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Yamaha R-700

1981 brachte im Hause Yamaha eine Wende in der Empfangstechnik. Gab es bisher ausschließlich Drehko-Tuner, also solche mit Zeiger und Skala nebst Tuning-Drehknopf, so wurden jetzt die Synthesizer-Empfänger eingeführt, also solche mit UP- und DOWN-Tasten, die den automatischen Sendersuchlauf aktivieren und darüber hinaus auch Stationstasten mit Senderspeicher ermöglichen. Dies allerdings nur bei den teureren Modellen, bei den einfachen, preisgünstigeren Modellen musste weiterhin am Knopf gedreht werden. 

Bei den Receivern wurde die CR-Baureihe von einer neuen Gerätegeneration mit dem Namen R- abgelöst. Die Baureihe umfasste die kleinen Drehko-Tuner-Modelle R-300 und R-500. Ab da gab es Synthesizer-Tuner in den Modellen R-700, R-900, R-1000 und R-2000. Um den Mittleren geht es heute, er kostete damals 998,- DM und bot dafür eben den Synthesizer-Tuner mit fünf Stationstasten sowie ein Verstärkerteil mit zwei mal 80 Watt sinus an 4 Ohm nach DIN.

Das zu uns zur Komplettrestaurierung eingesandte Exemplar machte keinen Ton mehr nach einem Stromausfall. Aber schon vorher gab es Klagen über nicht mehr gut funktionierende Schalter.

Rasch konnten wir klären, dass es die Hybridendstufen (sowohl den Stereo-Spannungsverstärker als auch den Stromverstärker rechts) zerstört hatte. Glücklicherweise sind diese Hybride noch als Nachbauten lieferbar, wir haben mit diesen vom Hersteller Lumonic nur gute Erfahrungen gewonnen. Jedoch mussten diese erst mal bestellt werden.

 

In der Zwischenzeit konnten wir uns schon mal mit allen anderen Mängeln beschäftigen. Die hier verbauten Drehschalter mit fünf Stellungen der Marke Matsushita (Panasonic) dienen der Eingangswahl und als REC OUT-Selector. Zum richtigen Reinigen müssen diese ausgebaut werden. Links ist die Patine nach dem Entlöten zu sehen, die Schalter stecken noch drin.

 

Hier nun beide Schalter ausgebaut, sie sidn im Übrigen identisch, lediglich anders beschaltet.

Hier sind beide bereits zerlegt, bereit für eine gründlichen Reinigung. Unten liegen schon die abgenommenen Kontaktreiter.

Gereinigt wird mit sanfter Metallpolitur, man erhält so eine hochglänzende Kontaktfläche. Der Schalter rechts im Bild wurde schon poliert, der linke ist noch so wie ausgebaut.

Hier nochmals von oben betrachtet. Wir zeigen das immer wieder, weil das leider nicht überall so gemacht wird.

Hier sind beide bereits poliert, der rechte Schalter hat schon die schützende Schicht aus Schalterfett bekommen, die nötig ist, damit die blanken Metallteile nicht sofort wieder zu korrodieren beginnen.

Auch die Kontaktreiter erhalten an den richtigen Stellen eine Reinigung mit hochfeinem Schleifpapier (6000er Körnung). Es ist weiß, damit man den entfernten Schmutz gut sehen kann.

Nun sind die Schalter bereits wieder komplett montiert und können wieder zurück ins Gerät.

Dies ist der Stromverstärker als Hybrid-IC als Original-Yamaha-Teil. Das gibt es natürlich nach 40 Jahren nicht mehr, aber Yamaha war schon damals so fair und schrieb auf das Gehäuse, welches IC der Marke Sanyo innen drin steckt. Ein STK1050II - und das gibt es noch heute zu kaufen. Allerdfings als Nachbau, in unserem Fall von der Firma Lumonic.

Links das Original-Yamaha-IC, rechts die Nachbauten von Lumonic. Damit das nicht so ungleich und repariert aussieht, bauen wir in so einem Fall zwei neue IC's (für rechts und links) ein und heben das intakte IC für einen späteren Fall auf. Der Kunde bezahlt natürlich nur ein IC - Ehrensache!

Auf diesem Bild sind nun alle drei IC's bereits eingebaut - und alles spielt wieder wie neu. Den Stereo-Spannungsverstärker (vorn im Bild) hatten wir noch aus alten Beständen, den gibt es leider auch nicht mehr als Nachbau.

Um an alle Schalter und Potis gut heran zu kommen, kann man beim R-700 die Werkplatte unter der Frontplatte recht einfach demontieren und kann dann prima an selbigen arbeiten.

Das Balance-Poti (Bildmitte) hatte einen Schlag abbekommen (entweder auf dem Trasport oder bereits früher einmal) und setzte nun aus, das haben wir erneuert.

Nachdem dann alles fertig war, inklusive einem Tunerabgleich, konnte alles wieder zusammengebaut werden. Hier ein Überblick auf das gesamte Gerät von unten.

Der gleiche Überblick von oben. Links oben der Netztrafo mit Netzteil, darunter die Endstufen, rechts das Tunerteil.

So schaut das Gerät von außen aus im Gesamten. Wie bei Yamaha üblich extrem klassisch mit sehr klaren Linien. Keinerlei Schnörkel oder Firlefanz.

Die Anzeige für das Empfangsteil mit Antennenabschwächer, Stereoanzeige, Lock-Anzeige (nach dem Abstimmen wird der Sender in einer PLL-Schleife festgehalten), einer fünfstufigen Feldstärkeanzeige (allerdings mit 10 LEDs) und der Frequenzanzeige - alles wirkt wie unbenutzt - und das nach 40 Jahren!

Unten sieht man die Wahlschalter für die beiden Lautsprechergruppen, ein Hi-Filter, zwei Klangsteller und ein Poti für den so genannten Spatial-Expander, der für ein breiteres Klangbild sorgen soll.

Rechts am Gerät findet man die fünf Stationstasten nebst dem Memory-Taster, darunter die breite Suchlauftaste und den Umschalter für AM und FM. Die beiden oben beschriebenen Drehschalter haben die Yamaha-typischen Knebelknöpfe, die man noch heute an den Hifi-Geräten dieser Marke findet. Balance- und Loudness-Steller (stufenlos, auch das ist eine Yamaha-Spezialität) sowie Mono- und Muting-Knöpfe und dem Volume-Steller vervollständigen das Bild.

An der Rückseite befinden sich Cinchbuchsen für Phono, Aux und zwei Tapes, sowie Antennen- und Lautsprecher-Anschlüsse. Links gibt es noch einen klappbaren Halter für eine kleine AM-Rahmenantenne.

Das serienmäßige Holzgehäuse ist leider nur foliert, echtes Holz gab es nur für die beiden großen R-1000 und R-2000.

 

Insgesamt ein beeindruckender Receiver aus dem Jahr 1981, die Arbeit an ihm hat viel Spaß gemacht.

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Kommentare: 1
  • #1

    Markus (Samstag, 27 November 2021 11:37)

    Toller, informativer Bericht! 1000 Dank für eure großartige Arbeit!