· 

Accuphase E-203

Über die Marke Accuphase und deren Entstehung habe ich schon kürzlich Etliches geschrieben. Die ersten Geräte, die 1973 bei Einführung der Marke angeboten wurden, waren der Tuner T-100, der Vorverstärker C-200 und die Endstufe P-300. Ein Jahr später stellte man den ersten Vollverstärker vor und gab ihm den Namen E-202. Dieser war das erste Gerät von Accuphase, welches in größeren Stückzahlen verkauft werden konnte, da das erste Ensemble doch recht teuer war, so dass sich das kaum jeder leisten konnte. Angespornt von diesem kommerziellen Erfolg, schob man 1979 den E-203 als Erben des E-202 nach, nunmehr ausgestattet mit einer MOSFET-Endstufe, die ein Jahr zuvor bei dem Entwickler dieser für Hifi-Power-Anwendungen neuartigen Transistoren, nämlich Hitachi mit der Endstufe HMA-7500, schon bei der Fachwelt einschlug wie eine Bombe. Somit war Accuphase der zweite Hifi-Anbieter mit MOSFET-Endstufen. Der E-203 leistet 2 mal 90 Watt sinus an 4 Ohm und wiegt 14,7 kg.

 

Ursache für den Werkstattaufenthalt waren unter anderem völlig vergammelte Schalter. Also wurde diese alle gründlich gereinigt.

 

Damit die Schaltflächen nicht wieder anlaufen können, werden diese nach der Reinigung und Polierung mit einer dicken Schicht Kontaktfett versehen.

 

Da die Platine von unten nicht zugänglich ist, kann man sie, extrem servicefreundlich, komplett heraus nehmen, alle Verbindungen sind mit Steckkontakten versehen. Man kann gut die vier silbernen Schiebeschalter erkennen, die zu reinigen waren.

 

Hier der Eingangswahlschalter (der lange in oberen Bild).

 

Nach der Reinigung und der Polierung – wieder wie neu.

 

Nun ist die Platine wieder eingebaut und die Bowdenzüge, die diese Schiebeschalter von der Front her bewegen, sind wieder aufgeklipst.

 

Um das Lautsprecherrelais auszulöten, ein Verschleißteil, welches eigentlich bei uns stets erneuert wird,  muss man allerdings die Seitenwand demontieren.

 

Die Sorte Relais (Type JC2 von Matsushita/Panasonic) ist leider in 48V nicht mehr erhältlich, weswegen wir, aber auch einige andere Profis in unserer Branche, solche Transferplatinen angefertigt haben, die dann mit Hilfe eines adäquaten Relais die Funktion erfüllen können. Links das originale, alte Relais – rechts die Transferplatine mit Ersatzrelais (8A Schaltfestigkeit).

 

Anmerkung von 2021: Inzwischen verwenden wir als Ersatz für das Panasonic JC2 das Relais von Omron Typ G4W-2212 - ohne Transferplatine! Aber auch diese gibt es nicht mehr in 48V, weswegen wir mittels Austausch der beiden ohnehin vorhandenen Vorwiderstände ein solches 24V-Relais verwenden.

Wir haben aber diesen Bericht von 2017 aber bis auf diese Anmerkung unverändert gelassen.

 

Das gleiche Bild noch einmal von oben. Leider reicht gerade im E-203 der Platz nicht aus, um die Transferplatine zu montieren – genau dort befinden sich einige Wire-Wrap-Stifte.

 

Also gibt es zwei Möglichkeiten: man kann ein 24V-Relais einsetzen (die gibt es noch), natürlich nur mit einem passenden Vorwiderstand – oder – man geht den gleichen Weg wie bei den Schaltern – gründliche Reinigung und Politur der Kontakte. Eine erste Inaugenscheinnahme ergab, dass die Kontakte noch keine “bleibenden Schäden” aufwiesen. So wurde es also Lösung Nummer zwei. Die Kontakte wurden mit Metallpolitur bearbeitet …

 

… und dann auf Hochglanz poliert. Nun spielt es auch beim kleinsten Pegeln wieder ohne Aussetzer.

 

Ein Blick in das geöffnete Gerät von oben – ja, das ist oben. Der Verstärker steht sozusagen kopfüber im Gehäuse.

 

Dementsprechend ist dies der Blick von unten in das Gerät. Trafo und Netzteil ganz rechts, der Endstufen-Kühlblock halbrechts, die wieder eingebaute Platine links daneben. Die Platine mit dem Lautsprecher-Relais ganz oben rechts aussen.

 

Das sind die MOSFET-Power-Transistoren von Hitachi.

 

Die Spannungsverstärkung der Endstufe wird weitgehend von einem Dickschicht-IC von Sanyo besorgt.

 

So schaut der komplette Verstärker von aussen aus – typisch Accuphase eben.

 

Die Front in “champagner” war seinerzeit schon wegweisend, von Accuphase als neusilber bezeichnet.

 

Wie bei Accuphase üblich, Knöpfe aus dem vollen gedreht und jeweils mit zwei Schrauben auf den Achsen montiert. Auch auf der Front der Hinweis auf die MOSFET-Endstufe.

 

Stabile Kunststoffknöpfe, die auch nach knapp 40 Jahren nicht schwächeln, und insgesamt 5 Leuchtdioden zieren die Front.

 

Der Eingangswahlschalter hat nur vier Stellungen – es gab schließlich noch keine CD-Player. Traditionsgemäß heißen die Phonoeingänge bei Accuphase “Disc”.

 

Zusätzlich gibt es aber noch zwei Tape-Anschlüsse.

 

Das Balance-Potentiometer kratzte übrigens auch ganz fürchterlich, bekam natürlich ebenso eine Reinigung und Versiegelung und ist nun wieder mucksmäuschenstill.

 

Die Loudness-Schaltung, hier Compensation genannt, ist zweistufig: schwach oder stark.

 

Hinten gibt es etliche Anschlüsse, sogar für Phono MC – was 1979 noch wirklich selten war.

 

Die Disc 1-Eingänge sind auf dem Foto mit den originalen Kurzschluss-Steckern bestückt. Unbenutzte Phono-Eingänge sollte man im Betrieb möglichst kurzschließen.

 

Natürlich ist diese High-End-Vollverstärker zwischen Vor- und Endstufe auftrennbar.

 

Eine absolute Besonderheit ist der zusätzliche Monoausgang des Vorverstärkers, der wahlweise als Fullrange- oder als Subwoofer-Ausgang genutzt werden kann. Die Fullrange-Stellung macht immer dann Sinn, wenn der angeschlossene Subwoofer eine passive Frequenzweiche an Bord hat.

 

 

Auch heute noch erzielt dieses Modell von Accuphase immer noch Spitzenpreise und kann klanglich mit heutigen Spitzengeräten locker mithalten. Toll bei dem Alter, oder?

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0