Im Jahr 1972, der glücklose Hersteller Shin Shirasuna mit dem Label "Silver" hatte gerade erst den Markennamen Harman/Kardon aus den USA übernommen, brachte nun die ersten Receiver weltweit auf den Markt, die über völlig getrennte Netzteile für die beiden Stereokanäle verfügten. Der kleinere hieß 630, der größere 930. Also zwei Trafos, zwei Gleichrichter und vier Siebelkos - alles hübsch getrennt.
Der hier vorgestellte 930 verfügt über Endstufen mit zwei mal 45 Watt Dauertonleistung an 8 Ohm über den gesamten Frequenzbereich, die jedoch wegen der großzügig ausgelegten Netzteile auch Impulse bis zu zwei mal 100 Watt nahezu verzerrungsfrei leisten können. Dabei war der Frequenzbereich zwischen 1 Hz und 100 kHz (+/-1dB) für damals sensationell. Auch zwei Phonoeingänge, zwei Aux-Eingänge und zwei Tape-Anschlüsse mit Monitor-Funktion waren damals keineswegs üblich - egal in welcher Preislage. Selbst der drei mal so teure McIntosh MAC1900 musste sich geschlagen geben! Dazu war der 930 zwischen Vor- und End-Verstärker auftrennbar (der MAC aber auch!).
Dieses Exemplar hat eine nette Geschichte: Der jetzt zu Recht stolze Besitzer, hat ihn gerettet. Ein Nachbar hatte ihn zum Sperrmüll gestellt und er hat ihn sich geschnappt und glaubte, wegen des montierten US-Netzkabels, dass es sich um eine 115V-Version handelt - wollte ihn aber erhalten und überholen lassen. Dazu wünschte er sich noch ein passendes Holzgehäuse - was es im Orignal nur in den USA gab. Alle seine Wünsche konnten erfüllt werden, denn es handelt sich um die Military-Version, die man auf alle Spannungen und unterschiedliche Deemphasen umstellen kann.
Erschwerend kam aber hinzu, dass da jemand vorher dran gebastelt hatte, der sich wohl dachte: "Lampen kann man doch auch selber tauschen!". Nun ja, wenn man's kann, schon - er konnte es aber überhaupt nicht und es hat Stunden gedauert, bis alles wieder einwandfrei funktionierte. Alle Lampen neu, alle Gummis der Lampenhalter neu und alle Kabel neu. Aber jetzt kann sich dieser Receiver, der im Jahr 1972 immerhin satte 1.800 DM gekostet hat, wieder absolut sehen lassen. Das ist jetzt ein echter Hingucker!!




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