Platz und es sieht alles wieder aufgeräumt und sauber aus.

Auch auf der Phono-Vorverstärkerplatine wurde alles überarbeitet. Hier arbeiten immerhin Feldeffekt-Transistoren.

Auch die Mikrofon-Platine (in mono) bekam die gleich Behandlung.

Nach Demontage der Skala und Erneuerung der Lampen strahlte alles wieder im Pioneer-typischen blau. Der Skalenzeiger war leider schon mal abgebrochen und nicht besonders gut wieder verklebt. Daher ist das orangefarbige Rechteck unten am Zeiger leider nicht so gut beleuchtet, wie es sein sollte.

Das wunderschöne Holzgehäuse war ab diesem Baujahr leider nur noch foliert, was man aber kaum bemerkt.

Die Skala wirkt mit der schwarzen Umrahmung richtig gediegen.

Alle drei Lautsprechergruppen haben Lampen und Drucktasten.

Die Frequenzen, bei denen Bass- und Höhen-Steller wirken, können zweistufig gewählt werden.

Die Quellen können per gegenseitig auslösendem Drucktastenaggregat gewählt werden, die jeweils gewählte Quelle wird per Lampe angezeigt.

Auf der Rückseite finden sich Anschlüsse für zwei Plattenspieler, zwei Tapes (eins auch in DIN), Reserve (AUX). Zusätzlich können Vor- und Endverstärker aufgetrennt werden, es gibt noch einen Quadroausgang (für seinerzeit angebotene Zusatz-Quadrofonie-Geräte) und Ein- und Ausgang für Dolby-Dekoder, die seinerzeit für den in den USA geplanten Doby-FM-Betrieb gedacht waren.

Drei solide Klemmen für die Lautsprecher-Gruppen. Es können aber nur zwei von den drei Gruppen gleichzeitig genutzt werden.

Der Service an solchen Geräten erfüllt einen immer wieder mit Freude, denn man hat das Gefühl, die halten nochmal so lange, wie sie das bisher getan haben…