Denon PMA-980R - ein solider Mittelklasseverstärker von 1992

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Er war seinerzeit der zweitgrößte Verstärker im Programm der renommierten Marke, drüber ging nur noch der PMA-1080R. Das R am Ende weist übrigens auf die Fernbedienbarkeit hin – ein absolutes Muss in den 1990er Jahren. Er kostete seinerzeit rund 800,- DM und leistete dafür 2 mal 150 Watt sinus an 4 Ohm nach DIN.

Die Krankheiten wegen der er zu uns kam slagen darin, dass der Verstärker einerseits keinen Ton mehr von sich gab (obwohl das Relais nach den obligatorischen 3-4 Sekunden wohlvernemlich klickte) und andererseits schon zuvor stets die gewählten Eingänge und Boxenausgänge nach eigenem Belieben wechselte, wie er Lust hatte. Nur selten blieb er länger als 30 Sekunden irgendwo stehen. Das kennen auch viele Benutzer von Onkyo-Verstärkern, die exakt an der gleichen Krankheit leiden.

Zunächst wurde der Fehler für die völlige Tonlosigkeit gesucht und gefunden, klar ein Netzteilfehler, da ja beide Kanäle stumm waren. Die geregelte Plusspannung fehlte gänzlich, die Unterbrechung war jedoch rasch gefunden und beseitigt. Was blieb, war das selbsttätige Wechseln der Schalter für die Eingangs- und Lautsprecherwahl. Dies liegt an Kontaktschwächen in den beiden dafür zuständigen Drehschaltern. Auf dem Foto ist der linke für Lautsprecherwahl bereits ausgebaut.
Die Schalter fallen sehr häufig durch Ausfälle oder selbsttätige Wahl auf, die darüber befindlichen roten Leuchtdioden zeigen an, welche Funktion gerade angewählt ist.
So schaut jeder der beiden Schalter ausgebaut und bereits zerlegt aus. Diese Schalter verbinden nicht die Signale der Lautsprecherausgänge oder der Cinchbuchsen, sondern steuern lediglich die Eingänge von elektronischen Prozessoren. Dies geschieht über Spannungsteiler (auf dem Foto eins weiter oben kann man die Widerstände des Spannnungsteilers unterhalb des ausgebauten Schalters sehen), die am Eingang des Prozessors mit einer definierten Spannung eine bestimmte Schaltung bewirken soll. Liegt nun aufgrund einer Kontaktschwäche die Spannung abweichend von den definierten Werten am Eingang des Prozessors an, dann weiß der nicht so genau, was er nun schalten soll. Wie Mathematiker rundet er auf oder ab und landet meist falsch, jedenfalls nicht da, wo der Benutzer es gerne hätte.
So sahen die Kontaktflächen des Schalters aus. Man kann häufig lesen, dass das Einsprühen mit Kontaktsprays oder Ballistol (ein Waffenöl aus Weißfett) da Abhilfe schaffen soll – auch ganz ohne Ausbau. Diese „Wundermittel“ lösen unter Umständen sogar die Korrosionsrückstände an, diese verbleiben jedoch auf den Kontaktschaltern und sorgen dort rasch wieder für erneute Korrosion. Langfristige Abhilfe kann also nur durch gründliche Reinigung und anschließende Politur der Flächen erzielt werden.
So schaut derselbe Schalter nach dieser Behandlung aus. Um Korrosion in der Zukunft über viele Jahre zu verzögern, werden alle Flächen mit einer dicken Fettschicht überzogen ( ein spezielles Schalterfett der Marke Electrolube).
Auch die Schleifer, die die Kontaktflächen miteinander verbinden, sind korrodiert. Auch diese müssen daher gereinigt und poliert werden. Nach dem Zusammenbau laufen sie automatisch in der zuvor aufgebrachten Fettschicht – leichtgängig und korrosionsgeschützt.
Hier kann man die polierten Schleifer gut sehen.
Bei diesem Exemplar waren auch beide CD-Buchsen beschädigt. Beide Masse-Kappen der Buchsen waren nicht mehr vorhanden. Ein Folge von zu schweren und zu fest sitzenden Cinchkabeln, die gerne hochpreisig als High-End-Produkte verkauft werden. Bringt klanglich so rein gar nichts und kann durchaus Schaden anrichten, wie man hier sieht. Wir haben den Vierfach-Block erneuert, rechts alt, links neu.
Nachdem die Bearbeitung einer Platine abgeschlossen ist, wird selbige vollständig mit einem speziellen Leiterplattenreiniger gereinigt – muss ja schließlich nicht sofort jeder sehen, wo schon gelötet wurde.
Hier ist das neue Cinch-Terminal (ganz links) schon eingebaut. Die kleinen blauen Relais im Hintergrund verbinden als Eingangswahl die Cinchbuchsen mit der verstärkenden Elektronik. Da diese vollständig verkapselt sind, ist dort kaum mit Kontaktschwäche zu rechnen.
Hier ein Überblick über den gesamten Verstärker von hinten – jedoch ohne Rückwand. Ganz rechts, hinter den Lautsprecherklemmen befinden sich die beiden erneuerten Relais für die Lautsprechergruppen A und B.
In der Mitte kann man vier Siebelkos erkennen, links daneben zwei Gleichrichter – jawohl, dieser Verstärker hat zwei Netzteile, die den rechten und linken Kanal unabhängig voneinander mit Leistung versorgen. Hierzu hat der Ringkerntrafo (ganz links unten im Bild) vier Sekundärwicklungen für die so genannten Railspannungen.
Hinten rechts im Verstärker befindet sich der auch mit einem Elektromotor über die Fernbedienung veränderliche Lautstärkesteller. Daneben nochmals die Relais der Eingangswahlschaltung. Der weiter links befindliche Schalter dient zur Auswahl der gerade mit den Aufnahmebuchsen verbundenen Quelle (REC OUT Selector).
Hier sind die neuen Lautsprecherrelais aus der Nähe zu sehen. Trotz der kleinen Bauform, haben diese Omron Relais eine Kontaktbelastbarkeit von 8 A.
Das Doppelnetzteil für die Railspannungen nochmal aus der Nähe, die Kondensatoren haben jeweils 6.800µF Kapazität.
Nun können wir mal einen Blick von außen auf den Verstärker werfen, klar, 1992 waren fast alle Geräte schwarz…
Die Front ist zum Glück übersichtlich gestaltet, nicht zu viele Bedienelemente.
Links der Netzschalter nebst Infrarot-Empfängerdiode für die Fernbedienung, rechts daneben der Lautsprecherwahlschalter. Darunter die Bass- und Höhensteller und das Balance-Poti.
Auf der rechten Seite Schalter für Loudness und Rumpelfilter, der gründlich gereinigte Vorwähler für die Eingangswahl. Weiter rechts der
SOURCE DIRECT-Schalter, der Klangsteller, Loudness, Filter und Balance überbrückt. Ganz rechts die Lautstärke, darunter der REC OUT-Selector und
ein Umschalter für den Phonoeingang MM oder MC.
Hinten gibt es eine Menge Anschlüsse für Phono, CD, Tuner, Reserve und zwei mal Tape.

Dieser mittlerweile auch schon 27 Jahre alte Verstärker zeigt eindrucksvoll, was man seinerzeit für 800 DM alles bekam. Die Solidität hat im Detail schon ein wenig gegenüber den Geräten aus den 1970ern gelitten, dafür war die Ausstattung ungleich umfangreicher. Aber auch dieses Modell wird noch für Jahrzehnte entsprechende Dienste leisten.

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